1909

Januar
Dieser Monat brachte Schnee mit starkem Frost.

Februar
Am 2. Nachmittags trat Tauwetter ein. Es folgte starker Regen mit Schneeabgang, welcher ungefähr 3 Tage ununterbrochen anhielt, sodaß viel Schaden an den Grundstücken und Wegen entstand. Es war noch ein Glück, daß die Ackerkrume gefroren war, denn sonst wäre noch größerer Schaden, besonders an den Hangländereien entstanden. Mitte dieses Monats fing es wieder an zu schneien und wurden durch das heftige Schneewehen die Wege unpassierbar.

März
Die Witterung war sehr ungünstig, bestand aus Schnee und Regen. Die Einnahmen der Gemeindekasse pro 1908 betrugen 73020,37 M(ark). Die Ausgaben der Gemeindekasse pro 1908 betrugen 69122,54 M(ark). Die Kommunalsteuerzuschläge pro 1909 betragen:
von der Einkommensteuer 250%
von der Grundsteuer 250%
von der Gebäudesteuer 250%
von der Gewerbesteuer 250%
von der Betriebssteuer 250%
einschließlich Kreissteuer.

April
Die erste Hälfte dieses Monats war beständige Witterung und wurde mit der Aussaat des Hafers begonnen. Am 7. April brannte das Wohnhaus des Ackerwirts Anton Humberg (vulgo Kniwels, Nr. 55, heute Annenweg 8) bis auf die Fundamente nieder, das Feuer wurde auf den Heerd beschränkt, und trug die Wasserleitung dazu besonders bei. Die Entstehungsursache ist unaufgeklärt geblieben.

Mai
Die Witterung war kalt und trocken, sodaß sich die Winterfrucht, die teilweise doch spärlich stand, wenig entwickeln konnte. Auch die Frühjahrssaaten, sowie der Klee wurden durch die anhaltende Kälte und Dürre im Wachstum sehr zurückgehalten und ist im günstigsten Falle nur auf eine Mittelernte zu rechnen. Bei öffentlicher Verpachtung der Jagdnutzung des gemeinschaftlichen Jagdbezirkes der Gemeinde Holtheim wurde der jährliche Betrag von 2030 Mark erzielt.
Auch hat (der) Pächter nebenbei den vorkommenden Wildschaden zu tragen. Der frühere Jagdpachtbetrag war 300 Mark und Tragung des Wildschadens.

Juni
Die Witterung war kalt und trocken, es kamen sogar einige Frostnächte. Das Wachstum aller Getreidearten wurde hierdurch aufgehalten. Nachdem die dritteWahlperiode des Gemeindevorstehers Diekmann (Nr. 20, heute Beine) ihr Ende erreichte, wurde derselbe bei der am 3. Juni d. Js. erfolgten Neuwahl wiedergewählt. Nach erfolgter Bestätigung des Herrn Landrats wurde derselbe im Juli in sein Amt eingeführt.

Juli
Dieser Monat war etwas wüchsiger, wirkte durch mehrfachen Regen und Taunächte auf die Sommerfrucht, besonders Rauhfutter und Klee. Der Klee und Heu haben eine Verspätung erlitten.

August
Die 400 Mtr. lange Strecke des Kommunikationsweges nach Kleinenberg von der Einmündung ins Dorf wurde besteint. Arbeiter Johann Knaup führte die Arbeiten zufriedenstellend aus. Die Witterung war regnerisch.

September
Die Witterung wechselte alle paar Tage, so daß nur mit der größten Mühe die Früchte eingebracht werden konnten und viel Hafer, Klee und Rauhfutter verdarb. Die Aussaat ging wegen der anhaltenden regnerischen Witterung nur langsam von statten.

Oktober / November
Die Witterung war sehr milde. Die Gemeindeweide wurde parzelliert und meistbietend verpachtet. Das Ergebnis war eine jährliche Pacht von 2203 Mark. Der Gemeinde-Haushalts-Etat
für die folgende Etatsperiode konnte daher von 250% auf 200% herabgesetzt werden, obschon für die Wasserleitung eine neue Belastung von 2000 M(ark) eingesetzt wurde. Am 10. trat stürmisches Wetter ein, welches auch den ganzen Monat hindurch anhielt. Sämmtliche Halmfrüchte waren gut geraten, hatten jedoch wegen der regnerischen Erntezeit an Wert einen ziemlichen Teil eingebüßt. Es kostete der Zentner Weizen 9,50 M., der Zentner Roggen 8,00 Mark; der Zentner Gerste 8,00 M., der Zentner Hafer 7,00 M. An Kartoffeln war eine Mittelernte, der Zentner kostete 3,50 M.

Dezember
Die Chaussee von der hiesigen Kirche bis Lichtenau wurde zur Kreisstraße ausgebaut und der Ausbau der hiesigen Strecke dem Arbeiter Johann Schlender hierselbst übertragen. Die Arbeiten mußten nur leider öfters hauptsächlich wegen starkem Frost unterbrochen werden. In diesem Jahre fanden 25 Geburten, 2 Trauungen und 4 Sterbefälle statt.

Holtheim, den 31. Dezember 1909

Der Vorsteher Die Gemeindeverordneten

Diekmann (Nr.20) Tölle (Nr.10)
Kammler
Günther (Nr. 31)
Dreker (Nr. 23)
Hillebrand (Nr. 35)