1906
Januar
Es war normales Winterwetter.
Februar
Die Witterung wechselte öfters.
März
Anfangs dieses Monats war das schönste Frühlingswetter und konnten
schon etwas Vorarbeiten zur Bestellung vorgenommen werden. Ende des Monats trat
einige Tage Regen ein, welches der Roggenfrucht und auch der bevorstehenden
Aussaat sehr zu statten kam.
April
Es wurde mit der Haferaussaat begonnen. Herr Amtmann Albers, welcher ca. 5 Jahre
das Amt Lichtenau zu unserer allgemeinen Zufriedenheit verwaltet hat, wurde
an das Amt Boke - Salzkotten versetzt und an dessen Stelle der Herr Oberleutnant
der Landwehr, Wesener mit der Verwaltung des Amtes Lichtenau betraut. Derselbe
wurde vom Herrn Kreisdeputirten Leger in Gegenwart der Amtsversammlung, und
der Beamten des Amtes in sein Amt unter Abnahme des Diensteides eingeführt.
Mai
Da der Frühjahr beständige Witterung hatte, konnten die Wegebauarbeiten
schon längst wieder aufgenommen werden.
Für das Gedeihen sämmtlicher Frucharten war die Witterung herrlich,
wie es mehrere Jahre nicht der Fall war. Die Einnahme der Gemeindekasse pro
1905 betrug 14321 M 51 Pfg. Die Ausgabe der Gemeindekasse pro 1905 betrug 11602
M 51 Pfg.
Die Kommunalsteuerzuschläge pro 1906 betragen
von der Einkommensteuer 178%
von der Grundsteuer 190%
von der Gebäudesteuer 190%
von der Gewerbesteuer 190%
von der Betriebssteuer 190%.
Außerdem wurden 60% Kreissteuer von vorgenannten, veranlagten(?) Steuern
erhoben.
Juni
Dieser Monat war größtenteils feucht, welches für sämtliche
Fruchtarten von besonderem Vorteile war, sodaß sie gut gedeihen konnten.
Leider waren einige Gewitter von förmlichen Wolkenbrüchen begleitet,
sodaß verschiedene Bergländereien ihrer Ackerkrume teilweise beraubt
und die in den Niederungen belegenen Wiesen überschwemmt wurden, wodurch
ein nicht unbedeutender Schaden verursacht wurde.
Juli
Mit der Heuernte wurde begonnen. Das Heu und der Klee, welches in Menge vorhanden
war, kam nur teilweise gut ein. Ende dieses Monats wurde mit Roggenmähen
begonnen.
August
Die Witterung wechselte häufig, jedoch konnte das Winterkorn, welches in
Haufen stand, trocken eingebracht werden, das, welches in Garben stand, hat
ziemlich gelitten.
September
Im Anfange war die Witterung schön und trocken, welches bei dem Mähen
des Hafers und Rauhfutters sehr zu statten kam. Auch konnte das Einbringen dieser
Frucht schnellbewerkstelligt werden konnte. (Fehler im Original vorhanden!)
Die Ackerbestellung ging wegen der Trockenheit nicht so leicht vor sich, doch
konnte sich die junge Roggensaat, weil sobald erquickender Regen folgte, gut
entwickeln, leider wurde dieselbe von Mäusen, die hier zu einer förmlichen
Plage wurden, sehr beschädigt. Die Ernte mit Ausnahme der Kartoffeln wurde
beendet. Unsere Gemeinde wurde zu verschiedenen Malen mit außergewöhnlicher
Einquartierung belegt, wie es noch nie der Fall gewesen ist. Auch mußten
7 Wagen gestellt werden zur Beförderung des Gepäcks, Fourage (das
sind Futter- und Lebensmittel) und Offizieren und Mannschaften. Da im öffentlichen
Verdingstermin niemand erschien, auch im gütlichen Wege kein Fuhrmann zu
erlangen war, so mußte zur Requisition (Zwangsbeschlagnahme) geschritten
werden.
Oktober
Im Anfange fielen einige Frostnächte vor, doch trat noch gutes Wetter ein,
sodaß die Kartoffeln und Gemüse zeitig eingebracht werden konnte.
Ende des Monats war die Witterung sehr veränderlich und kalt. Die Wegearbeiten
konnten wegen der im ganzen Sommer vorgekommenen öfteren Regen und Gewitters
nur langsam gefordert(?) werden und mußte dem Unternehmer Mühlhans,
welcher kontraktlich sämmtliche Wege bis zum 1. November d(ieses) Jahres
fertig zu stellen verpflichtet war, Frist bis 1. November 1907 gewährt
werden.
November
Sämmtliche Frucht- und Futterarten sind gut geraten; dagegen sind die Kartoffeln
etwas spärlich ausgefallen. Der Centner Roggen kostete 8,00 Mk., Weizen
8,50 Mk., Gerste 7,00 Mk., Hafer 6,20 Mk., Heu 2,60 Mk., Stroh 2,50 Mk., Kartoffeln
3,00 Mk. Es wurde in diesem Jahre an der südlichen Seite der hiesigen Feldmark
zum Schutze der Feldflur gegen Rot- und Schwarzwild ein H(unleserlich)gatter
errichtet. Die Fichtenstangen wurden aus der Gemeindeforst Krähenwinkel
entnommen; der Arbeitslohn mit (unleserlich) betrug pro laufendem Meter 30 Pfennig,
der Fuhrlohn nach Lipsberg pro Stange (Ab hier fehlt die Schrift, da das Buch
bei Neueinband in den sechziger Jahren schief beschnitten wurde).
Dezember
Der Winter stellte sich vollständig ein und es folgte sobald Schnee. In
diesem Jahre fanden 22 Geburten, 3 Trauungen und 15 Sterbefälle statt.
Holtheim den 31. Dezember 1906
Der Vorsteher Die Gemeindeverordneten
Diekmann (Nr. 20) Schaefers Dreker
Tölle (Nr. 10)
Humberg (Nr. 87)
Günther (Nr. 13)