1907
Januar
Der im vorigen Jahre gefallene Schnee ging mit Regen zu Mitte dieses Monats
ab. Bevor nun das Erdreich etwas abtrocknete, fiel heftiger Frost ein, der der
Winterfrucht, besonders dem Brachroggen und Wintergerste bedeutend schadete,
sodaß, als der hierauf gefallene Schnee nach einigen Wochen abging, die
Winterfrucht, wie vom Lande weggefegt, anzusehen war.
Februar
Am 20. Februar fing es wieder an zu schneien, begleitet von einem so heftigen
Schneewehen wie es mehrere Jahre nicht der Fall war, daß der ganze Fahrverkehr
auf mehrere Tage, so lange das Schneewehen dauerte, eingestellt werden mußte.
März
Die Witterung war regnerisch mit Schneegestöber und Frost vermischt. Die
letzte Woche war schön, sodaß mit der Aussaat begonnen werden konnte.
Die Einnahmen der Gemeindekasse pro 1906 betrugen 16130,99 (Mark). Die Ausgaben
der Gemeindekasse pro 1906 betrugen 13973,45 (Mark). Die Kommunalsteuerzuschläge
pro 1907 betragen:
von der Einkommensteuer 250%
von der Grundsteuer 250%
von der Gebäudesteuer 250%
von der Gewerbesteuer 250%
von der Betriebssteuer 250% einschl. Kreissteuer.
April
Die Witterung war kalt und trocken, welches für die ohnehin sehr spärlich
stehende und noch erhaltene Winterfrucht sehr schädlich war. Mit wenigen
Ausnahmen mußten die mit Roggen und Wintergerste bestellten Grundstücke
umgeackert werden. Das Weizenkorn hielt, wenn auch nur spärlich, stand.
Rotklee ist fast gar nicht vorhanden, Weißklee und Gelbklee, der an und
für sich sehr wenig vorhanden ist, wird wegen der kalten Witterung im Wachstum
sehr zurückgehalten und kann sich daher nicht genügend entwickeln.
Mai
Auch dieser Monat hatte nur wenige Thaunächte und wenige warme Tage. In
diesem Monate wurden die Vorarbeiten zum Bau eines Krankenhauses in Lichtenau
begonnen. Der Fond rührt aus einem mildtätigen Vermächtnisse
der in Lichtenau kinderlos verstorbenen Eheleute Huck(?)-Fischer und ist der
römisch-katholischen Pfarrgemeinde Lichtenau, wozu unsere Gemeinde mit
1/6 anteilig ist, gewidmet.
In den Nächten zum 29. und 30. d(ieses) M(onats) hatte es so stark gereift,
daß die Kartoffeln, und Vizebohnen (Anm.: das sind Stangenbohnen), welche
schon aufgegangen waren, erfroren. Am 29. wurden die Fichtenpflanzungen hiesiger
Gemeinde beendet; es wurden die im Separationsverfahren ausgeworfenen Parzellen,
welche sich als Ackerland als Ackerland zu verpachten nicht besonders verwerten(?)
ließen, mit Fichten aufgeforstet und dadurch der Wald(unleserlich) der
Gemeinde um ca 9 Hektar vermehrt. Dieser Monat war trocken bis zum 28. Da trat
ein fürchterliches Gewitter auf. Obschon dasselbe mit einem wolkenbruchartigem
Regen endete, hat es doch den Früchten die(?) es ganz besonders nach Regen
dürstete, den notwendigen Wachstum befördert.
Juli
Mit der Heuernte wurde begonnen und wurde selbige auch gut eingebracht.
August
Dieser Monat hatte für unsere Gemeinde keine große Bedeutung, da
die Winterfrucht zum größten Teile im vergangenen Winter eingegangen
war und die Sommerfrüchte sich verspäteten.
September
Im Anfange wurde der Sommerweizen gemähet, ebenso das Rauhfutter. Infolge
des in den benachbarten Kreisen Warburg und Höxter stattgefundenen Kaisermanövers
wurde unsere Gemeinde mehrmals mit Truppen stark belegt und da wegen der verspäteten
Ernte die Fourage (Anm.: Futter für die Truppenpferde) von den Gemeinde
des Amtes Lichtenau nicht geliefert werden konnte, wurde bei dem benachbartem
Lichtenau ein Proviantamt errichtet, wohin aus den Militärmagazinen die
erforderlichen Fouragebedürfnisse geschafft und von den einzelnen Gemeinden
abgeholt wurden.
In diesem Monat wurden die Sommerfrüchte zum größten Teile eingebracht.
Mit der Aussaat des Roggens konnte man wegen der günstigen Witterung sehr
gut von statten kommen, wohl hatte dieselbe von Schneckenfraß etwas zu
leiden, wer jedoch es nicht ganz an der notwendigen Aufmerksamkeit fehlen ließ,
konnte diesem Übel wohl bei Zeiten Einhalt tun. Die Witterung war der jungen
Frucht sehr günstig und konnte sich dieselbe gut entwickeln.
Oktober
Die Witterung war auch in diesem Monat sehr günstig. Das Vieh konnte bis
zu Ende geweidet werden.
November
Es machte sich der Winter sobald bemerkbar. An Roggen und Gerste war sehr wenig,
ebenso auch an Klee. Dagegen waren alle anderen Fruchtarten sehr gut geraten.
Auch die Kartoffelernte fiel gut aus. Der Zentner Roggen und Weizen kostete
11,00 M.; der Zentner Hafer kostete 9,00 M.; schlug aber später im Preise
wieder etwas ab. Heu kostete 3,00 M., Stroh 3,00 M., Kartoffeln 2,50 M. Es blieb
offene Witterung und fiel wenig Schnee.
Dezember
Bis Mitte des Monats konnten die Pflugarbeiten fortgesetzt werden, dann trat
Schnee ein, worauf Frost folgte.
In diesem Jahre fanden 25 Geburten, 7 Trauungen und 15 Sterbefälle statt.
Holtheim den 31. Dezember 1907
Der Vorsteher Die Gemeindeverordneten
Diekmann Kammler Tölle (Nr. 10)
Humberg (Nr. 87)
Dreker (Nr. 23)
Günther (Nr. 11)