1882
Auch im neuen Jahre war die Witterung eine sehr milde. Am 7. Januar hatten wir das erste Gewitter bei 4 Grad Wärme. Im Februar zeigten sich bereits Palmen (Weidenkätzchen) und andere Blumen, so daß die Bienen bereits einige Nahrung fanden. Das Winterkorn entwickelte sich vortrefflich und befürchtete man, daß dasselbe zu stark wurde und in Folge dessen faulen würde; was jedoch nicht eingetreten ist. Mitte Juni traten kalte Tage ein, und hat der sonst üppig stehende Roggen theilweise Schaden gelitten. Die Ernte an Winter- und Sommerkorn fiel ziemlich gut aus. Stroh wurde in bedeutender Menge gewonnen, der Körnerertrag blieb jedoch hinter der gehegten Hoffnung sehr zurück. Die Preise des Kornes stellten sich sehr niedrig. Roggen kostete a Scheffel 5,50 Mark, Hafer 2,50 Mark und hielt es noch dazu in manchen Fällen schwer, Hafer zu finden. Die Kartoffelernte war eine mittelmäßige. Am 13. November trieben die Hirten zum letzten Male aus. An diesem Tage trat Frostwetter ein, und am folgenden fiel der erste Schnee in bedeutender Menge. Der Winter war im Allgemeinen bis zum Schluß des Jahres ein recht milder. Gegen Ende des Jahres brach hier die Typhuskrankheit aus, von welcher vier Familien heimgesucht wurden, jedoch ohne tödlichen Ausgang. Der Gesundheitszustand war im Allgemeinen ein befriedigender zu nennen.
(Anm.: Eine Abzeichnung durch die Gemeindeverordneten erfolgte nicht.)

1883
Von den Gemeinde-Verordneten schieden aus: Friedrich Günther (durch den Tod), Ferdinand Buschmeyer und Georg Waldeyer. F. Buschmeyer wurde wiedergewählt, und durch den Rittergutsbesitzer Tenge, der allein die 1. Wählerklasse bildet, der Glasmacher Kunkel und der Glasschleifer Kammler zu Marschallshagen zu Gemeindeverordneten ernannt. Bis zum Ausgange des Winters war das Wetter sehr veränderlich. Am 5. März war ein sehr schöner, warmer Tag und am 6. ein großes Schneegestöber. Der gefallene Schnee blieb längere Zeit in bedeutender Höhe liegen. Der Sommer war im Allgemeinen ziemlich dürre und gediehen in Folge dessen die Sommerfrüchte ziemlich spärlich.

Holtheim, den 22. Juli 1883

Der Vorsteher: Die Gemeinde-Verordneten:

Günther (Nr. 31) Kammler Kunkel Nolte
J. Köster Buschmeyer

Der Sommer war im Allgemeinen ziemlich dürre und gediehen in Folge dessen die Sommerfrüchte ziemlich spärlich. Hafer war meistens (unleserl.) und lieferte wenig und leichte Körner. Die Roggenernte war recht befriedigend, wenn auch der Ertrag des vorhergehenden Jahres nicht erreicht wurde. Die Kartoffelernte war mittelmäßig. In diesem Jahre wurde der katholischen Kirchengemeinde ein sehr angenehmes Geschenk von dem früheren(?) Verwalter Anton Kröger gemacht, nämlich eine Thurmuhr, geliefert von dem Uhrmacher Schröder zu Paderborn zum Preise von 468 Mark. Das Wohnhaus des Schäfers Joseph Nolte brannte nieder. Im Dezember wurde eine neue Orgel von der Gemeinde angekauft zum Preise 690 Mark und die alte zu 150 Mark wieder verkauft. Der Winter war bis zum Jahresschlusse ein milder, so daß die Hirten ziemlich lange austreiben konnten, was bei der schwachen Heuernte insbesondere den Schafbesitzern gut zu statten kam.

1884
Auch im neuen Jahre war milde Witterung andauernd. Im Februar gab es sehr warme Tage. Das günstige Frühlingswetter wirkte sehr vorteilhaft auf die Feldfrüchte, und sah man im Mai bereits den Roggen in Ähren sprießen. Leider traten später noch sehr kalte Tage ein, wodurch das Wachsthum aller Fruchtarten bedeutend beeinträchtigt wurde. Im Juni konnte man geheizte Öfen finden.
Am 3. Mai brannte das Haus des Carl Meyer und am 22. Juni das des Hermann Diekmann vollständig nieder. Da beide Häuser mit Stroh bedacht waren, so griff das Feuer sehr rasch um sich, und nur der raschen und kühnen Hilfe war es zu danken, daß überhaupt etwas gerettet wurde. Das Haus des August Nolte No. 49 (heute vulgo Striewen, Eggestr. 5) brannte im Juli vollständig ab.
Der Gesundheitszustand war unter den Erwachsenen ein recht befriedigender, nur 2 Erwachsene starben im ersten Halbjahr. Unter den Kindern dagegen herrschte der Stickhusten, der zahlreiche Opfer gefordert hat. Während im Juni kaltes Wetter vorherrschend war, trat im Juli warmes, heißes Wetter ein. Am 2. Juli entstand Nachmittags ein schweres Gewitter, von bedeutendem Regen begleitet, welcher manchen Schaden an den Äckern angerichtet hat. Auch an den folgenden Tagen trafen Gewitter ein. In der Nacht vom 13. zum 14. Juli war ein so schweres Gewitter, wie es die ältesten Leute nicht erlebt haben, jedoch ist hier ein bemerkenswerther Schaden durch dasselbe nicht verursacht, während von andern Ortschaften her die traurigsten Nachrichten einliefen.

