1893
Januar
Der Januar winterte beständig fort, es herrschte eine tüchtige Kälte.
Am 11. hatte ein heftiges Schneewehen die Wege in den Niederungen auf mehrere
Tage unfahrbar gemacht.
Februar
Anfangs Februar kam starkes Thauwetter und wurde durch den zu starken Schneeabgang
an den an den Bergen belegenen Ländereien viel Schaden angerichtet.
März
Die Witterung blieb bis zum 16. März sehr milde und angenehm. Von da ab
gab es noch einige Tage Schneewetter. Vom 23. kamen Nachtfröste, welche
der späten Winterfrucht schadeten. Ende März fing man an, Hafer zu
säen und konnte die Saatzeit ununterbrochen fortgesetzt werden.
April
Die ersten Tage des April waren sehr herrliche. Nur wurde leider durch die anhaltende
Dürre dem Acker die Feuchtigkeit entzogen, so daß der zuletzt gesäete
Hafer nicht aufgehen und das spätgesäete Winterkorn sich nicht entwickeln
konnte.
Mai
Der Mai brachte zu Anfang noch Schneegestöber und fuhr sodann abwechselnd
mit Kälte und Wärme bis zu Ende fort.
Nachdem Herr Amtmann Lammerding an das Amt Roxel, Landkreis Münster versetzt
wurde, wurde dem Herrn Dr. la Roche zu Gelsenkirchen die Amtmannsstelle für
das Amt Lichtenau am 31. Mai übertragen.
In diesem Monate wurde der Niedernbrunnen, welcher die Hauptwasserquelle des
Ortes ist und wegen seines Alters baufällig geworden war, wieder von Grund
auf ausgemauert. Derselbe wurde 25 cm tiefer gelegt und gewann dadurch das Wasser
eine derartige Neigung, so daß es nun stets über die Einfassungsmauern
herüberfließt. Die betr. Arbeiten wurden vom Maurer Heinrich Rosenkranz
hierselbst geleistet. Die Kosten betrugen circa 250 Mark.
Juni
Die Witterung war anhaltend trocken. Der Roggen stand gut und hatte auch eine
ziemlich gute Blüthezeit. Die Sommerfrucht blieb der Dürre wegen zurück.
Die Weiden waren kahl und ihrem Zwecke nicht mehr entsprechend, so daß
in hiesiger Gegend die Communal= und königlichen Waldungen zum Beweiden
des Rindviehes freigegeben wurden. Unsere Communalforst Haarth und Kirchplätze
wurde längere Zeit der gemeinschaftlichen Gemeinde-Kuhheerde zum Hüten
freigegeben. Am 14. wurde die Reichstagswahl hierselbst vorgenommen und es vereinigten
sich sämmtliche abgegebenen 121 Stimmen auf den bisherigen Centrumsabgeordneten
Hesse in Paderborn.
Juli
Dieser Monat war ebenfalls trocken. Die Heuernte fiel spärlich aus, wurde
jedoch gut gewonnen. Die Wegestrecke vom Hause des Joh. Thewes (Nr. 59, Annenweg
13) bis zum Niedernbrunnen wurde durch eine neue Decklage verbessert. Bei den
Kämpen wurde ein Kanal angelegt, um das Wasser von der oberen Dorfstraße
(Langen Tweete, heute "Zum Brunnen") aufzufangen. Die Kosten beliefen
sich auf 600 Mark. Das Kreuz auf (dem) Hüwel, welches sehr baufällig
geworden war, wurde durch ein neues steinernes Kreuz ersetzt; dasselbe kostete
100 Mark. Anm: Dieses Sandsteinkreuz dient der zweiten Bittprozession am Dienstage
vor Christi Himmelfahrt als Station. Die Inschrift des Sockels lautet: "Durch
Deine Schmerzen, Deinen Tod, hilf Jesu mir in aller Not." Bei einem Sturm
im Jahre 1967 wurde das Kreuz bis auf den Sockel zerstört, die politische
Gemeinde kaufte der Kirchengemeinde das Missionskreuz ab und setzte dieses auf
den erhalten gebliebenen Sockel.
