1897
Januar
In der ersten Hälfte des Monats wurde es sehr kalt. Es kamen öfters
heftige Schneewehen vor, so daß der Weg von hier nach Lichtenau unpassierbar
wurde und die Passage erst kaum in 10 Tagen wieder hergestellt werden konnte.
Februar
Zu Mitte dieses Monats fiel Thauwetter ein, so daß zu Ende noch gepflügt
werden konnte.
März
Der Monat war veränderlich und hatte nur wenige gute Tage. Unser Amtmann,
Herr Dr. la Roche, wurde an das Amt B(unleserl.) Landkreis Bochum versetzt und
wurde die Amtmannsstelle dem Herrn Köbbinghoff übertragen.
April
Es war ziemlich trocken. Die Hafersaat konnte somit gut vor sich gehen. Nur
kamen leider viele Frostnächte, die hauptsächlich der späten
Wintersaat schädlich war(en).
Mai
Der Mai hatte noch rauhe Tage, nur in der letzteren Hälfte wurde es ziemlich
warm, so daß sich der schwache Roggen noch entwickelte. Nachdem die Amtsperiode
des Vorstehers Diekmann ihr Ende erreicht hatte, wurde vom Herrn Amtmann Köbbinghoff
am 8. eine Neuwahl vorgenommen und wurde der Diekmann von der Gemeinde-Vertretung
einstimmig wiedergewählt. Die Wiederwahl hat laut Ordre vom 21. Mai J.
No 2581 K.A. die landräthliche Bestätigung erhalten.
Juni
Dieser Monat wirkte sehr gedeihlich auf die Saaten. Der im vorigen Herbste wegen
der ungünstigen regnerischen Witterung eingestellte Wegebau Holtheim -
Marschallshagen wurde wieder aufgenommen.
Juli
Die erste Hälfte des Monats war sehr gewitterhaft; doch konnte (die) Heu-
und Klee-Ernte, welche mittelmäßig ausfiel, gut eingebracht werden.
Am 31. d. Mts. u. 1. August hatten wir eine Einquartierung des hess. Dragoner-Regiments
No. 5 in Stärke von 32 Mann und 40 Pferden auf dem Marsche von der Senne
nach der Garnison Hofgeismar.
August
Es wurde mit Roggenmähen begonnen. Die Witterung war durchschnittlich trocken.
Am 4. d. Mts. Trafen hier die Truppen des hess. Husaren-Regiments (Husaren Regt.
Landgraf Friedrich II. von Hessen-Homburg (2. Kurhessisches) Nr. 14 aus Kassel)
in Stärke von 25 Mann und 28 Pferden und am 21. u. 22. dieses Mts. die
Truppen des hess. Artillerie-Regiments No. 25 in Stärke von 37 Mann und
40 Pferden zur Einquartierung ein auf dem Marsche von der Senne zur Garnison.
Septbr.
Am 3. d. Mts. wurde der Wegebau Holtheim - Marschallshagen beendet und am genannten
Tage von der Gemeinde-Vertretung abgenommen. Wegen der sehr vorschriftsmäßigen
Ausführung wurde dem Unternehmer Johann Kniewel hierselbst eine lobende
Anerkennung gewidmet. Dieser Monat war sehr veränderlich und konnten daher
die Früchte nur mit Mühe eingebracht werden.
October
Die erste Hälfte war sehr trocken und kalt; es trafen sogar starke Frostnächte
ein, wodurch der im Anzuge scheinende Schneckenschaden ziemlich gehemmt wurde.
Die Kartoffeln, der Roggen, Waizen, Gerste und Wicken waren gut gerathen, dagegen
fiel die Haferernte nur mittelmäßig aus. Der Roggen kostete pro Ctr.
7 Mark; der Waizen 8 bis 9 Mark; die Gerste 6 Mk. und der Hafer 6,40 Mark.
Novbr.
Dieser Monat war ebenfalls sehr trocken und wurde dadurch das Stürzen (Schälpflügen)
der Stoppelfelder sehr erschwert.
Dezbr.
Zu Anfang war es trocken, von Mitte bis Ende des Monats mäßiger Frost.
Es fanden in diesem Jahre 22 Geburten, 1 Trauungen und 7 Sterbefälle statt.
Holtheim, den Dezember 1897
Der Vorsteher Die Gemeinde-Verordneten
Diekmann Günther Schäfers Tölle Dreker
1898
Jan.
In diesen(sic!) Monat war die Witterung sehr mild mit verschiedenen Regengüssen.