Holtheim, den 15. Juli 1884

Der Vorsteher Die Gemeinde-Verordneten

Günther (No. 31) Köster Kammler Kunkel Nolte

Am 17. Juli Nachmittags gegen 4 Uhr schlug der Blitz in das Nebenhaus der Wittwe Humberg und zündete. Schon stand das ganze Gebäude in Flammen und konnte fast gar nichts gerettet werden. Ein Schwein verbrannte, mehrere Bienenstöcke wurden durch das Feuer zerstört. Der ziemlich starke Westwind trieb ein brennendes Strohbüschel über das erste Nachbarhaus hinüber auf das Wohnhaus des Ackerwirths August Nolte (No. 49, Eggestr. 5), welches alsbald ebenfalls brannte. Beide Häuser sind bis auf den Grund niedergebrannt.
In der ersten Septemberwoche schlug der Blitz in eine Eiche auf dem sogenannten Haineplatze (Bereich an der unteren Drüft, jetzt Eggestr., in Höhe des Friedhofes). Dieselbe ward 7fach gespalten (Schwer leserlich. Es könnte auch 2fach heißen).
Der Gesundheitszustand war im Spätsommer im Allgemeinen ein recht befriedigender. Ein Typhusfall kam vor, auf welchen sich diese böse Krankheit glücklicher Weise beschränkte.
Die Roggenernte fiel an Stroh reichlich, an Körner spärlich aus. Das übrige Korn, besonders Hafer, lieferte einen guten Ertrag. Im November schieden die Gemeindeverordneten Ludwig Schäfers und August Nolte aus dem Gemeindevorstande aus. In der, Ende November, abgehaltenen Wahl wurden der Ackerwirt Heinrich Dreker für den erstgenannten und der Ackerwirt Johannes Schopohl für den zweiten gewählt. Diese Wahl wurde jedoch wegen nicht genügender Bekanntmachung beanstandet und höheren Ortes verworfen. Die darauffolgende Wahl war am 14. Februar 1885 und es wurde der Ackerwirt Heinrich Dreker aus der II. und der Ackerwirt August Nolte aus der III. Abteilung gewählt. Diese Wahl wurde für gültig erklärt und es wurden die Gewählten am 28. Februar in ihr Amt eingeführt.

1885
Durch Verfügung Königlicher Regierung vom 25. Februar wurde der Neubau eines Schulhauses, welcher schon seit mehreren Jahren in Erwägung gebracht war, angeordnet. Am 3. März wurden durch den Tierarzt Herrn Becker aus Paderborn die Schafe in hiesiger Gemeinde einer Besichtigung wegen Räude unterworfen und dieselben wurden, mit Ausnahme einer Herde von 120 Stück, als räudefrei befunden.
Die Witterung im Februar, März und April war milde, so daß der junge Roggen und Klee schnell wuchsen und eine reiche Ernte versprachen. Ende April und Anfangs Mai zeigten sich oft Gewitter, welche häufigen Regen brachten. Die Nässe hinderte vielfach das Pflanzen der Kartoffeln und die Aussaat von Rauhkorn. Anm.: Als Rauhkorn wurde eine Mischung verschiedener Futterpflanzen bezeichnet, die zusammen ausgesät wurden. Sehr häufig waren die Kombinationen Hafer / Erbsen oder Hafer / Wicken anzutreffen. Die Obstbäume waren reichlich mit Blüten beladen und der Graswuchs war ein ausgezeichneter. Die Bienen, welche im Winter wenig gezehrt hatten und volkreich geblieben waren, konnten des Regens wegen aus den vielen sich vorfindenden Blüten wenig Nahrung holen. Unter den Männern im kräftigen Alter kam im Laufe des Winters und Frühlings mehrfach Lungenentzündung vor und es wurden einige von andern Krankheiten unerwartet und schnell dahingerafft.
Dem Herrn Dr. Bartscher in Lichtenau wurde Wasser aus allen Brunnen und Zisternen des Ortes zur Untersuchung übergeben. Am 13. Mai fand die Impfung der Kleinen und die Wiederimpfung der zwölfjährigen Kinder durch den Sanitätsrat Dr. Ferrari aus Lichtenau statt.


Holtheim, den 13. Mai 1885

Der Vorsteher Die Gemeinde-Verordneten

Günther Buschmeyer Köster Kunkel Kammler Nolte Dreker

Anfangs Juni gab es Nachtfröste, wodurch die Gartenbohnen, Kartoffeln und die Roggenblüte beschädigt wurden.
Durch Schellenschlag wurde am 19. Juni bekannt gemacht, daß die für räudekrank erklärten 120 Schafe eines hiesigen Einwohners räudefrei seien. Am 13. Juni verkündigte die Glocke, daß auswärts Feuer ausgebrochen sei. Die hiesige Spritze wurde eiligst, von der ausreichenden Bedienungsmannschaft begleitet, nach Lichtenau gefahren, wo der Brand in weitem Umfange ausgebrochen war. 21 Häuser waren in zwei Stunde eingeäschert. Mehrere Gewitter, welche hier schadlos vorüberzogen, brachten erquickenden Regen und beförderten hierdurch den Wachsthum der Saaten. Durch ein Schreiben des Königlichen Landratamtes zu Büren wurde mitgeteilt, daß das Wasser aus 13 Brunnen der Gesundheit entsprechend und aus 29 Brunnen und Zisternen gesundheitsschädlich sei. Zugleich wurde die Versiegelung der letzteren verfügt. Am 10. Juli fand eine Nachimpfung der schon im Mai geimpften Kinder statt. Ein Gewitter, welches am 12. September über einen Teil der hiesigen Feldmark zog, brachte Hagel, der an dem noch wachsenden Hafer erheblichen Schaden anrichtete. Der Tagelöhner Martin Westemeyer von hier, welcher am 10. September in Lichtenau bei einer Dampfdreschmaschine thätig war, wurde so unglücklich von derselben erfaßt, daß ihm der rechte Unterschenkel bis fast zum Kniegelenk abgerissen wurde, und derselbe in Folge der notwendig gewordenen Amputation nach 2 Tagen im Krankenhause zu Paderborn starb.
In der Nähe unseres Ortes fand am 15. September ein Herbstmanöver statt. Die hiesigen Einwohner erhielten keine Einquartierung, weil unter den Kindern die masern im hohen Grade ausgebrochen waren. Der verursachte Schaden an Feldfrüchten, den die Truppenübungen notwendig machten, wurde ausreichend vergütet. Bei Lichtenau, Husen und Haaren nahmen die Truppen in der Nacht vom 15. auf den 16. Bivouac (soll wohl heißen: Biwak) und setzten am 16. die Übungen bis Paderborn und Geseke fort.
Die Ernte war eine mittelmäßige. Kartoffeln, Klee und Rauhkorn wurden reichlich eingescheuert. Die Haferernte fiel spärlich aus. Der junge Roggen stand lückenhaft und zeigte keine Fülle im Wachstum. Mäuse und Schnecken richteten an demselben bedeutenden Schaden an. Die Wintergerste stand üppig.
Anfangs November wurde das für gesundheitsschädlich befundene Wasser der 29 Brunnen und Zisternen, nach vorhergegangener Reinigung derselben, untersucht und für brauchbar erklärt. Im Dezember war die Witterung ziemlich gelinde, im Januar hatten wir tiefen Schneefall.

