1920

Januar Februar März
Die Witterung brachte Anfangs Schnee dann abwechselnd Regen und trockene Tage. Die Temperatur war sehr milde. Von Mitte Februar bis Ende März war die Witterung mit Ausnahme von geringen Niederschlägen durchweg trocken mit Sonnenschein am Tage und leichten Frost in der Nacht, der den jungen Klee erheblich schadete. Ende März wurde mit der Aussaat begonnen. Die Einnahmen der Gemeindekasse betrugen 133703,84 M. Die Ausgaben der Gemeindekasse betrugen 94913,24 M. Anhand dieser sehr hohen Summen läßt sich bereits die beginnende Inflation erkennen.

April
Die Witterung war sehr milde und wüchsig. Die Frühjahrsbestellung konnte ohne Unterbrechung ausgeführt werden.

Mai Juni
Diese beiden Monate brachten nur sehr wenig Thau und Regen. Wegen der anhaltenden Dürre konnte die Sommerfrucht sich nicht entwickeln. Die Winterfrucht steht im Allgemeinen gut. Am 6. Juni fanden die Wahlen zum Reichstage statt. Es wurde mit dem Ausbau des Weges am kurzen Suhl (Richtung Kleinenberg) begonnen. Unser bisheriger Vikar Rasche wurde nach Halle bei Bielefeld versetzt, wir erhielten in Person des Herrn Kaplan Brandt, zuletzt in Hofolpe bei Kirchundem, einen Nachfolger.

Juli
war trockene Witterung mit einigen Gewitter(n), welche etwas Regen brachten.

August
Es war bis Mitte sehr gutes Wetter, so daß der Roggen trocken eingebracht werden konnte; von Mitte ab regnerisch.

September
Das Regenwetter hielt bereits bis Mitte des Monats an, in Folge dessen der noch im Felde stehende Weizen und der bereits gemähte Hafer stark auswuchs und an den auf dem Halme stehenden Hafer wegen der übermäßigen Reife die Körner abfielen.

October
Das Wetter war beständig gegen Ende trat schon Frostwetter ein, welches das Umpflügen der Roggenfelder sehr erschwerte.

November
Das Frostwetter hielt bis Ende dieses Monats an. Es kostete der Zentner Roggen 80 Mark, Weizenkorn 5 Mark mehr. Hafer, der in freien Handel gebracht werden konnte, kostete 120 bis 150 Mark.

Dezember
Zu Anfang hielt das Frostwetter noch an. Gegen Ende trat milde Witterung ein. Am 1. ds. Monats fand eine algemeine Viehzählung statt. Das Ergebnis war 107 Pferde 257 Stück Rindvieh 186 Schafe 429 Schweine 99 Ziegen 7 Kaninchen 222 Gänse 98 Enten und 1091 Hühner. Die Viehpreise gingen im Laufe des Jahres noch bedeutend in die Höhe. In diesem Jahre fanden 22 Geburten 14 Trauungen und 11 Sterbefälle statt.

Holtheim den 31 Dezember 1920

Der Vorsteher Die Gemeindeverordneten

Günther (Nr. 31) Waldeyer
(?) Schäfers (Nr. 45, Kuhlen)
Bunte (Nr. 68, Postbunten)
H. Schäfers

Ein in der Chronik nicht erwähntes Ereignis vom April 1920 soll hier nicht unerwähnt bleiben: Vom 12. auf den 13. des Monats wurde in die Kirche eingebrochen. Der Versuch, den Tabernakel des Hochaltares mit einer Axt gewaltsam zu öffnen, mißlang gottlob. Aus einem Schrank hinter dem Altar (die Sakristei war noch nicht angebaut) wurden ein Meßkelch, ein Ziborium, die Krankenpatene und ein Gefäß für die hl. Öle entwendet. Die Gegenstände wurden, allerdings zerbrochen, einige Zeit später von einem Jungen beim Kühehüten im Bergischen Land gefunden. Über die Täter wurde zwar spekuliert, doch blieb die Tat bis heute ungesühnt.