August
Am 4. August fiel ein mehrere Tage anhaltender Regen ein, welcher den Gartengewächsen
und Kartoffeln noch sehr zu statten kam. Die Weide wurde wieder grün und
konnte das Vieh auf derselben wieder ernährt werden. Vom 10. bis Ende war
das Wetter schön, so dass der Roggen gut eingebracht werden konnte.
September
Der September war mit Ausnahme von wenigen Tagen regnerisch, so daß die
wenige Sommerfrucht (Hafer und Weizen) nur theilweise gut eingescheuert werden
konnte. Mit Ende dieses Monats waren die Feldfrüchte unter Dach gebracht.
Roggen und Gerste waren gut gerathen, dagegen wurde an Hafer und Rauhfutter
fast nur die Hälfte geerntet; Mausefraß und Dürre hatten den
Ertrag vermindert. Die Kartoffeln waren gut gerathen.
Oktober
Der Oktober war durchweg regnerisch. Auch wurde der junge Roggen und die Wintergerste
von den Mäusen sehr angegriffen. Trotz der angewandten Vertilgungsmaßregeln
wie: Schwefeln, Fallenstellen, Giften u.s.w. richteten dieselben doch ziemlichen
Schaden an. Der Centner Weizen kostete 7,50 Mk; der Ctr. Roggen 7,00 Mk., die
Gerste 6,00 Mk. Und der Ctr. Hafer 4,00 Mk.
November December
Diese beiden Monate konnten als milde Wintermonate bezeichnet werden. Die milde
Witterung kam besonders den Schafbesitzern gut zu statten. Die Mauseplage ließ
nach und die beschädigten Stellen wuchsen ziemlich wieder aus. Am 7. December
wurde der Herr Amtmann Dr. la Roche einstimmig von der Amtsversammlung gewählt.
In diesem Jahre kamen 24 Geburten vor. Die Zahl der Trauungen betrug 1, die
der Sterbefälle 15.
Holtheim den 2. Januar 1894
Der Vorsteher die Gemeindeverordneten
Diekmann (Nr. 20) Schaefers Tölle Humberg Dreker
1894
Januar
Im Anfang des neuen Jahres fing es tüchtig an zu schneien. Am 4. und 5.
hatten wir 13 Grad Kälte. Am 15. trat Tauwetter ein. Am 24. Januar wurde
zu Lichtenau von den Gemeinden des Amtes Lichtenau ein Spar- und Darlehnskassen-Verein
gegründet. Dieser Verein ist eine eingetragene Genossenschaft mit unbeschränkter
Haftpflicht, zum Zwecke der Erleichterung der Geldanlage und Beförderung
des Sparsinnes sowie zur Gewährung von Darlehen an die Genossen für
ihren Wirtschaftsbetrieb.
Februar: keine Einträge
März
In der ersten Hälfte dieses Monats war es unbeständig und kalt. In
der zweiten Hälfte hatten wir herrliche Tage, so daß bald mit der
Aussaat begonnen wurde.
April
Der April war für die Aussaat sehr gut. Am 27. war ein sehr starkes Gewitter,
welches auf die frische Aussaat sehr günstig wirkte.
Mai
Die Witterung war zu Anfang stürmisch. Am 4. schneite es mehrere Stunden
sehr heftig. Darauf wurde es gelinde und trocken.
Juni
Im Anfang war es dürr und trocken. Am 18. hatten wir einen wolkenbruchartigen
Regen, welcher auf die Sommerfrüchte und Waizen sehr gedeihlich wirkte.
Am 19. wurde zu Lichtenau ein Thierschautag abgehalten; die Feier wurde aber
durch Regenwetter sehr gestört.