1886
Am 24. Januar soll der Tagelöhner Drewes aus Blankenrode, welcher für sich und seine Mitarbeiter Hauerlohn von dem Haumeister Joh. Kniewel hierselbst geholt hatte, nach seiner Aussage, gegen 9 Uhr Abends, unterhalb Holtheim, bei den Eichen, von dem Tagelöhner Joseph Lange von hier auf seinem Wege überfallen, mißhandelt und seines Geldes beraubt sein. Der Verdächtige wurde alsbald eingezogen und zu 5 Jahren und 10 Monaten Gefängnis verurteilt. Ende Februar fiel der Schnee sehr tief, und die Kälte war heftig und anhaltend.
Das Wild fand nicht die notwendige Nahrung, und es sind mehrere Hasen und Rehe und viele Vögel vor Hunger und Kälte umgekommen.
Der Glashändler Joh. Mehring von hier wurde am 26. Februar Abends gegen 6 Uhr von dem Jagdpächter Heinrich Humberg hierselbst im sogenannten Hartkampe, zwischen Holtheim und Kleinenberg belegen, im Schnee erfroren gefunden. Der Verunglückte ist von Kleinenberg gekommen, hat sich vermutlich verirrt und hat in der Nähe des Lippsberges eine kurze, aber steile Anhöhe ersteigen wollen, ist matt geworden, wiederholt zurückgeglitten, wie die Fußspuren im Schnee gezeigt haben, und ist dann erfroren.
Die größte Kälte war am 1. März. Am 2. und 3. war heftiges Schneegestöber und am 4. wurde die Luft milde. Diese und der Sonnenschein verzehrten nach und nach den Schnee. Am 20. bekamen wir Regen. Der April war heiter und trocken. Vieh- und Kornpreise standen niedrig.
Junge Schweine wurden jedoch theuer bezahlt. Die Winterfrucht, besonders der Roggen, stand lückenhaft, so daß in hiesiger Feldmark mehrere mit Roggen besamte Ackerstücke umgepflügt und mit Sommerkorn bestellt werden mußten. Der begonnene Mai brachte fruchtbaren Regen. Nachdem der Neubau eines Schulhauses definitiv angeordnet war, wurde am 8. Mai die alte Lehrerwohnung zum Abbruch verkauft. Dieselbe erhielt der Uhrmacher Wilhelm Möller aus Lichtenau für den Preis von 210 Mark. Der Abbruch wurde bald darauf vorgenommen. Am 22. Mai zeigte das Thermometer 25 Grad Wärme. Ein Gewitter, welches, am Sonntag, den 23. Mai, heranzog und in vielen Gegenden großen Schaden angerichtet hat, war hier auch sehr drohend, ging jedoch ohne Schaden, jedoch auch ohne den erwünschten Regen, vorüber.

Holtheim, den 24. Mai 1886.

Der Vorsteher Die Gemeinde-Verordneten

Günther Buschmeyer Dreker Köster Kammler Kunkel

Der Neubau des Schulhauses ist zu 16626 Mark veranschlagt. Davon zahlt die Königliche Regierung als Allerhöchstes Gnadengeschenk 10086, die Gemeinde für Hand- und Spanndienste 6540 Mark. Die Eröffnung der eingereichten Offerten zum Schulhausbau wurde am 22. Mai in der Wohnung des Herrn Vorstehers Günther durch den Herrn Amtmann Wieneke aus Lichtenau vorgenommen, und wurde der Zuschlag dem Herrn Maurermeister Köhler aus Atteln, nach Ablauf der festgesetzten Frist, bei einem Mindergebote von 6,5% erteilt. Mit der Aufsicht und Leitung des Baues wurde der Herr Ingenieur Wehrmann aus Paderborn beauftragt.
Am 10. Juni wurden die Kleinen und zwölfjährigen Kinder geimpft. Der Platz neben der Kapelle, auf welchem die Lehrerwohnung gestanden hat, wurde als Baustelle bestimmt, und die Grenzlinien derselben wurden am 15. Juni nach geschehener Vermessung vom Herrn Wehrmann durch eingeschlagene Pfähle gekennzeichnet. Auf Johanni (25. Juni) war es so kühl, daß man einheizen mußte. Anm: Kleiner Irrtum: Johannes Bapt. ist am 24.6.!
Auch zogen mehrere Gewitter vorüber, welche anhaltenden Regen brachten. Sonntag, den 26. Juni, Morgens gegen 7 Uhr, als eben die Hl. Messe beendet war und der Priester das Evangelium verlesen wollte, verließen die Kirchenbesucher eiligst das Gotteshaus, weil das Haus des Tagelöhners Wilhelm Jöhring in Flammen stand. Es wurden die meisten Möbeln, wenngleich beschädigt, dem Feuer entrissen. Am selbigen Tage hatten wir gegen Mittag schwere Gewitter, welche von Gußregen begleitet waren.

