1911

Januar
Dieser Monat hatte Frost und Schnee. Der Ackerwirt Gerhard Günther (Nr. 31, vulgo Kürlemeggers) wurde an Stelle des ausscheidenden Amtsverordneten Ludwig Schäfers zum Amtsverordneten gewählt.

Februar
Keine Einträge!

März
Ende des Monats trat gute Witterung ein, sodaß mit der Feldbestellung begonnen werden konnte.

April
Die Witterung war trocken. Nur traten leider öfters Nachtfröste ein, welche der Winterfrucht, die so leidlich durch den Winter gekommen war, sehr viel schadeten, ebenso den Klee vernichteten. Ende des Monats wurde, nachdem das alte Vikariehaus als baufällig und seinem Zwecke nicht mehr entsprechend, befunden wurde, durch Gemeindebeschluß zum Neubau geschritten und selbiger dem Bautechniker Heinrich Köhler zu Atteln unter Benutzung der von Königl(icher) Regierung zu Minden herausgegebenen preisgekrönten Entwürfen verdungen.

Mai
Es fand am 1. Mai die entgültige Abnahme des Weges Holtheim - Lichtenau durch Herrn Landesbauinspektor Schlentker zu Paderborn statt.

Juni
Wegen der anhaltenden Dürre konnte die Sommerfrucht sich nicht entwickeln. Auch fehlte die nötige Wärme. Die Einnahmen der Gemeindekasse pro 1910 betrugen 30599,95 M(ark). Die Ausgaben der Gemeindekasse pro 1910 betrugen 28821,06 M(ark). Die Kommunalsteuerzuschlege pro 1911 haben sich gegen das Vorjahr nicht verändert.

Juli
Dieser Monat war fast durchweg sehr warm, welches der Heu- und Kleeernte besonders zu statten kam. Auch kamen viele Taunächte vor, welches dem Rauhkorn noch von großen Nutzen war. In den letzten Tagen konnte schon mit Roggenmähen begonnen werden.

August
Mit Ende dieses Monats war die ganze Ernte und zwar vollständig trocken eingebracht, sodaß schon mit den Vorarbeiten der Herbstbestellung begonnen werden konnte.

September
Die Roggensaat und Gerste, welche sich ziemlich gut bestockt hatte, wurde von den hier manöverierenden Truppen des VII Armeekorps arg zertreten und beschädigt. Es wurde für die Beschädigungen an Roggen, Gerste, Klee, Kartoffeln und Ackererschwernissen 6500 Mark aus der Staatskasse gezahlt. Am 22. dMts(des Monats) spielte sich das Ende des Gefechtes, wobei die Infanterie-Regimenter No. 15 und 56 beteiligt waren, unmittelbar zwischen Holtheim und der dazu gehörigen Glasfabrik Marschallshagen gegen 4 Uhr Nachmittags ab. Sämtliche hiesige Einwohner waren ausgerückt, um sich die Gefechte, welche sich sehr interessant ausnahmen, anzusehen. An diesem Manöver waren vier Söhne unserer Gemeinde als aktive Soldaten beteiligt. Die Kartoffelernte wurde in diesem Monate beendet.

Oktober
Mitte des Monats wurde der Bau der hiesigen Vikarie beendet; derselbe kostet 9100 Mark. Für die alte zum Abbruch verkaufte Wohnung des Vikars wurden 400 Mark erzielt. Die Bauart der neuen Vikarie gefällt im Allgemeinen sehr gut und ist selbige auch von dem zeitigen Herrn Vikar als besonders praktisch anerkannt worden. Anm: Ein neuer Bauplatz brauchte für die Vikarie nicht gesucht werden. Sie wurde auf dem selben Bauplatz hinter der alten erichtet, die ja sowieso abgebrochen werden sollte.
Unsere Wasserleitung hat sich während dieses trockenen Sommers sehr gut bewährt.

November
Die Ernte kann nur als Mittelernte bezeichnet werden. Der Zentner Weizen kostete 10 Mark; Roggen 9 Mark; Gerste 7,50 Mark; Hafer 10 Mark und Kartoffeln 3 Mark.

Dezember
Es war größtenteils offene Witterung, nur die letzten 10 Tage folgte Schnee und Regen. Diese milde Witterung war der späten Roggenfrucht von besonderem Nutzen.
In diesem Jahre fanden 23 Geburten, 3 Trauungen und 14 Sterbefälle statt.

Holtheim den 30. Dezember 1911

Der Vorsteher Die Gemeindeverordneten

Diekmann Dreker Günther
Hillebrand Schaefers
Schopohl Kammler