Februar März
Es kamen verschiedene Schneefälle. Am 10. d. Mts. wurde unter dem Vorsitze
des Herrn Landraths von Savigny in Lichtenau eine Amtsversammlung gehalten und
es wurde der Herr comm.(issarische) Amtmann Köbbinghoff einstimmig zum
Amtmann des Amtes Lichtenau gewählt und am 30. März vom Herrn Landrath
in Gegenwart der Amtsversammlung, des Amtskassen-Rendanten, der Gendarmen und
Polizisten des Amtes definitiv eingeführt. Gleichzeitig wurde der Arbeiter
Wilhelm Sommer zu Lichtenau zum Amtsboten gewählt.
April
Die ersteren Tage des Monats waren schön, so daß mit der Haferaussaat
begonnen werden konnte, dann wurde die Witterung veränderlich, so daß
nur mit Mühe die Aussaat beendet und die Kartoffelfelder bebaut werden
konnten.
Mai
Die Gemeinde-Vertretung erneuerte ihren im Jahre 1894 eingereichten und sehr
begründeten, aber leider vom Kreisausschuß am 30.März 1895 wegen
Nichtanerkennung des Bedürfnisses abgelehnten Antrag auf Beihilfen aus
Kreismitteln und dem Provinzialfonds für den chausseemäßigen
Ausbau der im hiesigen Gemeindebezirke belegenen Theilstrecke der Communalstraße
von Lichtenau nach Westheim. Wider alle Erwartung wurde auch dieser erneuerte
Antrag durch Verfügung vom 5. d. Mts. No. 2038 wiederum abgelehnt. Hiermit
glaubte die Gemeinde-Vertretung sich nicht beruhigen zu können und hat
sodann durch Eingabe vom 31. d. Mts. die Sache dem Kreistage zu unterbreiten,
beantragt.
Nach der in diesem Monat abgelaufenen Wahlperiode des Vorsteher-Stellvertreters
Ferd. Buschmeyer wurde der Ackerwirth und Gemeindeverordnete Franz Dreker für
eine fernere 6jährige Periode einstimmig von der Gemeinde-Vertretung zum
Vorsteher-Stellvertreter gewählt.
Juni
Der Weg von der Vikarie bis zum Hause des Ferdinand Buschmeyer (92 lfd. Mtr.)
wurde vollständig ausgebaut und die Arbeiten durch Johann Knaup hier ausgeführt
für pro lfd. Mtr. 4 Mk.
Juli
Die Witterung war sehr veränderlich. Die Klee-Ernte, welche gut ausfiel,
litt viel Schaden.
August
Zu Anfang waren verschiedenen Gewitter. Es wurde mit Roggenmähen begonnen.
Im Uebrigen war die Witterung günstig(?).
Septbr.
In diesem Monat gingen die Erntearbeiten wegen der Trockenheit sehr von statten.
Die Früchte konnten gut eingebracht werden.
Octbr.
Sämmtliche Früchte waren gut gerathen; die Kartoffelernte war eine
mittelmäßige. Der Roggen kostete pro Ctr. 7 Mk.; der Weizen 8 Mk.
die Gerste 5 Mk; der Hafer 7 Mk.
Novbr.
Die Witterung war immer noch milde; es gab öfter einen erquickenden Regen,
der für die jungen Saaten sehr erquickend war. An Stelle des ausscheidenden
Gemeinde-Verordneten Ferdinand Tölle wurde der Ackerwirth Anton Tölle
von der III. Abthl. (Abtheilung) gewählt, der Gemeinde-Verordnete Weise
wurde von der I. Abtlg. wiedergewählt. Anm.: Die erste Wählerklasse
bestand in Holtheim nur aus dem Rittergutsbesitzer Tenge als dem größten
Grundbesitzer in der Gemeinde. Der genannte Gemeindeverordnete Weise war Tengescher
Förster zu Marschallshagen.
Decbr.
Auch in diesem Monat war die Witterung bis zur Hälfte sehr mild, dann folgte
Schnee. Es fanden in diesem Jahre 15 Geburten, 8 Trauungen und 10 Sterbefälle
statt.
Holtheim, den 31. Decbr. 1898
Der Vorsteher Die Gemeinde-Verordneten
Diekmann Günther Tölle Weise Dreker
1899
Januar
Es lag eine starke Schneedecke.
Februar
Die Witterung war sehr milde.
März
In diesem Monat war das schönste Frühlingswetter. Die Bäume fingen
schon an zu knospen. Mit den Feldarbeiten wurde begonnen.
April
Die Witterung war sehr veränderlich, doch konnte die Aussaat gut beendet
werden.
Mai
Es wurde von der Gemeinde-Vertretung einen Antrag wegen Kreisbeihülfe zu
Wegearbeiten eingereicht und wurde sodann 2250 Mk. vom Kreistage bewilligt.