Der Weg unterm Lipsberge, in einer Strecke von 420 lfd. Meter wurde vollständig
ausgebaut. Die Arbeiten übernahm Johann Kniewel. Die Gesamtkosten, welche
sich auf ca 1.300 Mark belaufen, wurden aus der Gemeindekasse bestritten.
Juli
Dieser Monat war am Anfang trocken und dann regnerisch. Am 25. und 26. waren
schwere Gewitter. Das Heu konnte nur mit großer Mühe eingebracht
werden; ein bedeutender Theil ist verdorben. Um den Garten bei der Kirche wurde
ein eisernes Gitter mit einer kleinen Grundmauer angefertigt. Das Gitter wurde
von Schmied Haberhausen und die Mauer vom Maurer H. Rosenkranz hergestellt.
August
Der August war meist regnerisch, so daß der Roggen, welcher in Garben
gesetzt war, von Auswuchs sehr betroffen wurde. Mit den Erndtearbeiten konnte
es nur langsam vorangehen.
Septbr.
Die ersteren Tage waren trocken, dann trat wieder regnerische Witterung ein,
so daß in Folge dessen es mit der Herbstsaat spät wurde und die Sommerfrüchte
nur mit der größten Mühe und zwar nur theilweise trocken eingescheuert
werden konnten.
Oktbr.
Der Oktober war ebenfalls meist regnerisch, was auf die Kartoffelerndte sehr
ungünstig wirkte.
November
Dieser Monat war sehr milde, was der späten Aussaat noch besonders zu Gute
kam. Sämtliche Halmfrüchte waren gut gerathen. Nur sind die Kornpreise
im Vergleich zu den Arbeitslöhnen zu gering. Der Waizen kostete pro Ctr.
6 Mk, der Roggen 5,30 Mk, die Gerste 4,50 Mk, der Hafer 5,00 Mk. Die Kartoffelerndte
fiel spärlich aus, ein bedeutender Theil war erkrankt. Am 10. wurde ein
junger Gemeindebulle gekauft, (Holländer Rasse) derselbe wurde am 12. zu
Sudheim angekört.
Decbr.
Dieser Monat war ebenfalls mild, Weihnachten kam der erste Schnee. Am 1. December
wurde der Herr Amtmann Dr. la Roche definitiv für das Amt Lichtenau angestellt.
In diesem Jahre kamen 19 Geburten, 7 Trauungen und 8 Sterbefälle vor.
Holtheim, den 2. Januar 1895
Der Vorsteher Die Gemeindevertreter
Diekmann Weise Dreker Tölle Humberg F. Dreker
(Anm.: Weise war Tengescher Förster zu Marschallshagen)
1895
Januar
Das neue Jahr begann mit Schnee und mäßiger Kälte. Am 10. Januar
fiel noch ein bedeutender Theil Schnee, so daß derselbe auf der Ebene
sobald über 2 Fuß tief lag (1 preuß. Fuß = etwa 31 cm).
Am 20. trat Thauwetter ein mit Regen. Am 23. fing es wieder heftig an zu schneien
und es herrschte eine heftige Kälte. Die Straße nach Lichtenau war
wegen des hierauf folgenden starken Schneewehens öfter nicht recht passierbar.
Am Ausgange unseres Ortes im sog. Einschnitte mußte im ganzen vier mal
Schnee geworfen werden, was seit 30 Jahren nicht der Fall gewesen ist. Am 29.
hatten wir 18 Grad Kälte.
Februar
Der Schnee blieb bis Ende dieses Monats liegen.
März
Zu Anfang März fing es allmählich an zu thauen und wurde gelinde.
Am 19. regnete es ziemlich und der Schnee verschwand. Nun zeigte sich leider,
daß die Hoffnungen des Landmannes sehr getäuscht war, da die Winterfrucht,
besonders die im v. Herbste sehr stark war, zum größten Theil umgeackert
werden mußte. Die lange anhaltende Schneemasse, (unter) der die Ackerkrume
überhaupt nicht gefroren war, hatte die starke Roggenfrucht und Wintergerste
völlig erstickt.