Nachdem Steine zur neuen Schule auf dem Hügel gebrochen und Sand in der Gemeindegrube bei den Eichen losgehackt und beides zur Baustelle gefahren war, wurde am 30. Juni der Bau angefangen. Im Juli war das Wetter kühl und naß. Die Mauerarbeiten an der neuen Schule wurden mit Eifer fortgesetzt, and am 24. August waren die Mauern bis zur Giebel vollendet. Das Bauholz der Mittelwände wurde am 25. August von dem Herrn Zimmermeister Spieker aus Lichtenau, welcher die Zimmerarbeiten ausführte, gerichtet. Durch den Eichmeister Herrn Rodie aus Paderborn wurden am 24. August die Maaße und Gewichte der hiesigen Geschäftsleute einer Revision unterworfen. Vom 19. August an war es recht warm. Am 30. und 31. hatten wir 23 Grad Wärme im Schatten. Der geschnittene Roggen, welcher spärlich ausfiel, und das Rauhkorn wurden eingeheimset, der Hafer reifte in Folge der Hitze sehr schnell. An Stelle des verstorbenen Gemeindeverordneten August Nolte wurde der Ackerwirt Friedrich Diekmann von hier gewählt und am 27. August durch den Herrn Amtmann Wieneke in sein Amt eingeführt.
Die massiven Wände der Schulscheuer wurden am 31. August fertiggestellt. Mit dem 3. September begannen der frühen Ernte wegen die Schulferien. Am 2. und 5. September hatten wir Gewitter ohne Regen. Den Zeitungsberichten nach haben dieselben in vielen Gegenden durch Entzünden und Wolkenbruch bedeutend geschadet. Das Dach des neuen Schulhauses wurde am 8. September gehoben, und um diese Zeit wurde auch das Dach der Kapelle umgelegt. Wir hatten anhaltende Hitze und schönes Erntewetter. Die Haferernte fiel reichlich aus. Es herrschte aber eine solche Dürre, daß die meisten Brunnen ausgetrocknet waren, und der Roggen nur stellenweise gesäet werden konnte. Am 15. September fiel die Temperatur von 20 auf 10 Grad. In der Nacht vom 27. auf den 28. erhielten wir den so sehnlichst verlangten Regen. Das Dach der neuen Schule und der kleinen Scheuer wurde am 7. und 8. Oktober mit Ziegeln gedeckt. Auch wurden die Rinnen angeschlagen. Durch den Geometer Kristen aus Paderborn wurden die Gemeindewaldungen vermessen und die Grenzen durch Steine bestimmt. Anfangs Oktober wurde der Herr Kreisschulinspektor Dr. Ernst zu Büren als Seminar-Direktor nach Tudsel (könnte auch heißen: Tuchel) versetzt und die einstweilige Verwaltung der Stelle vom 15. ab dem Herrn Kreisschulinspektor Dr. Winter in Paderborn übertragen. Durch den am 8. Oktober eingetretenen erwünschten Regen erfrischt, fing die junge Wintersaat bald an, üppig zu wachsen. Die Kartoffelernte, welche ziemlich mittelmäßig ausfiel, war um diese Zeit beendet. Die Bienen hatten sehr wenig Honig eingetragen, so daß die Bienenzüchter nur wenige Stände behalten konnten. Die Herstellung der Aborte an der neuen Schule wurde am 11. Oktober angefangen und am 29. beendet. Auch wurde der Blitzableiter angelegt. Am 23. wurden die für lebensgefährlich erklärten Stellen der Decke in der Kapelle eingeschlagen. (Anm.: Es handelte sich meine Flachdecke aus Lehmwellern, welche über 20 cm abgesunken war. Nach langem Streit um die Art der Neuwölbung wurde schließlich 1888 ein Holzgewölbe in die Kapelle eingezogen.) Als Seltenheit ist zu verzeichnen, daß Mitte Oktober an den Apfelbäumen neben Früchten auch Blüten prangten, und Stangenbohnen Blüten, junge und reife Bohnen zugleich trugen. Auch die Erdbeeren blüheten und hatten halbausgewachsene und reife Beeren. Von den Gemeinde-Verordneten schieden Adolph Kunkel von Marschallshagen und Johannes Köster von hier aus. Anm: Johannes Köster stammte aus Meerhof und war Pächter der Marschallshagener Glasfabrik. Er bewohnte den von ihm erbauten Gasthof zum weißen Hirsch in Holtheim, den er 1893 an seinen Schwager Martin Schäfers verkaufte. Bei der am 24. November abgehaltenen Wahl wurde aus der I. Klasse der Förster Friedrich Knothe (aus Marschallshagen) und aus der III. Klasse der Wagener Ferd. Tölle gewählt. Die Witterung war im November gelinde. Wenngleich es einige mal regnete, so blieben doch viele Brunnen trocken. Der Dezember war anfangs nicht strenge.
Am 15. Dezember schied, dem Rufe unsers Hochwürdigsten Herrn Bischofs folgend, der hier allgemein geliebte Herr Vikar Hansmeyer nach fast 17 jährigem segensreichen Wirken von hiesiger Gemeinde, um die Pfarrstelle in Iggenhausen zu übernehmen. Freitag, den 17, hielt der Herr Vikar Hillebrand, von Iggenhausen kommend, unter Böllerschüssen und Glockengeläute, unter Ausschmückung der Kirche und Straßen, seinen Einzug in unseren Ort. Zur Aufbringung des Vikariegehaltes war nach dem Maßstabe der Klassensteuer eine Kirchensteuer festgestellt, welche von der Königlichen Hochlöblichen Regierung genehmigt wurde. Am 18. Dezember fiel der erste Schnee, und Schneefall und Sturm dauerten bis zum Jahresschlusse mit wenigen Unterbrechungen fort.

