1901
Januar
Das neue Jahr brachte einen tüchtigen Schneefall, welcher bis zu Ende liegen
blieb.
Februar
Es winterte beständig fort, nur gaben es viele Schneewehen, so daß
fünf mal der Verkehr der Communalstraße von hier nach Lichtenau dadurch
gesperrt wurde und das Schneewerfen jedes mal mit ca 20 Mannschaften einen halben
Tag dauerte.
März
Ende dieses Monats wurde die Witterung milder, daß mit der Frühjahrsbestellung
begonnen werden konnte.
April
Der Anfang war regnerisch und kalt, so daß in folge dessen mit den Arbeiten
eine Verzögerung stattfand; dieselben konnten erst in der letzten Hälfte
des Monats wieder aufgenommen und noch zur rechten Zeit beendet werden. Am 30.
d. Mts. wurde unser bisherige Vikar Rath nach Bochum versetzt und wurde die
hiesige Vikariestelle in der Person des Herrn Vikars Jos. Köster zu Schmallenberg
wieder besetzt. Der Eichen(?) auf dem (?) Heineplatz wurde abgetrieben und dafür
eine doppelte Fläche in der Haarth wieder aufgeforstet.
Mai
Die Witterung war durchweg kalt und dürr, sodaß die Winterfrucht,
die sehr gut stand sich nicht entwickeln konnte. Ebenso wurde auch die junge
Saat im Aufgehen und der Entwickelung gehindert. Der Klee wurde nicht nur allein
im Wachsthum gestört, sondern verschiedene Stücke vertrockneten beinahe.
Juni
Auch dieser Monat brachte nur sehr wenig Regen und Thau und war daher wenig
wüchsig. Die Pflanzen, die frisch gesetzt wurden, gingen durch die stets
anhaltende Trockenheit ein. Die größte Glocke der Pfarrkirche Lichtenau,
wozu unsere Gemeinde eingepfarrt ist, war zersprungen und mußte daher
umgegossen werden. Der Neuguß wurde vom Glockengießer Humpert in
Brilon ausgeführt und kostete 2400 Mark, wovon unsere Gemeinde den 6ten
Teil zahlen mußte.
Juli
Wegen der in diesen Monate herrschenden Dürre wurde die Heu- und Klee-Ernte
gut eingebracht. Ende des Monats wurde schon das Weizenkorn gemähet.
Die zum Wegebau des Kommunalweges in der Hohenbreite nöthigen Steine wurden
aus dem forstfiskalischen Steinbruch am Schneefelderberg für pro cbm 15
Pfg. entnommen, die Anfuhr geschah ebenfalls noch. Die übrigen Arbeiten
wurden bis Winter ausgesetzt.
August
Das hiesige Schulgebäude wurde mit Bewurf versehen. Die Arbeit wurde durch
Maurermeister Mürköster in Lichtenau ausgeführt. In Lichtenau,
zu welcher Pfarre auch unsere Filialgemeinde gehört, wurde vom hochw. Herrn
Bischof das hl. Sakrament der Firmung gespendet.
September
Anfangs regnete es verschiedene Tage, welches der jungen Saat sehr zu statten
kam. Die Ernte konnte gut eingebracht werden. Am 16. September wurde mit Bonitirung
der Grundstücke begonnen. Die Separation führte der Herr Regierungsrath
Peine aus Paderborn. Zu Boniteuren wurden gewählt: Kreisboniteur, Vorsteher
und Landwirth Rose in Calenberg und Rittergutspächter Hapig (?) zu Sudheim.
Die jungen Saaten entwickelten sich gut, hat jedoch viel von Mäusefraß
zu leiden.
Oktober
Die Witterung war normal. Die Roggenernte fiel gut aus. Die Gerste war ebenfalls
gut gerathen. Dagegen war die Haferernte mittel, die Kartoffeln mittel. Das
Rauhfutter war sehr gut. Es kostete der Zentner Roggen 7,00 Mk; der Weizen 8,00
Mk; die Gerste 6,50 Mk; der Hafer 6,50 Mk; die Kartoffeln 2,00 Mk. Die Heu-
und Grumeternte war mittel.
November
Mitte des Monats fing es an zu frieren, was jedoch nur acht Tage anhielt.
Dezember
Die Witterung war milde. In diesem Jahre kamen 19 Geburten, 3 Trauungen und
7 Sterbefälle vor. An Communalsteuern wurden 180 % der Einkommensteuer
und 190% der übrigen Steuern erhoben.
Holtheim den 31. Dezember 1901
Der Vorsteher Die Gemeinde-Verordneten
Diekmann Dreker Günther
Schaefers