April
In der ersten Woche trocknete es ziemlich, so daß in der folgenden Woche
mit der Aussaat begonnen werden konnte. Als Ersatz für die umgeackerte
Winterfrucht wurde theilweise Sommer-Roggen und Weizen nachgesäht. Dieser
Monat war überhaupt sehr feucht, was bei der Aussaat einen günstigen
Eindruck machte. Mit dem 1. April ist eine Kreishundesteuer von pro Stück
mit Drei Mark eingeführt.
Mai
Der Mai war ziemlich trocken und warm.
Juni
Vom 1. bis 9. d. Mts. Hielten 3 Franziskanerpatres aus Köln und Düsseldorf
in unserer Pfarrkirche zu Lichtenau Mission und wurden auch in unserer hiesigen
Filialkirche von einem Missionar 9 Predigten gehalten, was für die alten
und schwachen Leute besonders sehr angenehm war.
Die Gemeinden Holtheim und Lichtenau hatten im vorigen Jahre ein Projekt über
den beabsichtigten Ausbau des Weges Lichtenau - Holtheim - Blankenrode eingereicht
und dazu eine Kreisbeihülfe beantragt. Nun wurde uns unterm 14. d. Mts.
Leider vom Amte Lichtenau der unerwartete Bescheid, daß die Anträge
auf Bewilligung eine Kreisbeihülfe zu dem vorerwähnten Wegebau in
der Sitzung des Kreistages zu Büren vom 30. März d. Js. Abgelehnt
sei, da die zur Verfügung stehenden Geldmittel erschöpft sind und
der Ausbau des Weges Lichtenau - Holtheim - Blankenrode nicht dringlich erscheine.
Diese letzte unerwartete Bemerkung müssen wir als eine stiefmütterliche
Behandlung ansehen, da wir vom Kreise noch nie eine Unterstützung erhalten
haben und die Gemeinde gerade durch die Kosten zur Instandhaltung dieses Weges,
welche in früheren Jahren nur durch Anleihen gezahlt werden konnten, in
eine bedeutende Schuldenlast gekommen ist.
Juli
Dieser Monat war zu Anfang trocken, dann gaben es verschiedene Gewitter. Die
Klee-Ernte fiel besonders gut aus, wie es in den Letzteren Jahren nicht der
Fall war. Auch die Heuernte fiel gut aus. Sämmtliche Kleearten, besonders
der weiße Saatklee hat in Folge der in der letzten Hälfte des Monats
eingetretenen regnerischen Witterung ziemlich gelitten und war minderwärtig
geworden. Der Weg vom Hause des Josef Sander bis zum Niedernbrunnen in einer
Strecke von circa 300 lfd. Meter wurde durch den Wegebauer Johann Kniewel hierselbst
ausgeführt, pro lfd Meter fertigen Weg kostete laut öffentlichem Verding
3,50 Mark. In den letzten Tagen wurde die Strecke gewalzt.
August
Dieser Monat war ziemlich trocken. Am 11. wurde zum Gedächtniß des
siegreichen deutsch-französischen Krieges 1870/71 hierselbst ein Kriegerfest
gefeiert, woran sich alt und jung beteiligten. Auch die Kriegervereine von Lichtenau
und Kleinenberg waren erschienen. Anläßlich der allgemeinen 25.jährigen
Gedächtnisfeier wurde auf Anregung des Herrn Amtmanns Dr. la Roche von
der hiesigen Gemeinde-Vertretung den hierorts noch lebenden Kriegstheilnehmern
ein Ehrengeschenk von 30 Mark zur Beschaffung einer Kriegerfahne und für
die bereits verstorbenen Krieger 3,50 Mk. Für ein Seelen-Hochamt, welches
am 2. September gelesen wurde, bewilligt.
Septbr.