Holtheim, den 31. Dezember 1886

Der Vorsteher Die Gemeinde-Verordneten

Günther Buschmeyer Tölle Diekmann Dreker Knothe Kammler

1887
Anfangs Januar war es sehr kalt; am 16. hatten wir 12 Grad Kälte, am 20. trat Thauwetter ein. Die am 24. November vorigen Jahres neugewählten Gemeinde-Verordneten Herr Knothe und Herr Tölle wurden am 12. Januar in ihr Amt eingeführt.
Die erledigte Kreisschulinspektion Büren wurde am 1. Januar dem bisherigen Gymnasiallehrer Herrn Brand aus Paderborn commissarisch übertragen, und am 11. fand die Einführung des genannten Herrn in seine neue Stellung statt.
Zu Marschalshagen brannte am 6. Februar Morgens gegen 6 Uhr ein Nebengebäude der Glasfabrik größtenteils nieder.
Am 21. Februar war in der Wohnung des Vorstehers Günther die Wahl eines Abgeordneten zum Reichstage. Das Wetter war im Februar und anfangs März milde. Vom 16. bis zum 19. März war Schneefall Bald darauf bekamen wir Thauwetter. Der April war ziemlich gelinde und trocken. Der junge Roggen stand durchschnittlich gut, wo hingegen die Wintergerste durch den Schnee fast ganz vernichtet war. Die Aussaat des meisten Sommerkornes ging, der trockenen Witterung wegen, rasch vorwärts. Am 1. Mai zog ein schweres Gewitter hier vorüber. Nach demselben erhielten wir starken Regen und eine fruchtbare Zeit. Unser Dorf glich bei der Blütenpracht der zahlreichen Obstbäume bald einem großen schönen Obstgarten. Schade, daß die Blüten der Schwetschenbäume so sehr unter der bald eintretenden Dürre litten, daß viel Schwetschen abstarben und von den Bäumen fielen. In den regenlosen Tagen des Juni herrschte in der ersten Hälfte rauher Wind, dann anhaltende Wärme. Der Juli, anfänglich kühl, brachte am 4., am 22. und am 31. heftige Gewitter mit fruchtbarem Regen. Herrlich war das Wetter der zweiten Hälfte des Juli, um das wenngleich gering ausfallende Heu einheimsen zu können. Bei der meist trockenen und kühlen Witterung, wie sie den Sommer hindurch bis September fortdauerte, konnte die Winterfrucht hierselbst nur sehr üppig stehen, und sahen wir, nachdem auch die Sommerfrucht und das Gemüse sich erholt hatte, fröhlich einer in allen Teilen ausgezeichneten Ernte entgegen. Leider sollte diese Freude getrübt werden durch den anhaltenden Septemberregen, welcher die Reife und das Einfahren der Feldfrüchte so verzögerte, daß die fleißigen Arbeiter noch mitten in der überaus gesegneten Kartoffelernte am 14. Oktober vom ersten Schnee und Frost überrascht wurden. In den dann folgenden regnerisch kalten Oktobertagen hieß es, Gewalt anwenden, um die noch draußen befindliche Frucht zu erhalten. Leider konnten bei allem Eifer mehrere Einwohner infolge der 2 kalten Nächte gegen Ende des Monats nur erfrorenes Obst und Gemüse und erfrorene Kartoffeln heimschaffen. Dieser späten Ernte entsprechend konnte auch die neue Aussaat erst im November bei allerdings schöner Witterung geschehen.
An das im vorigen Sommer im Rohbau fertiggestellte Schulhaus wurde bereits früh die vollendende Hand angelegt. Im Mai wurden im Innern die Mauern verputzt und die Spalierdecken angebracht. Im Juni geschah das Anstreichen der Thüren und Fenster und das Ausfugen der Mauerritzen, wie auch zu gleicher Zeit die Umgebung geebnet und ein Kanal zum Abfließen des Kellerwassers hergestellt wurde. Am 27. August geschah bereits die Abnahme durch den Herrn Kreisbaumeister Biermann aus Paderborn, so daß der Unterricht in den zwei Lokalen des neuen Gebäudes am 15. Oktober nach dem Dreiklassensystem beginnen konnte.
Einzelne Sommerbegebnisse sind: Am 13. Juli wurden die kleinen und 12jährigen Kinder geimpft; am 8. Juli brannte das Haus des Hubert Wolf ab; wobei nur wenige wertlose Sachen gerettet wurden, und am 12. August besichtigte der Herr Kreistierarzt aus Wiedenbrück die hiesigen Schafe, welche sämtlich räudefrei waren.
Im Herbst dieses Jahres sollte der vieljährige Wunsch der Gemeinde, einen eigenen Kirchhof zu besitzen, erfüllt werden. Das dazu von der Gemeinde in schönster Lage am "Haineplatze" hergegebene Grundstück wurde vom Herrn Kreisphysikus Dr. Terstesse aus Büren für gut befunden und nach eingeholter Genehmigung Königlicher Regierung und des Generalvikariats als Totenhof umzäunt. Wagener Ferd. Tölle von hier lieferte am 30. November die dauerhafte Pforte. Die erste Beerdigung auf dem neuen Friedhof geschah am 21. November. Man übergab der Grabesruhe die Leichen des 76jährigen Ackerwirts Anton Dreker und des 44jährigen plötzlich in Busch (bei Dörenhagen) verstorbenen Försters Johannes Grewe unter sehr großer Beteiligung der Ortsbewohner. Vom 14. Oktober bis zur Hälfte des Dezember wechselten kalte und milde Witterung. Am 14. Oktober, gegen Ende des Oktober und am 14. November, hatten wir Schneefall und jedesmal einige Tage Kälte, am 14. November fünfeinhalb Grad, während man die Witterung zu Anfang des November, ebenso in der 2. Hälfte des November und in der ersten des Dezember fast schön bezeichnen konnte. Vom 20. Dezember ab war tiefer Schnee mit Kälte bis 10 Grad.
Es starben 1887 sechs Erwachsene an Altersschwäche, drei an Schwindsucht und Einer, Jüngling Xaver Sander, eines jähen Todes. Außerdem starben drei Kinder. Der Gesundheitszustand war, abgesehen vom sogenannten "Ziegenpeter", welcher im August unter den Kindern herrschte, ein guter.

