1881

Auf den günstigen Gesundheitszustand des vergangenen Jahres erfolgte alsbald ein sehr ungünstiger im neuen Jahre. In den ersten Monaten desselben herrschte die Lungenentzündung in bedenklicher Weise. Auch zeigten sich vereinzelte Fälle von Halsbräune (d. i. Diphterie). Die Sterblichkeit war verhältnismäßig groß; denn es erreichte das Todtenregister schon im ersten Halbjahre die Zahl: 19, darunter 9 Erwachsene. Von den Gemeinde-Verordneten schieden aus: Anton Günther (durch die Wahl zum Vorsteher) und Anton Tölle; an deren Stelle der Ackerwirth August Nolte (später Sicken vulgo Striewen) und der Gastwirth Johannes Köster gewählt wurden. Johannes Köster hatte den "Gasthof zum weißen Hirsch" neben der alten Kirche einige Jahre zuvor ganz neu errichtet. Wenige Jahre später verkaufte Köster das Gasthaus an seinen Schwager Martin Schäfers, dessen Nachkommen die traditionsreiche Wirtschaft bis zur Schließung im Jahre 2000 betrieben. Bis in die 1930er Jahre war in dem Hause auch eine Kolonialwarenhandlung untergebracht. Im Hochsommer herrschte unter den Schweinen eine Krankheit, die der Bräune ähnlich war. Meistens wurden die größeren davon angegriffen und erlagen derselben schon nach 24 Stunden. Die Zahl der in Folge dieser Krankheit in Abgang gekommenen Schweine belief sich auf 30 Stück.
Auf die Feldfrüchte übte die im Vorsommer herrschende Dürre einen nachtheiligen Einfluß aus. Winterkorn ist allerdings noch ziemlich gut gerathen, dagegen das Sommerkorn sehr spärlich ausgefallen. Insbesondere ist daas Viehfutter spärlich eingekommen.
Die Kartoffelernte war eine ausgezeichnete zu nennen, sowohl hinsichtlich der Quantität als auch der Qualität; wurden doch unter den sog. Rosenkartoffeln(?) einzelne Knollen von 400 bis 600 Gramm Gewicht angetroffen. Das Einernten der Kartoffeln erlitt wegen der späten Reife derselben eine Verzögerung und wurde durch das anhaltende Regenwetter sehr erschwert.
Am 4. October fiel der erste Schnee in recht bedeutender Menge.

Holtheim, den 14. October 1881

Der Vorsteher Die Gemeinde-Verordneten

Günther Buschmeyer Schaefers F. Günther
(Nr. 31, vulgo Kürlemeggers) Nolte J. Köster Waldeyer

In der Nacht vom 14. Zum 15. October wüthete ein orkanartiger Sturm, der viele Dächer mehr oder weniger beschädigte, manche Bäume durchbrach, andere entwurzelte. Mit Ausnahme weniger Tage war bis zum Jahresschlusse eine sehr gelinde Witterung, so daß die Hirten noch lange austreiben konnten. Die Schafe lagen bis zum 9. December draußen in den Hürden.