Die ersten Tage waren sehr trocken, später war die Witterung sehr regnerisch,
was auf die junge Roggensaat sehr gedeihlich wirkte. Schnecken gab es in Mengen,
welches der späteren Aussaat sehr schädlich war. Die Erntearbeiten
konnten nur mit Mühe vor sich gehen.
October
Die erste Hälfte war trocken und konnten daher die Kartoffeln gut eingebracht
werden. Der Roggen u. (die) Gerste fielen spärlich aus, was bezüglich
des Streuwerkes sehr zu bedauern war. Die Haferernte ist als mittelmäßig
zu bezeichnen. Der Weizen kostet pro Ctr. 7,50 M., der Roggen pro Ctr. 7,50
M., die Gerste pro Ctr. 6 M., der Hafer pro Ctr. 5,50 Mk.
Novbr.
Die Witterung war überhaupt sehr milde. Zu Ende gaben es Nachtfröste.
Decbr.
Zu Anfang war bald Frost, bald Thauwetter, zu Mitte fiel Frost mit Schnee ein
und dauerte bis zu Ende. Am 2. wurde eine allgemeine Volkszählung abgehalten
und es stellte sich die hiesige Einwohnerzahl auf 666, davon 340 männliche
und 326 weibliche Personen.
Seit der letzten Volkszählung ein Zuwachs von 15 Personen. Am 28. Abends
gegen 6 Uhr brannte das Wohnhaus der Erben H. Schaefers hierselbst nieder. Das
Feuer hätte trotz sofortigen Eingreifens der Löschmannschaften und
Gebrauch der Feuerspritze wegen des herrschenden Windes weitere Verheerungen
angerichtet, wenn nicht sämmtliche Dächer mit Schnee bedeckt waren.
Auch erschien bald der Herr Amtmann Dr. la Roche, die Gendarmen Kosfeld und
Büske, sowie die Feuerwehr von Lichtenau bei der Brandstätte. Das
Feuer war bereits auf seinen Heerd beschränkt. Das Mobiliar, welches nicht
versichert war, konnte nur theilweise gerettet werden. Die Entstehungsursache
dieses Brandes ist unaufgeklärt geblieben.
In diesem Jahre kamen 25 Geburten, 3 Trauungen und 10 Sterbefälle vor.
Holtheim den 31. December 1895
Der Vorsteher Die Gemeindeverordneten
Diekmann Schäfers Tölle Humberg F. Dreker H. Dreker
1896
Januar
Zu Anfang dieses Jahres war die Witterung wie am Schlusse des vorigen Jahres
fast dieselbe. Dazu mäßige Kälte.
Februar
Es traten einzelne Fälle von Diphteritiskrankheiten auf. Dieselben nahmen
jedoch keinen ernsthaften Character an. Am 21. wurde an Stelle des nach Ibbenbüren
verzogenen Gemeindeverordneten J.(ohannes) Köster (Glashüttenpächter
zu Marschallshagen) der Ackerwirt Ludwig Schäfers gewählt und bald
nachher in sein Amt eingeführt.
März
Die Witterung war veränderlich. Vom 20. bis zum 25. war es sehr schön
und trocken, daß man hätte mit der Aussaat beginnen können.
Am 26. war ein heftiges Gewitter mit wolkenbruchartigem Regen.
April
Die nasse Witterung hielt bis zum 18. April ununterbrochen an, so daß
man erst Ende dieses Monats mit der Hafersaat beginnen konnte. Wegen der hierauf
eintretenden Trockenheit ging jedoch die Saatzeit rasch vor sich. In diesem
Monat wurde unser Vikar Hillebrand, welcher hier seit December 1886 in sehr
guter Einvernahme mit der Gemeinde wirkte, nach Nörde, Pfarrei Ossendorf
versetzt; wir erhielten in der Person des Herrn Kaplan Th. Husemann, zur Zeit
in Bremen bei Werl, einen Nachfolger. Derselbe zog am 14. hier ein und wurde
von der Gemeinde-Vertretung, dem hiesigen Kriegerverein, dem Lehrer, Lehrerin
und Schulkindern am Eingange des Ortes unter Böllerschießen und feierlichem
Geläute empfangen.