Holtheim, den 31. Dezember 1887

Der Vorsteher Die Gemeinde-Verordneten

Günther (Nr. 31) Kammler Buschmeyer Diekmann Dreker Tölle


1888
Am 1. Januar hatten wir bei tiefem Schnee und schneidiger Ostluft 10 Grad Kälte. Der 6. Januar brachte zwar für einige Tage Thauwetter, aber im Ganzen herrschte eine bittere Kälte. Sie erreichte ihren Höhepunkt von 13 Grad am 31. Januar. Im Februar wechselten Schnee, Frost und Thauwetter. Starke Kälte beschließt auch diesen Monat. Ungeheuer viel Schnee fiel bei heftigem Wehen vom 2. bis 4. März und am 21. Die Communication war fast unmöglich. Darnach am 6. und 22. März mildes Thauwetter.
Am 9. Februar brannte das Haus des Tagelöhners August Beseler nieder. Einige Möbeln und das Vieh wurden den Flammen entrissen.
Am 9. März, Morgens 8 ½ Uhr, entschlief sanft im Herrn in Berlin seine Majestät, unser vielgeliebter Kaiser und König, Wilhelm I, im bald vollendeten 91. Lebensjahre. Trauergeläute verkündete 14 Tage lang das schmerzliche Ereignis. Eine besondere Gedächtnisfeier wurde in Kirche und Schule am Geburtstage des hohen Toten, am 22 März, gehalten. Möge unser neuer Allergnädigster Kaiser und König Friedrich, den leider eine heimtückische Kehlkopfkrankheit ergriffen hält, noch viele Jahre mit starker Hand die Zügel der Regierung führen! Das ist der innigste Wunsch aller Holtheimer, die schon seit Monaten um die Wiedergenesung des hohen Kranken den Himmel anflehen. Der Gnadenerlaß Seiner Majestät erstreckte sich auf Vergehen, welche mit Gefängnis bis 6 Wochen oder mit Geld bis 150 Mark bestraft waren.
Noch am 11. April fiel reichlich Schnee. Darnach war das Wetter fortwährend so regnerisch und kalt, daß die Aussaat des Sommerkornes und die Bestellung der Gärten erst spät im Mai vorgenommen werden konnte. Die Bienen, welche im vergangenen Sommer zahlreiche Schwärme hatten, aber wenig Honig eintrugen, mußten um diese Zeit gefüttert werden. Die erste Hälfte des Mai war kühl und infolge scharfen Windes trocken. Pfingsten erst, am 20. Mai, zeigten sich Wald und Feld im frischen, jungen Grün, nachdem uns die ersten Gewitter am 16. und 19. warmen, fruchtbaren Regen gebracht hatten.
Die Kollecte für die Überschwemmten an der Elbe und Oder ergab hier die ansehnliche Summe von mehr als 100 Mark.
Am Schulhaus wurden im April einige Verbesserungen vorgenommen. Eine neue Hausthür wurde angebracht und es wurden die Hespen an den einfachen Thüren mit Schrauben versehen.
Auf unserm Kirchhof wurde am 17. Mai ein neues steinernes Kreuz mit Kruzifix errichtet, welches der Fabrikpächter Johannes Köster von hier geschenkt hat. Anm.: Köster war Pächter der Glasfabrik Marschallshagen. Das neugotische Kruzifix stand auf einem mit Inschriften verzierten Sockel. Durch schlechte Pflege sehr heruntergekommen, stürzte es in den 1980er Jahren bei einem Sturm um und wurde beschädigt. Ohne jeden Kunstverstand wurden die Reste durch die Stadt Lichtenau beseitigt und ein neues, nicht sehr ansehnliches Kreuz aufgestellt. Auch wurde dort eine Tannenhecke angepflanzt und der Weg auf demselben geebnet. Vom 20. Mai bis zum 14. Juni war die Witterung trocken und kühl, infolge dessen das Getreide kurz und dünn stand. Obstblüten zeigten sich nur an wenigen Apfelbäumen. Am 14. Juni fiel erquickender Regen. Ebenso brachten am 28. Juni und vom 1. bis 6. Juli starke Gewitter heftigen Regen. Da aber von da an bis zum August fortwährend eine regnerische und kalte Witterung herrschte - an einzelnen Julitagen war es so herbstlich kalt, daß wohl kaum ein Haus im Dorfe ist, in welchem man nicht geheizt hätte - so blieb die Feldfrucht weit hinter der des Vorjahres zurück. Heu und Klee mußten vielfach feucht und verdorben nach Hause gefahren werden, und litten besonders die Kartoffeln arg von dem Regen. Gott Lob, daß wenigstens der September durch sein schönes Ernte- und Aussaatwetter den Schaden in etwa wieder gut zu machen suchte. Weniger günstig fiel der Oktober aus, welcher nach einigen Regentagen bereits am 5. Schnee brachte und auch nach Abgang desselben den noch wachsenden Hafer nur sehr ungleichmäßig reifen ließ. Von wenigen Tagen abgesehen, an welchen Regen, Schnee und stürmische Witterung vorherrschte, können wir über die letzten 2 Monate des Jahres unsere völlige Zufriedenheit aussprechen. Mit Vergnügen eilten die Holzarbeiter in den Wald, fast ununterbrochen konnte der fleißige Ackerwirt im Felde thätig sein, und war es an den Tagen vor Weihnachten so milde, daß man eher an die Nähe des Osterfestes dachte.
Unser Wunsch, das Leben unseres heißgeliebten Kaisers und Königs Friedrich noch lange erhalten zu sehen, sollte sich leider nicht erfüllen. Am 15. Juni vernahmen wir die erschütternde Kunde, daß an demselben Tage, Morgens 11 ¼ Uhr auf Schloß Friedrichskron zu Potsdam Seine Majestät, unser Kaiser und König Friedrich, infolge Kehlkopf- und Lungenentzündung nach einer Regierungszeit von 3 Monaten und 6 Tagen sanft im Herrn entschlafen sei. 14tägiges Trauergeläute verkündete zum zweiten Male den Tod unseres Landesherrn. Am 16. Juli wurde die baufällige, mit Lehm überbürdete Wellendecke in hiesiger Kapelle eingeschlagen. Da dieselbe um 26 cm gesunken war und man an eine Verbesserung resp. Verschönerung der Kapelle dachte, so entschied man sich nach langer Beratung unter Zustimmung der Königlichen Hochlöblichen Regierung und des Hochwürdigsten Generalvikariats und nach eingeholtem Gutachten vom Zimmermeister Herrn Kniewel aus Husen, Herrn Bauinspektor Biermann aus Paderborn, und vom Herrn Bauinspektor der Feuersocietät in Münster für ein Gewölbe mit Holzschalung. Dieses, nach einer Zeichnung des Herrn Baurats Güldenpfennig zu Paderborn vom Zimmermeister Herrn Spieker aus Lichtenau für 1400 Mark - davon zahlte 650 Mark die Gemeinde, das andere floß aus feiwilligen Beiträgen - angelegt, hat das Kirchlein in Bezug auf Gestalt, Akustik und Schönheit wesentlich zu seinem Vorteil verändert. Mit dem Gewölbe zugleich wurden als Stützen des Kirchturmes 2 neue eichene Pfeiler angelegt. Anm: Dies war nötig geworden, weil der 1876 erbaute Turm schwerer war als sein kleiner Vorgänger. Die Pfeiler sollten die hohe Belastung von Dachstuhl und Außenmauern herabmindern. Um die Einwölbung der Kirche hatte es zuvor Streit gegeben: Rittergutsbesitzer Tenge und einige andere Bürger waren der Meinung, die Wiederherstellung der Lehmwellerndecke würde ausreichen, zudem koste sie nur 650 Mark, was bei der Belastung der Gemeinde durch den Schulneubau von Bedeutung sei. Die Bezirksregierung in Minden schloß sich dieser Meinung teilweise an, es kam zu der oben beschriebenen Lösung, bei der auf die politische Gemeinde nur die 650 Mark an Kosten entfielen.
Gegen Herbst wurde der Weg von der Lichtenauer Grenze bis zu den Siessen mit einer neuen Steindecke versehen, wozu die Kreiswegebau-Kommission 2000 Mark schenkte.
Der Gesundheitszustand war im ganzen Jahre ein ausgezeichneter. Es starben 2 altersschwache Erwachsene und 5 Kinder.
Noch sei bemerkt, daß am 25. Juni das Reinigen der Schule für jährlich 50 Mark vergeben wurde, daß am 28. Juni auf Hillerbruch das alte Forsthaus vom Blitz getroffen abbrannte, und daß am 22. November die Herren Ferdinand Buschmeyer und Anton Kammler aus dem Gemeinderate schieden. Für den ersteren wurde Ludwig Schäfers aus der II. und für den letzteren Johannes Köster gewählt.