Juni
Der Communalweg von der Lichtenauer Grenze bis zur Mitte des hiesigen Ortes
wurde mit einer neuen Decklage besteint und zugleich die Niederungen von dem
Vikariegarten bis zur Kirche und von da bis zum Wegenerschen Hause (Nr. 81,
Eggestr. 17) vorerst mit Packlage aufgefüllt. Die Arbeiten sind in Angriff
genommen.
Die Witterung war in der ersten Hälfte des Monats nicht sehr günstig
und blieb die Sommerfrucht wegen der anhaltenden Dürre und Kälte im
Wachsthum etwas zurück; dagegen gab es in der zweiten Hälfte des Monats
verschiedene Gewitter, wonach die Luft milder wurde und die Frühjahrssaaten
sich nunmehr entwickeln konnten.
Das bisherige Gemeinde-Archiv war alt und nicht mehr zweckmäßig und
wurde daher von der Gemeinde-Vertretung die Beschaffung eines neuen Schrankes
mit Schreibfachkontoir beschlossen. Selbiges wurde im Wege öffentlichen
Verdings vom Schreinermeister Anton Jakobs hierselbst zu liefern übernommen
zum Preise von 56 Mk. Die betr. Arbeiten an demselben sind pünktlich den
Bedingungen gemäß ausgeführt worden. Das alte Archiv wurde im
Wege öffentlicher Versteigerung für 17 Mark verkauft.
Juli
Die Witterung war sehr milde und wüchsig. Das Heu konnte gut eingebracht
werden.
Der Ackerer Anton Schäfers aus No. 45 (vulgo Kuhlen, Zur Kuhle 9), 38 Jahre
alt, wurde am 3. des Monats Morgens gegen 3 Uhr von einem Unglück betroffen.
Derselbe stürzte von der Schlafstube zweiter Etage kommend, der Treppe
hinab auf die Tenne und erlitt dadurch einen Schädelbruch, sodaß
derselbe nach wenigen Tagen starb. Am 22. und 23. waren heftige Gewitter mit
wolkenbruchartigem Regen. Dieselben haben hier keinen Schaden angerichtet.
August
Zu Anfang dieses Monats wurde mit Roggenmähen begonnen. Es gaben verschiedene
Gewitter, die jedoch leicht vorüber zogen und daher wenig Feuchtigkeit
brachten. Das Winterkorn konnte wegen der anhaltenden Dürre gut eingebracht
werden. Die Kartoffeln konnten sich leider nicht besonders entwickeln, da ihnen
die Feuchtigkeit fehlte. Am 28. kam etwas Regen.
Septbr.
In der ersten Woche war es immer noch trocken, dann gaben es mehrere Gewitter,
einige sogar mit wolkenbruchartigen Regen. Diese Feuchtigkeit kam der Roggenaussaat
sehr günstig und konnte dieselbe um so rascher vor sich gehen. Zu Ende
dieses Monats kam es zu anhaltendem Regen, wodurch Rauhfutter und Hafer dem
Verderben ausgesetzt waren und verschiedenen Stücke dieser Fruchtart auch
verdarben.
Octbr.
In diesem Monate konnten die Kartoffeln gut eingebracht werden. Diese Ernte
kann nur als mittelmäßig bezeichnet werden. Die Roggenernte war reich
an Stroh, dagegen nur mittelmäßig an Körnern; der Centner kostete
nur 6,50 Mk. Alle übrigen Getreidearten waren gut gerathen. Der Ctr. Weizen
kostete 8 Mk.; der Ctr. Gerste 6,50 Mk., der Ctr. Hafer 6,50 Mk. bis 6,80 Mk.
Auch stellte sich eine Mäuseplage ein, der jedoch durch Einwirken von Gift,
Fallenstellen und Schwefeln ziemlich Einhalt geboten wurde.
Novbr.
In diesem Monat wurde die hiesige Communal-Wegestrecke von Mitte des Ortes bis
zur Lichtenauer Grenze mittels einer Dampfwalze aus Soest in 6 Tagen gewalzt,
diese Walzarbeit kostete pro Stunde 4,50 Mk., das nöthige Wasser mußte
extra geliefert werden.
Decbr.
Es war starker Frost mit Schnee. In diesem Jahre fanden 26 Geburten, 1 Trauungen
und 20 Sterbefälle statt. An Communalsteuern wurden 180% der Einkommensteuer,
192 % von den übrigen directen Steuern erhoben.
Holtheim, den 2. Januar 1900
Der Vorsteher Die Gemeinde-Verordneten
Diekmann Dreker Humberg Tölle Günther Schaefers