1910

Januar / Februar
Diese Monate hatten wechselnde Witterung, bald Regen, bald Schnee, bald Frost.

März
Mitte dieses Monats bekamen wir frühjahrsmäßige Witterung, so daß zur Aussaat die Vorbereitungen getroffen werden konnten. Die Einnahmen der Gemeindekasse betrugen pro 1909 31173,92 M(ark). Die Ausgabe(n) der Gemeindekasse betrugen pro 1909 27703,59 M(ark). Die Kommunal-steuerzuschläge pro 1910 betragen:
von der Einkommensteuer 200%
von der Grundsteuer 200%
von der Gebäudesteuer 200%
von der Gewerbesteuer 200%
von der Betriebssteuer 200%
einschließlich Kreissteuer.

April
Es war hauptsächlich kühle und nasse Witterung, sodaß es beschwerlich war, die Haferaussaat ordentlich zu bewirken.

Mai
Es war wüchsige Witterung, jedoch fielen einige starke Reifnächte vor. Die Winterfrucht stand gut, sodaß eine gute Ernte in Aussicht steht. Am 18. trat ein heftiges Gewitter mit wolkenbruchartigen Regen ein, wodurch einige Bergländereien geschädigt wurden.

Juni
In diesem Monate wurde die Fortsetzung der Härtung des Kommunikations-Weges nach Kleinenberg (auf (??) sg. Suhl) 700 Mtr. Lang, in Angriff genommen und vom Arbeiter Johann Knaup hier gut und zufriedenstellend ausgeführt. Der Kostenpunkt des Ausbaues des ganzen im hiesigen Territorium liegenden Weges beläuft sich auf 4650 Mark. Die Erdarbeitung war im (unleserlich) Jahre gemacht(?).

Juli
Die Witterung war sehr feucht, sodaß die Heu- und Kleeernte dadurch geschädigt wurde.

August
Die Arbeiten der neuen Kreisstraße von Holtheim nach Lichtenau wurden beendet und fand eine vorläufige Abnahme durch den Herrn Landesbaurat Schlentker aus Paderborn statt. Die von der hiesigen Gemeinde zu tragenden Kosten betragen 10123 Mark, wovon 1/3 die Provinz und 1/4 der Kreis übernommen hatt.

September
Der regnerischen Zeit wegen konnte nur mit derselben Mühe, wie im Vorjahre die Ernte eingebracht werden.

Oktober
Die folgenden Sätze sind durch Durchstreichung mit schwarzer Tinte unleserlich gemacht. Daneben befindet sich ein Stempel des Amtes Lichtenau mit dem Vermerk "Amnestiert!" und einer Unterschrift. Was dort von Amts wegen Streichenswürdiges gestanden hat, läßt sich wohl nie mehr feststellen. Ein an dieser Stelle eingeklebter Zettel trägt folgende Notizen des nachmaligen Chronisten August Altrogge, der die Ereignisse nachrecherchierte:
"Als die Felder abgeerntet waren, fand in der Holtheimer Feldflur ein großes Kaisermanöver statt, größtenteils Infanterie und Kavallerie. Die Pferde wurden von Holtheimer Landwirten versorgt. In der alten Kriegerhalle feierten die Soldaten ihren Abschlußball, 2 Holtheimer Soldaten waren bei diesem Manöver beteiligt. Auch waren zu diesem Zapfenstreichabend alle Holtheimer herzlich eingeladen."
Bleibt noch anzumerken, daß die Kriegerhalle an der Stelle der jetzigen Schützenhalle stand und 1909/10 vom Holtheimer Kriegerverein neu errichtet worden war. Sie war aus Fachwerk, die Vorderfront hatte lediglich herausnehmbare Lattenroste als Wandersatz. Der Fußboden bestand aus gestampftem Lehm, die Tanzfläche trug Bretterschalung. Die Musik spielte auf einer Empore. Sanitäre Einrichtungen gab es nur in Form eines "Plumpsclosetts". Wegen des schlechten Zustandes wurde die Halle Ende 1952 abgebrochen und die heutige Halle errichtet.

November
Es war in diesem Herbste eine fürchterliche Mauseplage vorhanden, sodaß sämtliche junge Roggenfelder in Gefahr standen. Durch das energische Einschreiten der Landwirte wurde diesem Uebel ziemlich Einhalt geboten. Sämtliche Fruchtarten mit Ausnahme der Kartoffeln, welche bei manchem sehr zu wünschen übrig ließen, waren gut geraten. Es kostete der Zentner Weizen 10 Mk.; Roggen 8 Mk.; Hafer 7,50 Mk.; Gerste 7 Mk.; Kartoffeln 2,80 Mk.. Bei der diesjährigen Gemeindeverordnetenergänzungswahl wurde von der 1ten Abteilung an Stelle des Försters Krähahn zu Marschallshagen der Ackerwirt Franz Schäfers und von der 3ten Abteilung an Stelle des Ackerwirts Anton Tölle der Ackerwirt Josef Schopohl gewählt.


Dezember
Der Ackerwirt Franz Dreker wurde als Vorsteherstellvertreter auf eine 6jährige Periode wiedergewählt. In diesem Jahre fanden 17 Geburten, 5 Trauungen und 9 Sterbefälle statt.

Holtheim den 31. Dezember 1910


Der Vorsteher Die Gemeindeverordneten


Diekmann (Nr. 20) Dreker (Nr. 23)
Günther (Nr. 31)
Hillebrand (Nr. 35)
Schaefers (Nr. 45)
Schopohl (Nr. 52)
Kammler

Anton Kammler war Glasschleifermeister auf der Marschallshagener Hütte. Er wohnte im Altenteiler der Hofstelle Altrogge Nr. 61 vulgo Stoukenleute. Das Haus stand in der Beckerbicke (Bekestraße) an der Stelle der Garage des jetzigen Geschäftes Sander. Es wurde 1920 abgebrochen. 1932 kaufte Karl Sander das Grundstück und errichtete dort seine Kolonialwarenhandlung.