1917

Januar
Dieser Monat brachte Schnee mit starken Frost, sodaß die eingemieteten Kartoffeln und Steckrüben teilweise Schaden litten. Die an Stelle der Ackerwirte Franz Schäfers und Josef Schopohl neugewählten Gemeindeverordneten Ackerwirt Bernhard Poggenpohl und Gastwirt Martin Schäfers (Zum weißen Hirsch, vulgo Grafs) wurden am 8. d(es) M(onats) in ihr Amt eingeführt.

Februar
Das starke Frost- und Schneewetter dauert bis Ende dieses Mts. an. Der Lehrer Faber wurde von hier nach Haaren und die Lehrerin Schäfers von Haaren nach hier versetzt.

März
Die Witterung war sehr unbeständig. Die Einnahmen der Gemeindekasse pro 1916 betrugen 21714,20 Mk. Die Ausgaben der Gemeindekasse pro 1916 betrugen 19728,35 Mk. Die Kommunalsteuerzuschläge betrugen von sämmtlichen Steuerarten 245% einschl. der Kreissteuer.

April
Die Witterung war derart ungünstig, sodaß erst Ende des Monats mit der Aussaat begonnen werden konnte. Herr Amtmann Roters, welcher ca. 3 Jahre zu unserer allgemeinen Zufriedenheit das Amt Lichtenau verwaltet hat, starb ganz unerwartet, in Folge einer Lungenentzündung.

Mai
Die Witterung war sehr wüchsig, sodaß die Winterfrucht, welche durch den starken Frost gelitten hatte, sich noch ziemlich entwickeln konnte.

Juni
Die Witterung war, abgesehen von einigen Gewittern, welche etwas Regen brachten, den ganzen Monat hindurch trocken. Die Klee- und Heuerndte, welche sehr spärlich ausfiel, konnte gut und mit leichter Mühe eingebracht werden.

Juli
Die Witterung war ebenfalls meist trocken, so daß das Heu von den späten Wiesen sehr gut eingebracht werden konnte. Am 9. Juli mußten in hiesiger Kirche die Prospektpfeifen der Orgel abgenommen und für Kriegszwecke abgeliefert werden, was die Bespielbarkeit der Orgel sehr stark einschränkte. Nach Begutachtung durch Prof. Fuchs aus Paderborn mußte auch die größere der beiden Glocken abgeliefert werden. Am 26. Juli wurde sie durch die Schmiede M. Meyer, Karl Haberhausen und durch Maurer Ferdinand Rosenkranz heruntergenommen. Die Glocke war den heiligen Herzen Jesu und Mariä geweiht, wog 170 Kilo und war 1873 von Firma Humpert in Brilon gegossen worden. Die Bronze dafür stammte aus einer französischen Kanone aus dem Kriege 1870/71 und war seinerzeit der Gemeinde Holtheim gestiftet worden.

August
Es wurde mit Roggenmähen begonnen. Anfangs waren einige Regentage, dann aber schönes Wetter, so daß die Winterfrucht trocken eingebracht wurde.

September
Dieser Monat war zum Einerndten vorzüglich. Dem Landwirt Franz Böhner aus Lichtenau wurde die Verwaltung des Amtes Lichtenau als Ehrenamtmann übertragen und wurde derselbe am 13. dss. Mts. vom Herrn Regierungspräsidenten v. Kampe in Gegenwart des Herrn Landrat Winkelmann sowie der Amtsversammlung und der Beamten des Amtes in sein Amt eingeführt. In der zweiten Hälfte des Monats wurde mit dem ausmachen der Kartoffeln begonnen.

October
In der ersten Hälfte war schönes Wetter. Die Kartoffelnerndte, welche reichlich ausfiel, konnte trocken eingekellert werden. Die zweite Hälfte war meist regnerisch.
Für die Glashütte im nahen Marschallshagen kam in diesem Monat das Ende nach fast 100 Jahren. Die Kirchenchronik Holtheims schreibt dazu: "Die Glasfabrik im nahen Marschallshagen hatte auch unter dem Kriege zu leiden. Schon gleich zu Beginn des Krieges wurden mehrere Arbeiter eingezogen, ihre Zahl wurde dann immer kleiner. Teilweise traten junge Mädchen an ihre Plätze, wie es auch in anderen Fabriken der Fall war, nicht zum sittlichen Heil der Mädchen. So konnte die Glasfabrik wenigstens den Betrieb aufrecht erhalten. Als dann jedoch das Material immer knapper wurde und der Pächter Sebastian Hillebrand schon zuweilen einige Tage aussetzen mußte, wurde der Betrieb Ende Oktober 1917 stillgelegt. Dadurch kamen eine Reihe Arbeiter aber um ihren Verdienst, die jedoch später in der Forst wieder Beschäftigung fanden." Diese Zeilen können nur schwer die Not beschreiben, die durch die Hüttenschließung in so manches Haus einkehrte. Viele der Arbeiter gingen mit ihren Familien in das Ruhrgebiet, da die Heimat ihnen keine Arbeit geben konnte. Der Betrieb der Glashütte wurde niemals wieder aufgenommen.

November
Die Witterung war den ganzen Monat hindurch unbeständig. Die junge Aussaat entwickelte sich jedoch sehr gut. Es kosteten der Zentner Weizen 15,00 Mk., Roggen 14,00 Mk., Gerste 13,50 Mk., Hafer 13,50 Mk., Wicken 25,00 Mk und Kartoffeln 5,50 Mk.

Dezember
In diesem Jahre fanden 11 Geburten und 1 Trauung und 7 Sterbefälle statt.
Im Laufe des Jahres wurden zum Heeresdienste einberufen die Landsturmpflichtigen (Die gedienten Reservisten wurden, je nach Alter, in drei Klassen eingeteilt: Landwehr 1. Aufgebot, Landwehr 2. Aufgebot und Landsturm): Georg Waldeyer, Johann Ewers, Ferdinand Meyer, Martin Flore, Josef Hedergott, Franz Meyer und Heinrich Dreker.
Es starben den Heldentodt: Konrad Kröger, Johann Leifeld, Xaver Ziegeler, Philipp Schäfers, Heinrich Linnemann, Puls Wilhelm und Josef Nolte.
Die am 5.12.17 stattgefundene Volkszählung ergab 272 männliche u. 326 weibliche, zusammen 598 Einwohner.

Holtheim den 31. Dezember 1917

Der Vorsteher Die Gemeindeverordneten

Günther Seb. Hillebrand (Glashüttenpächter)
Schäfers
Hillebrand