1905
Januar
Die Witterung war den ganzen Monat hindurch sehr strenge.
Februar
Dieser Monat fing mit Frost an, welcher bis zum 15. andauerte. Die letzte Hälfte
war unbeständig.
März
Die Witterung war sehr schön und dauerte dieses schöne Frühlingswetter
bis zum 27. Von da ab wurde es unfreundlich. Einen Teil Hafer war bereits gesäet.
April
Anfangs war es schön. Am 8. wurde die Witterung sehr unfreundlich und stellte
sich sogar Frost ein, welcher aber nicht lange anhielt. Selbiger hat der späten
Roggenfrucht und Klee schon etwas geschadet. Von Anfang dieses Monats bis einige
Tage vor Ostern (20. April) wurden die neuen Pläne durch fünf Landmesser
abgesteckt und am 26., 27., 28. u. 29. durch den Sachlandmesser Herrn Hewig
an Ort und Stelle angewiesen.
Mai
Der Anerkennungstermin wurde am 2. Mai vom Herrn Regierungsrat Peine unter Zuziehung
des Herrn Sachlandmesser Hewig abgehalten, wozu sämmtliche Interessenten
der Separation geladen und erschienen waren. Mit einigen Aus-nahmen wurde die
allgemeine Zufriedenheit in diesem Termine ausgesprochen. Die einigen kleinen
Planbeschwerden, die durch unrichtige (unleserlich) veranlaßt waren, wurden
kurz darauf erledigt, sodaß noch in diesem Monate das allgemeine Einverständnis
mit der neuen Planlage erfolgt war. Die Witterung war sehr kühl und naß.
Die Einnahmen der Gemeindekasse pro Rechnungsjahr 1904 betrugen 18944,31 Mark.
Die Ausgaben der Gemeindekasse pro Rechnungsjahr 1904 betrugen 17608,64 Mark.
Die Kommunalsteuerzuschläge pro 1905 betrugen
von der Einkommensteuer 178%,
von der Grundsteuer 190%,
von der Gebäudesteuer 190%,
von der Gewerbesteuer 190%,
von der Betriebssteuer 190%.
Juni
Der Anfang war naß und mit heftigen Niederschlägen begleitet. Die
Sommerfrüchte, welche im Wachstum noch nicht besonders vorangeschritten
waren, konnte(n) infolge der wüchsigen Zeit sich nun entwickeln. Die Roggenblüte
konnte nicht sehr günstig vor sich gehen, was in der Regel ein minderer
Körnerertrag zur Folge hat.
Juli
Am 4. und 5. Juli waren besonders schwere Gewitter, die mehrere wolkenbruchartige
Regengüsse und Über-schwemmungen zur Folge hatten und daher viel Schaden
an Feld- und Gartenfrüchten anrichteten, sogar auf verschiedenen Stellen,
namentlich an den Abhängen, die Ackerkrume wegspülten. Die Heuernte
war mittel und wurde (unleserlich) sobald angenehme Witterung eintrat, gut gewonnen.
Ebenso war es mit dem Klee. Ende des Monats wurde mit Roggenmähen begonnen.
August
Der ganze Monat war beinahe sehr trocken, sodaß die Vorbereitung zur Herbstsaat
mit schwerer Mühe bewerkstelligt werden konnte. Nur zum Einscheuern des
Roggens kam die Witterung sehr zu statten.
September
Im Anfange wurde mit Hafermähen begonnen und da es sobald einige Tage Regenwetter
gab, konnte die Roggenaussaat und die der Wintergerste vor sich gehen. Infolge
dessen entwickelten sich die Aussaaten sehr schnell.
Die Ernte wurde vollständig beendet.
October
Der ganze Monat war unbeständig mit vorherschender Kälte. Nachdem
nun nach der zugrunde gelegten Ausführungsbestimmung die definitive Überweisung
der neuen Pläne erfolgt und die Grenzen von den einzelnen Interessenten
abgepflügt worden waren, sah man erst ein, daß bezüglich der
Planlage doch einiges zu wünschen übrig geblieben war, nämlich,
daß verschiedene Pläne zu spitzig geschnitten waren, die ganz gut
hätten rechtwinklig sein können. Dadurch ist manche unangenehme Ackererschwernis
geschaffen. Im Übrigen wird die Separation nicht unangenehm befunden. Auch
wurden die Separationswege zu bauen, ausgeschrieben und öffentlich verdungen.
Der Kostenpunkt beträgt annähernd 20000 Mark. Die Arbeiten wurden
dem Unternehmer Andreas Mühlhans aus Breitenworbis (Anm.: im Eichsfelde)
übertragen, welcher schon sobald mit den Arbeiten begann. Sämmtliche
angenommene Arbeiter waren hiesige Eingesessene.
Die Ernte ist als eine mittelmäßige zu bezeichnen. Der Zentner Roggen
kostete 8,00 Mark, Weizen 8,50 Mark, Gerste 7,00 Mark, Hafer 7,00 Mark, Heu
pro Zentner 2,60 Mark, Stroh 3 Mark.
November
Die erste Hälfte des Monats war kalt und naß, die letzte Hälfte
dagegen beständig. Die jungen Früchte standen gut. Die Kartoffelernte
wurde wegen der bisher unbeständigen Witterung (unleserlich) beendet. Sie
fiel gut aus. Auch waren wenig kranke.
Dezember
Die beständige Witterung hielt an bis zum 20. Von da ab fing es an zu wintern.
In diesem Jahre fielen fanden 30 Geburten, 4 Trauungen und 11 Sterbefälle
vor. (Satz tatsächlich so merkwürdig geschrieben!)
Holtheim, den 31. Dezember 1905
Der Vorsteher Die Gemeindeverordneten
Diekmann Tölle Günther Dreker
Humberg
(Nr. 87, Eggestr. 34, war seinerzeit Polizeidiener und Totengräber)