1914
Januar
Anfangs war Regenwetter, sodann trat heftigen Frost ein, der der Winterfrucht,
besonders dem Brachroggen und (der) Wintergerste, bedeutend schadete. Die Wintergerste,
welche sehr gut stand, wurde fast gänzlich vernichtet. Dem Herrn Amtmann
Roters wurde die Verwaltung des Amtes Lichtenau übertragen, und vom Herrn
Landrat Winkelmann in Gegenwart der Amtsversammlung und der Beamten des Amtes
in sein Amt eingeführt (Satz ist tatsächlich so verschachtelt!).
Februar
Die Witterung wechselte mit Schnee und Regen.
März
Die Witterung war regnerisch, die letzten Tage trat gutes Wetter ein, sodaß
mit der Feldbestellung begonnen werden konnte. Die Einnahmen der Gemeindekasse
pro 1913 betrugen 18881,93 M(ar)k. Die Ausgaben der Gemeindekasse pro 1913 betrugen
18504,20 M(ar)k. Die Kommunalsteuerzuschläge betrugen von sämmtlichen
Steuerarten 210% einschl. der Kreissteuer.
April
Die Witterung war kalt und trocken. Mit wenigen Ausnahmen mußten die mit
Wintergerste und Klee bestellten Grundstücke umgeackert werden.
Mai
Auch dieser Monat war größtenteils kalt und regnerisch, hatte wenige
Taunächte und wenige warme Tage. Durch Verfügung des Bischöflichen
General-Vikariats zu Paderborn, wurde von jetzt an die Vornahme der Trauungen
in der hiesigen Filialkirche gestattet. Anm: Bis zu der Zeit mußten die
Trauungen in der eigentlichen Pfarrkirche zu Lichtenau stattfinden.
Juni
Im Anfange war noch kaltes Regenwetter, darauf trat Wärme ein, welche auf
die noch schlecht stehende Winterfrucht gedeihlich wirkte. Am 1. und 2. dss.
(dieses) Mts. (Monates) wurde das hiesige Kriegerfest gefeiert.
Juli
Die Witterung war mit Ausnahme weniger Tage trocken, so daß die Heu- und
Kleeerndte gut eingebracht wurde. Die Kleeerndte fiel sehr spärlich aus.
Nachdem wir 43 Jahre in Ruhe und Frieden verlebt hatten, wurde unser Land wieder
in Kriegsunruhe versetzt.
August
Da dem Verlangen Deutschlands, seine Mobilmachung und Bedrohung Deutschlands
einzustellen, seitens Rußlands keine Folge geleistet wurde, erklärte
Deutschland an Rußland den Krieg. Seine Majestät der deutsche Kaiser
Wilhelm II ordnete die Mobilmachung der gesammten Macht an. Als erster Mobilmachungstag
wurde der 2. August festgesetzt. Ferner wurde auch seitens Deutschlands der
Krieg an Frankreich, Belgien, England, Montenegro, Marokko und Japan erklärt.
Die Witterung war den ganzen Monat hindurch trocken.
September
In diesem Monate war die Witterung ebenfalls trocken, so daß sämmtliche
Feldfrüchte gut eingebracht werden konnten. Am 28. d. Mts. feierte unser
hochwürdige Herr Pfarrer Köhnhorn (Pfarrer von Lichtenau) sein fünfzigjähriges
Priesterjubiläum. Es wurde jedoch von einer größeren Feier wegen
des Krieges abgesehen.
October
Die erste Hälfte war trocken und konnten daher die Kartoffeln gut eingebracht
und die Herbstaussaat rechtzeitig beendigt werden.
November
Die Erndte sämmtlicher Fruchtarten ist ausschließlich der Kleeerndte,
welche sehr gering war, als mittel zu bezeichnen. Es kostete der Zentner Roggen
11,50 Mk, der Weizen 13,00 Mk, die Gerste 10,00 Mk, der Hafer 11,00 Mk, die
Kartoffeln 3,50 Mk. Die Witterung war noch sehr günstig, so daß sämmtliche
Stoppelfelder umgeackert werden konnten.
Dezember
Die Witterung war sehr milde. Am 1. d. Mts. fand eine allgemeine Viehzählung
statt. Das Ergebnis war 74 Pferde, 317 Rinder, 172 Schafe (diese Zahl kann bei
Betrachtung der damaligen Schafhalter in der Gemeinde niemals stimmen!), 497
Schweine und 91 Ziegen. In diesem Jahr kamen 15 Geburten, -- Trauungen und 18
Sterbefälle vor.
Die Kriegslage war am Ende dieses Jahres trotz der Überzahl unserer Feinde
für Deutschland sehr günstig.
Holtheim den 31. Dezember 1914
Der Vorsteher Die Gemeindeverordneten
Günther Dreker
Hillebrand
Buschmeyer
Krähahn (war Förster zu
Marschallshagen)