1902
Januar / Februar
Im Anfange fiel Schnee, der den ganzen Monat liegen blieb. Die Witterung war
für die Jahreszeit sehr beständig. Die Lehrerin Höschen wurde
von hier nach Lichtenau versetzt. Dieselbe hat unserer Gemeinde über 20
Jahre mit dem besten Erfolge vorgestanden und sich Liebe und Achtung bei allen
Einge-sessenen erworben. Ihre Nachfolgerin ist die Lehrerin Maria Lucks (oder
Luiks?) aus Verl.
März
Die Witterung war auch milde. Die Einnahme der Gemeindekasse für das Rechnungsjahr
1901 betrug 17355,98 M, die Ausgabe 16331,82 M. Pro 1902 wurden an Kommunalsteuern
erhoben 178% von der (unleserlich) Einkommensteuer und 190% von den übrigen
veranlagten direkten Steuern. Außerdem wurden 48% von sämtlichen(?)
direkten(?) Steuern erhoben.
April
Wegen des schönen Frühlingswetters konnte die Hafersaat schnell vollführt
werden. Unser bisheriger Vikar Köster, welcher nur kaum 1 Jahr hier gewirkt
hatte, wurde zum größten Leidwesen aller Ortseingesessenen nach Wattenscheid
versetzt. Derselbe stand wegen seines biederen Charakters und freundlichen Wesens
bei Jung und Alt in besonderem Ansehen und Hochachtung. Sein Nachfolger ist
Herr Vikar Potthast aus Padberg.
Mai
Die Witterung war durchweg mit wenigen Ausnahmen kalt.
Der Herr Amtmann Köbbinghoff wurde an das Amt Gescher versetzt und der
bisherige Vertreter Herr Albers, welcher die Amtsgeschäfte von Juli v.
J. bis Mai d. Js. wegen Kränklichkeit des Herrn Köbbinghoff geführt
hat, als kommissarischer Amtmann durch den Vertreter des Herrn Landraths eingeführt.
Juni
Bis zur Hälfte des Monats war es kalt, so daß wenig wuchs. Von da
ab wurde es wärmer. Am 29. war erquickender Regen.
Juli
Es war wüchsiges Wetter. Die Bonitirung der Wiesen wurde vorgenommen. Heu
und Klee konnte wegen der wechselnden Witterung nur mit Mühe eingebracht
werden. Der Weg in der sg. Eleke(?) wurde völlig ausgebaut. Die Arbeit
wurde durch Johannes Schlender ausgeführt.
August
Die Witterung war sehr günstig. Die Winterfrucht konnte eingescheuert werden.
September
Wegen der ziemlichen Feuchtigkeit konnte mit der Roggensaat begonnen werden.
Die Sommerfrucht hatte durch die eintretende Nässe etwas zu leiden und
konnte nur mit Mühe eingebracht werden, ebenso war es bei der Grumeternte
der Fall.
October
Die Roggenernte fiel gut aus; ebenfalls war der Hafer sehr gut gerathen; die
Gerste war mittel; die Kartoffeln waren ebenfalls mittel. Es kostete der Ctr.
Roggen 7,50 Mk; der Ctr. Weizen 8,00 Mk; die Gerste 7,00 Mk; der Hafer 6,50
Mk; das Rauhfutter war besonders gut gerathen, an Stroh sehr ergiebig, aber
weniger kornreich. Heu und Grumet, sowie Klee waren gut gerathen; es kostete
der Ctr Heu 2,50 Mk; Klee 3,00 Mk.
1902
November
Dieser Monat hatte noch sehr viele gute Herbsttage, die noch gut zu statten
kamen. Am Ende fing es allmählich an zu frieren.
Dezember
Die Witterung war immerhin noch milde. In diesem Jahre kamen 27 Geburten, 8
Trauungen und 13 Sterbefälle vor.
Holtheim den 31. Dezember 1902.
Der Vorsteher: Die Gemeinde-Verordneten:
Diekmann Günther Humberg
Tölle