1908

Januar
Ende dieses Monats trat Tauwetter ein und man freute sich, daß nach dem Schneeabgange die Roggenfrucht unverletzt war.

Februar
Nach einer fast 6jährigen segensreichen Wirksamkeit verließ uns Herr Vikar Potthast um die Vikariestelle in Fretter zu übernehmen. Sein Nachfolger ist Herr Vikar Mantel, welcher hier seine erste Stelle antrat.

März
Nachdem die Anlegung einer Wasserleitung für die hiesige Gemeinde beschlossen war, wurde dieselbe im Wege der Submission an den Unternehmer Haakshorst in Essen vergeben. Das Wasser wird aus einer forstfiskalischen Quelle am sg. Bentenberge (bei Kleinenberg) entnommen.
Die Quellen liegen oberhalb des Heilgrundes an der Grenze zu Veddernkamp, im Forstdistrikt 69, von Kleinenberg kommend etwa 200 Meter rechts vom Wege im Wald. Seit den 1980er Jahren wird ihr Wasser nicht mehr genutzt, Holtheim wird aus der Kleinenberger Quelle mitversorgt. Die Fassungen sind heute (1999) in bedauernswertem Zustand.
Das Projekt hat Herr Civilingenieur H. Leithäuser in Cassel aufgestellt, welchem auch die Leitung der Arbeiten übertragen wurde. Die Anlage wird von jedem Einwohner freudig begrüßt, besonders wo wir im Allgemeinen doch nur im Innern des Ortes kaum einwandfreies Wasser besitzen, und bei längerer anhaltender Trockenheit die Ortsbrunnen versiegen.
Die Einnahmen der Gemeindekasse pro 1907 betrugen 19103,69 M(ark). Die Ausgabe(n) der Gemeindekasse pro 1907 betrugen 17055,51 M(ark).
Die Kommunalsteuerzuschläge pro 1908 betragen:
Von der Einkommensteuer 250%.
Von der Grundsteuer 250%.
Von der Gebäudesteuer 250%.
Von der Gewerbesteuer 250%.
Von der Betriebssteuer 250%,
einschließlich der Kreissteuer.

April
Im Anfange war es trocken, sodaß mit der Frühjahrsbestellung begonnen werden konnte, später war die Witterung sehr unbeständig und kalt, sodaß die Aussaat nur langsam vor sich ging.

Der Stand der Winterfrucht ist gut, ebenso der Klee(?) und ist, falls nicht unvorhergesehene Mißstände eintreten, auf eine gute Roggenernte zu rechnen.

Mai
Die Witterung war wüchsig, sodaß sich alle Fruchtarten mit Ausnahme des Rauhfutters, welchem die Taunächte gefehlt haben, gut entwickelten.
Ende dieses Monats wurde mit den Arbeiten der Wasserleitung begonnen. Die Bodenverhältnisse stellten sich sehr günstig, sodaß die Arbeiten ziemlich rasch von statten gingen.

Juni
Die erste Hälfte war regnerisch, darauf trat Wärme ein, welche den Früchten das richtige Gedeihen gab.

Juli
Mit der Heu- und Kleernte wurde begonnen und wurde bei der günstigen Witterung gut eingebracht.

August
Die Wasserleitungsarbeiten wurden soweit beendet, daß fast ein jeder Einwohner in seinem Hause zapfen konnte, welches mit vollem Rechte als eine besondere Wohltat für unsere Gemeinde bezeichnet wurde. Mit der Roggenernte wurde begonnen. Die Witterung war besonders passend.
Am 19. brannte die Holtheimermühle ab, die Entstehungs- ursache ist unaufgeklärt geblieben.

September
In diesem Monate wurde die Haferernte und die des Rauhfutters vorgenommen. Obschohn für die Erntearbeiten die Witterung sehr günstig war, so konnten wegen der anhaltenden Dürre die Ackerarbeiten nur beschwerlich bewerkstelligt werden und die junge Roggensaat blieb daher sehr zurück.
Oktober
Die Dürre hielt auch jetzt noch an bis Ende.

November
Der Winter machte sich durch sehr starken Frost bemerkbar und sind daher die noch auf dem Felde vorhandenen Futterrüben zum größten Teile erfroren und verdorben, welches einen bedeutenden Schaden war. Roggen und Gerste, Klee und Heu sind gut geraten, dagegen wurde in Hafer, Rauhfutter und Kartoffeln nur eine Mittelernte erzielt.
Der Zentner Roggen kostete 8,00 M., der Zentner Hafer 8,50 M., der Zentner Gerste 8,00 M., der Zentner Kartoffeln 3,00 M. Es winterte beständig bis zu Ende.

Dezember
Es tauete wieder auf und konnte somit das (unleserlich) der Stoppeln vollständig ausgeführt werden. Der anstelle des verstorbenen Gemeindeverordneten Weise wurde Förster Krähahn von der 1. Abteilung und an Stelle des ausscheidenden Gemeindeverordneten Humberg wurde Johann Hillebrand von der 3. Abteilung gewählt, der ausscheidende Gemeindeverordnete Gerhard Günther wurde von der 2. Abteilung wiedergewählt (Satz tatsächlich so verbaut!).
In diesem Jahre fanden 18 Geburten, 3 Trauungen und 10 Sterbefälle statt.


Holtheim den 31. Dezember 1908


Der Vorsteher Die Gemeindeverordneten

Diekmann Dreker Tölle
Günther Hillebrand
Kammler Krähahn
(Förster zu Marschallshagen)