Holtheim, den 31. Dezember 1888

Der Vorsteher Die Gemeinde-Verordneten

Günther Köster Kammler Dreker Diekmann Tölle Schaefers
1889
Beim Beginn des neuen Jahres sah man auf dem Hillerbruch eine Hainbuche mit den schönsten ausgewachsenen grünen Blättern, ebenso einen grünen wilden Rosenbusch. So schön das Wetter im Januar war, so anhaltend winterlich wurde es noch im Februar und März. Am 9. und 10. März herrschte ein so heftiges Schneewehen, wie sich dessen selbst die ältesten Leute nicht erinnern können. Den Frauenspersonen einzelner Häuser im Orte war es nicht einmal möglich, zur hiesigen Kapelle zu kommen. An dieses schloß sich dann eine zeitweilig bittere Kälte - am 15. März 10 Grad! - welche mit einigen Unterbrechungen anhielt bis zum 16. März. Am 10. April zog das erste Gewitter vorüber und brachte fruchtbaren Regen. Im Übrigen war der April anfänglich warm und trocken und gegen Ende naß. Der Mai war sehr schön. Überraschend schnell kleideten sich Feld, Flur und Wald in das reizende junge Grün, während das Winterkorn üppig emporwuchs. Die Obstbäume entfalteten eine herrliche Blütenpracht.
Am 2. März wurde an Stelle des mit Tode abgegangenen Gemeinderates Herrn Knothe der Herr Kammler gewählt.
Am 29. März wurde die alte Schule von Wilhelm Sander von hier für 205 Mark zum Abbruch angekauft. Außerdem brachten der Fußboden des alten Schulhauses nebst den Bänken und der Wandbekleidung einzeln verkauft noch 73 Mark ein. Ostern wurde die 3klassige Schule in eine 2klassige mit getrennten Geschlechtern umgewandelt.
Warm, teilweise heiß und gewitterhaft war der Juni, so daß infolge des überaus üppigen Wachstums bereits Mitte dieses Monats die Heuernte beginnen konnte. Da auch der Juli in der ersten Hälfte warm und trocken war, so konnte schon am 13. Tage desselben - auch die ältesten Leute hier wissen sich eines so frühen Beginnens nicht zu erinnern! - mit dem Roggenschneiden angefangen werden. Eine Verzögerung trat allerdings durch die regnerischen Tage der zweiten Julihälfte, sowie in der Zeit vom 5. bis zum 18. August ein. Desungeachtet ging die Ernte so rasch von statten, daß schon am 14. September dieselbe der Hauptsache nach beendet war. Die Roggen- und Kartoffelernte war eine gute. Hafer gab es wenig, weil das Sommerkorn bei der vorherrschenden Dürre zurückgeblieben war. So angenehm das Sommerhalbjahr war, so fehlte auch die Schattenseite nicht. Ein Käfer vernichtete großenteils die Blüten der Apfelbäume. Ebenso fraß ein noch hier nie gesehener Käfer stellenweise die Ähren vom Roggenhalm. Außerdem herrschten im Felde die Mäuse, in den Ställen unter den Schweinen die bräune, - 80 Stück fielen hierorts als Opfer derselben - , auf den Rauchbühnen am Rauchfleisch die Würmer, in den Bienenhütten eine vernichtende Krankheit unter den Bienen. Manches Standbiene(?) ging verloren.
Den Mäusen kam die nunmehr folgende Dürre der drei letzten Monate erwünscht. Sie richteten an der Winterfrucht erheblichen Schaden an und suchten dann auch die Keller, Böden, Bühnen und Kammern der Häuser gründlich heim. Es gab kaum ein Haus, in welchem diese unverschämten Gäste nicht hier ein Kleidungsstück, dort ein Bett oder dergleichen stark beschädigt hätten. Es war aber auch die Dürre so groß, daß im Dezember fast sämtliche Dorfbrunnen ohne Wasser waren und das notwendige Wasser vom Niedernbrunnen geholt werden mußte. Erst als Weihnachten der am 5. Dezember gefallenen erste Schnee schmolz, füllten sich auch erstere wieder. Im Dezember herrschte strenge Kälte.
Bemerkt sei noch, daß im Oktober an die Stelle des in Ruhestand versetzten Amtmanns Herrn Wieneke Herr Lammerding trat, daß in hiesiger Kapelle über der Holzdecke eine Schutzdecke angelegt und daß im Laufe des Jahres 1889 6 Erwachsene und 1 Kind starben, während 25 Kinder geboren wurden.

