1913
Januar
Nachdem unser bisheriger Herr Landrat, Geheimer Regierungsrat Dr. von Savigny
mit Ende des vorigen Jahres nach fast 18jähriger Amtsdauer die Geschäfte
des Landratsamtes Büren niedergelegt hat, um sich in den wohlverdienten
Ruhestand zu setzen, wurde der Herr Regierungsassessor Winkelmann vom 1. dMts
(des Monats) ab als Landrat des Kreises Büren ernannt.
Februar
keine Einträge
März
Es trat passende Witterung ein, sodaß die Feldarbeiten in der letzten
Hälfte des Monats schon beginnen konnten. Die Einnahmen der Gemeindekasse
pro 1912 betrugen 18576,19 M, die Ausgaben der Gemeindekasse pro 1912 betrugen
18502,69 M(ark). Die Kommunalsteuer-Zuschläge betrugen von sämtlichen
Steuerarten 200% einschl. der Kreissteuer.
April
Die Witterung war zufriedenstellend. Die Winterfrucht, die der späten Aussaat
wegen spärlich bestockt war, konnte sich ziemlich entwickeln. An Stelle
des nach Neuenkirchen versetzten Lehrers Ahle wurde der Schulamtsbewerber Wilhelm
Faber aus Peckelsheim mit der Schulstelle hierselbst betraut.
Mai
Die Gemeindevertretung beschloß, zu den Kosten der hier voraussichtlich
einzuführenden Fortbildungsschule bis zu 1/3 beizutragen, falls die Gesamtkosten
200 Mark nicht übersteigen.
Juni
Es fanden verschiedene schwere Gewitter statt, worin verschiedene Personen in
Iggenhausen und Meerhof erschlagen wurden. Nachdem der Gemeindevorsteher Diekmann
nach vorwurfsfreier 22jähriger Dienstzeit sein Amt mit Ende dieses Monats
niederzulegen erklärte, wurde an dessen Stelle unter dem Vorsitze des Herrn
Amtmannes Wesener am 13. der Ackerwirt Gerhard Günther (Nr. 31, vulgo Kürlemeggers)
gewählt.
In diesem Jahre zum ersten Male wurde uns hier in den drei letzten Tagen der
Karwoche hl. Messe gefeiert. Auch wurde die Fronleichnamsprozession hier eingeführt.
Anm.: Dies war nur möglich, weil ein ständiger Seelsorger am Orte
war und Holtheim im Jahre 1913 zur Pfarrvikarie erhoben wurde.. Normalerweise
haben Filialgemeinden darauf auch heute noch keinen Anspruch, da derlei Funktionen
in der Pfarrkirche stattzufinden haben.
Am 29. Mai d. Js. erschien der Hochw. Herr Weihbischof Häling von Lanzenauer,
um unseren vor einigen Jahren (1904) neu errichteten Hochaltar einzuweihen und
zugleich das hl. Sakrament der Firmung zu spenden. Der hohe Herr wurde bei seiner
Ankunft halbwegs Lichtenau von einer Anzahl stattlicher Reiter abgeholt und
sodann von den Geistlichen der Pfarre und von fast sämtlichen Einwohnern
am nördlichen Eingange des Ortes empfangen und in feierlicher Prozession
zur Kirche geleitet. Auch wurde tüchtig geböllert.
Am 15. dss. (dieses) Mts (Monates) wurde in hiesiger Gemeinde das 25jährige
Regierungsjubiläum Seiner Majestät Kaiser Wilhelm II und zugleich
das hiesige Kriegerfest gefeiert.
Juli
Die Klee- und Heuernte fiel befriedigend aus, konnte aber wegen der wechselnden
Witterung nur mit Mühe eingebracht werden.
August
Die Witterung war bis zur Hälfte des Mts (Monates) regnerisch, es konnte
daher mit Einbringen der Winterfrucht erst Ende des Monats begonnen werden.
Unter dem hiesigen Schweinebestande herrschte die Rotlaufseuche, woran sehr
viele eingingen.
September
Am 28. des Mts. fand in der Nähe der Domäne Dahlheim ein sog(enanntes)
Kriegsspiel statt, woran sich der hiesige Krieger- und Jünglingsverein
beteiligten. Das Wetter war in diesen Monat abwechselnd schön und regnerisch.
October
Am 11. October brannten mehrere Wohngebäude der zu der Gemeinde Holtheim
gehörigen Glasfabrik Marschallshagen bis auf den Grund nieder.
Anm.: Die beiden heute noch erhaltenen Arbeiterhäuser wurden vom damaligen
Brande verschont.
Das Hauptgebäude wurde jedoch durch rasches Eingreifen der Einwohner von
Marschallshagen und Holtheim gerettet.
An Stelle des zum Vorsteher gewählten Gemeindeverordneten Gerhard Günther
wurde der Ackerwirt Anton Buschmeyer von der II. Abteilung gewählt und
bald darauf in sein Amt eingeführt.
Herr Amtmann Wesener, welcher ca. 7 1/2 Jahr das Amt Lichtenau zu unserer allgemeinen
Zufriedenheit verwaltet hat, wurde an das Amt Borchen versetzt. Anfang dieses
Monats war das Wetter schön, in der letzten Hälfte regnerisch. Auch
wurde die junge Aussaat von den Mäusen und Schnecken sehr angegriffen.
Trotz der angewandten Vertilgungsmaßregeln richteten dieselben doch ziemlichen
Schaden an.
November
Dieser Monat war sehr milde, was der jungen Aussaat besonders zu Gute kam, da
dieselbe durch Schnecken und Mäusefraß viel gelitten hatte. Der Weizen
kostete pro Zentner 9,50 Mk, Roggen 8,00 Mk, Hafer 8,00 Mark. Die Kartoffelernte
fiel befriedigend aus. Am 27. des Mts. wurde in hiesiger Gemeinde eine ländliche
Fortbildungsschule eröffnet.
Dezember
Am 2. Dezember wurde von der Gemeindevertretung einstimmig beschlossen, der
geplanten Versorgung des Kreises Büren mit elektrischem Licht und elektrischer
Kraft auch hiesige Ortschaft anzuschließen (dieser Traum sollte erst 1923
in Erfüllung gehen). In der Zeit vom 3. bis einschl. 8. des Mts. wurde
von den hochwürdigen Herrn Franziskanerpatres Daniel und Anno in der hiesigen
Filialkirche eine Missions-Erneuerung gehalten. Die Witterung war sehr milde.
In diesem Jahre kamen 28 Geburten, Trauungen (Zahl nicht eingetragen) und 11
Sterbefälle vor.
Holtheim den 31. Dezember 1913
Der Vorsteher Die Gemeindeverordneten
Günther Schopohl
Buschmeyer
Dreker
Hillebrand
Schäfers