Mai
Der Monat war mit Ausnahme verschiedener Tage trocken. Die Winterfrucht steht
im Allgemeinen gut. Der Klee wurde durch die vielen Reifnächte im Wachsthum
sehr gestört.
Juni
Dieser Monat war regnerisch. Es wurde der Ausbau des Weges von Holtheim nach
Marschallshagen fortgesetzt; sämmtliche Handarbeiten des Weges wurden von
Johann Kniewel für pro lfd. Meter zu 2,85 Mk. Übernommen. Die in dem
Wege anzulegende Brücke wurde von Maurermeister A. Bonefeldt in Atteln
für 114 Mark übernommen; sämmtliches material lieferte die Gemeinde.
Am 11. bekamen wir eine Einquartierung von 27 Mann Dragoner (Dragoner-Regt.
Freiherr von Manteuffel (Rhein.) Nr. 5) auf dem Marsche von der Senne nach der
Garnison Hofgeismar. An dem Vikariehause wurde der nördlich-westliche Theil
der unteren Etage wegen Reparaturbedürftigkeit massiv unterbaut.
Juli
Es war sehr veränderlich und gaben verschiedene Gewitter. Die heu- und
Klee-Ernte hat ziemlich gelitten.
August
Mit Ausnahme weniger Tage war dieser Monat regnerisch, so daß die Roggenhaufen
und besonders die Garben auswuchsen.
Septbr.
Im Anfange war es ziemlich trocken. Zur Mitte fiel wieder regnerische Witterung
ein, welche der Ernte und besonders die Roggensaat sehr hinderte. Die Schnecken
haben viele Roggensaaten verdorben. Die Haferernte konnte nur langsam vor sich
gehen. Am 15. und 16. wurde unsere Gemeinde bei Gelegenheit des hier in der
Nähe stattgefundenen Manövers mit circa 200 Mann Infanterie No. 13
und 1/3 Escadron Kürassiere No. 4 (Kürassier-Regt. von Driesen (Westf.)
Nr. 4 aus Münster) belegt. Die Wegebauarbeiten des Weges von Holtheim nach
Marschallshagen mußten wegen der anhaltenden nassen Witterung eingestellt
werden.
Octbr.
Die erste Hälfte war ziemlich trocken, was der Spätsaat und der Kartoffelernte
noch gut zu statten kam. Die Roggenernte, Waizen, Gerste sowie Rauhfutter, Heu
und Klee fielen gut aus, dagegen fielen Hafer und Kartoffeln mittelmäßig
aus. Der Roggen war sehr strohreich. Der Lagerroggen gab nur pro Morgen 5 Centner.
Der Roggen kostete pro Ctr. 6 Mk., der Waizen 7,50 Mk., der Hafer 6 Mk.
Novbr.
Am 19. fand hier (die) Ergänzungswahl zweier Gemeindeverordneten der II.
und III. Abthl. (Abtheilung) statt. Dieselbe wurde vom Vorsteher Diekmann geleitet
und von der II. Abthl. für den ausscheidenden Gemeinde-Verordneten Heinrich
Dreker der Ackerwirth Gerhard Günther (vulgo Kürlemeggers, No. 31,
Mitteldorfstr. 15), von der III. Abthl. der ausscheidende Gemeinde-Verordnete
Heinrich Humberg wiedergewählt.
Decbr.
Zu Anfang fing es an zu frieren, dann folgte bald Schnee mit mäßiger
Kälte. In diesem Jahre fanden 19 Geburten, 7 Trauungen und 11 Sterbefälle
statt.
Holtheim, den 31. December 1896
Der Vorsteher: Die Gemeinde-Verordneten:
Diekmann Humberg Günther Weise Dreker Schaefers Tölle