Holtheim, den 31. Dezember 1889

Der Vorsteher Die Gemeinde-Verordneten:

Günther Diekmann Tölle Schaefers Kammler Dreker


1890
Die Witterung der drei ersten Monate war im Ganzen eine milde. Im Januar sogar herrschte an einzelnen Tagen wahres Frühlingswetter. Am 26. und 27. war heftiger Sturm. Im März konnte bereits mit der Aussaat des Hafers begonnen werden und hatten wir am 16. April bei wahrer Sommertemperatur ein schweres Gewitter. Zugleich mit der milden Witterung zog aber auch im neuen Jahre ein Gast ein, über den man anfänglich spöttelte, der aber sehr ungemütlich wurde. Es war eine epidemische Schnupfenkrankheit, Grippe, auch Influenza genannt, welche ausnahmlos Erwachsene und Kinder von 7 Jahren an befiel, den einen weniger, den andern mehr belästigend. Am 11. Januar fehlten beim Unterricht 44 influenzakranke Schulkinder. Es starben hier an oder infolge der Influenza 2 Schulknaben und 4 Erwachsene. Als Heilmittel erwiesen sich Geduld und Pfeffermünzthee.
Derselben Krankheit erlag auch am 7. Januar die Kaiserin Großmutter, die überaus mildthätige Auguste. Ein 14tägiges Geläute verkündete dieses Trauerereignis den Landesbewohnern.
Am 31. Januar erschreckte die Andächtigen bei der Feier der heiligen Messe die Feuerglocke. Es verbrannten der Witwe Oberthin das Haus, eine Ziege und ein Bett.
Bei der Reichtagswahl am 20.Februar beteiligten sich von 121 Wählern 113. Sämtliche Stimmen vereinigten sich auf den Centrums-Kandidaten Hesse in Paderborn. Noch hat also die Socialdemokratie, welche bei dieser Wahl stellenweise eine schreckliche Stimmenzunahme zu verzeichnen hatte, hier ihren Boden nicht gefunden.
Ostern wurden 14 Kinder aus der Schule entlassen und 30 in dieselbe aufgenommen. Die Winterfrucht stand bei der gedeihlichen Frühlingswitterung so üppig, daß man eine ausgezeichnete und sehr frühe Ernte erwartete. Da indes der nachfolgende Sommer bis auf einige Tage im Juli und August kühl und regnerisch war, so blieb der Ertrag der Ernte weit hinter den Erwartungen zurück; die Kartoffelernte zumal war eine klägliche zu nennen. Glücklicher Weise konnte jedoch das Wenige, das gewachsen war, bei der am 20. August eintretenden und bis zum 15. Oktober anhaltenden schönen Witterung gut eingebracht werden.
Im Juni wurden in beiden Schulzimmern die Wandkarten mittels einer eigenen Vorrichtung zum Abrollen unter der Decke angebracht. Desgleichen wurde der Turnplatz geebnet und es wurden die neuen Turngerüste aufgestellt.
Im Juli dekorierte der Maurer Heinrich Rosenkranz von hier unsere Kirche. Ein Westfale, mit Namen Vahle, der seit 25 Jahren in Amerika wohnhaft war und hier einige zeit bei dem Ackerwirt Franz Peters auf Besuch weilte, steuerte zur Dekoration 24 Mark bei.
Am 31. Juli wurde der untere Teil der hiesigen Jagd verpachtet. Denselben erhielt der Ackerwirt Heinrich Humberg von hier für 71 Mark. Herr Amtmann Lammerding in Lichtenau wurde im September definitiv angestellt.
Am 21. Oktober trat infolge heftigen Regens Hochwasser ein; das allerdings in unserer hochgelegenen Gegend wenigen, um so mehr Schaden aber an den Flüssen anrichtete. Gleich darauf zog ein sehr strenger Winter ins Land.
An Stelle des ausscheidenden Gemeindeverordneten Heinrich Dreker wurde im Dezember Heinrich Humberg gewählt. Der Gemeindeverordnete Friedrich Diekmann wurde wiedergewählt.
Auch wurde das hölzerne Missionskreuz entfernt und durch ein neues steinernes ersetzt. Anm: Dieses Kreuz hatte ein wechselvolles Schicksal. Es stand zuerst gegenüber der Kirche, wo es 1930 dem Ehrenmale weichen mußte und daher im ehemaligen Küstergarten (rechts neben der alten Kirche) wiederaufgestellt wurde. 1967 schließlich ersetzte es das bis auf den Sockel zerstörte Feldkreuz auf dem Hüwel.
Im Laufe dieses Jahres starben hier im Orte 6 Erwachsene und 3 Kinder, darunter auch die Schulknaben Heinrich Kammler und Franz Dost.

Holtheim, den 31. Dezember 1890

Der Vorsteher: Die Gemeinde-Verordneten

Günther(Nr. 31) Diekmann (Nr.20) Schäfers (Nr. 22) Tölle (Nr. 10)
Köster Kammler Humberg