1892

Januar
Zu Anfang des neuen Jahres fing es an zu schneien, welches einige Tage anhielt. Auch trat Frost ein, welcher sich steigerte bis zum 23. Dann trat Thauwetter ein. Ende Januar und Anfang

Februar
war Schnee und Thauwetter abwechselnd! Am 3. wurden die Schulen, nachdem sie fast 6 Wochen geschlossen waren, wieder eröffnet. Die beiden Klassenzimmer erhielten je ein schönes Brustbild, Kaiser Wilhelm II darstellend. Bis Ende Februar war das Wetter milde.

März
Der Monat März begann und setzte fort mit Kälte und geringen Schneefall, wie es in der ganzen Winterszeit nicht gewesen war. In diesem Monate wurde das für die hiesige erste Lehrerstelle bisher bestandene Heuergefäll(?) nebst Brodgeld abgelöst: Jeder Besitzer eines Hauses oder einer Hausstelle hatte die Verpflichtung, an die erste Lehrerstelle alljährlich pro Martini (11. November) 1 Spind Roggen (Lichtenauer Maaß) und 50 Pennig Brodgeld zu entrichten. Da dieses für beide Theile eine sehr lästige Sache war, so trug der hiesige Schulvorstand auf Ablösung an, und am 17. Und 18. hielt Herr Oekonomie-Kommissions-Rath Wenzlawski aus Paderborn, welcher mit der Ausführung dieser Ablösung beauftragt war, hierselbst Termine ab, und wurde daher für einen jeden Pflchtigen anstatt der obengenannten beiden Abgaben eine jährliche Raate von 1 Mark 80 Pfennig, welche in 56 Jahren getilgt ist, festgesetzt.
Die Witterung war für die Winterfrucht schädlich, weil es des Nachts fror und am Tage thaute. Am 26. war das erste Gewitter in diesem Jahre; es regnete etwas und gab darauf eine wüchsige Zeit.

April
Bis zum 14. April war es trockenes und warmes Wetter. Es wurde Hafer gesäet und in den Gärten gepflanzt und gesäet. Am 14. (am Gründonnerstag) schneite es heftig. Bis zu Ende April war es kühl und unfreundlich.

Mai
Der Mai begann mit Kälte. Am 6. schneite es. Die spätgesäete Winterfrucht blieb zurück. Weiden und Bäume waren noch kahl. Dazu kam Dürre, so daß mehrere Brunnen das Wasser verloren. Am 15. kam etwas Regen. Am 16. hatten wir ein Gewitter mit kalten Regen. Am 24. änderte sich die Witterung plötzlich und wurde warm, mitunter sogar heiß. Unter den Schulkindern traten wieder die Masern auf, und zeigten sich schwere Nachkrankheiten derselben vom vorigen Winter. Sterbefälle sind jedoch hierbei wiederum nicht vorgekommen.

Juni
Am 5. trat kühles Wetter mit Regen ein. Sämmtliche Feld- und Gartenfrüchte standen gut. Der Roggen hatte eine herrliche Blüthezeit.

Juli
Der Juli war mit Ausnahme von einigen heißen Tagen kühl. Das Heu wurde gut gewonnen. Es gab viele Gewitter, die ohne Schaden vorüberzogen. Ein Blitzstrahl zersplitterte in dem Garten des Heinrich Rosenkranz einen Birnbaum. Es wurde der Weg, welcher von der Kirche bis zum Hause des Ackerwirths Joseph Sander führt, breiter gemacht und mit Pack- und Decklage versehen. Er wurde, da derselbe bisher keine besondere Lage hatte, von neben der Kirche an bis zum Hause des Ackerwirths Heinrich Dreker verlegt resp. gerade(?) gelegt und es fiel somit der Pfuhl vor dem Hause des g. Dreker weg. Sämmtliche Wegearbeiten wurden von dem Taglöhner Franz Schmitz hierselbst übernommen und ausgeführt. Die Kosten haben sich auf 950 Mark belaufen, die für das Heranfahren der Steine mit Bruchzins auf 310 Mark, die der beiden Kanäle nebst einigen Nebenarbeiten auf circa 300 Mark, also im Ganzen circa 1560 Mark. Es trat das Gesetz über die Sonntagsruhe in Kraft, nach welchem an den Sonntagen die Geschäfte zu bestimmten Stunden geschlossen werden mußten.

August
Der August war im Anfang kühl. Vom 15. bis 25. herrschte eine besondere Hitze. Am 22. Abends zogen 3 Gewitter über unseren Ort hin, ohne jedoch zu schaden. In mehreren Ländern, besonders in Rußland und Frankreich, wüthete die Cholera und forderte viele Opfer. Am 21. trat sie auch in Hamburg und Bremen auf. Es wurden Schutzmaßregeln getroffen. Besonders wurde die Reinigung der Aborte, der Jauchegruben und der Wege polizeilich angeordnet. Auch wurde eine Revision durch die Sanitätskommission vorgenommen. Am 25. trat kühler Wind ein. Gras, Blumen u.s.w. waren am verwelken. Der Wassermangel war groß.

September
Bei Gelegenheit der diesjährigen Manöver erhielt am 5. September unsere Gemeinde eine Einquartierung vom 56. Ift. Rgt. (Infanterieregiment) in einer Stärke von 12 Offizieren und 199 Mann mit Verpflegung. Der Herbst war überhaupt sehr trocken, und waren sämmtliche Feldfrüchte bis zum 20. September eingescheuert. Roggen, Waizen, Gerste und Raufutter waren gut gerathen, dagegen fiel der Hafer etwas spärlich aus. Auch sei noch bemerkt, daß die Heuernte eine gute war. Die Kartoffeln sind sehr gut gerathen, der 12te Theil ist jedoch erkrankt. Ende September trat ein mehrtägiges Regenwetter ein, was der jungen Winterfrucht, die wegen der anhaltenden Dürre zurückgeblieben war, sehr zu statten kam und (die) sich darnach sehr gut entwickelte.

October
Der October war bis zum 24. trocken, dann traten Nachtfröste ein, die bis zu Ende fortdauerten.

November December
Auch im November waren noch viele schöne Tage. Am 23. trat Frost ein. Hierauf folgte tiefer Schnee und starke Kälte bis Ende December, so daß sämmtliche Brunnen im Ort erschöpft und das nöthige Wasser aus dem Niedernbrunnen gefahren werden mußte.
An Stelle der ausscheidenden Gemeinde-Verordneten Anton Kammler und Ferdinand Tölle wurde an Stelle des ersteren von der I. Abtheilung der Förster Wilhelm Weise (aus Marschallshagen) und von (der) III. Abtheilung der Ferdinand Tölle wiedergewählt. In diesem Jahre starben im hiesigen Orte 2 Erwachsene und sieben Kinder. Die Zahl der Geburten betrug 18, die der Trauungen 1.

Holtheim, den 31. December 1892

Der Vorsteher Die Gemeinde-Verordneten

Diekmann Dreker Tölle Humberg
Köster Kammler Schaefers