1923

Januar
Die Witterung wechselte bis zum 15. mit Regen und Schneegestöber, gegen Ende herrschte frostige Kälte. Am 11. dieses Monats besetzten die Franzosen und Belgier das Ruhrgebiet, indessen der Dollar von 7241 auf 48177 Papiermark stieg. Interessant ist, daß der Chronist durchaus noch zwischen der wertvollen Goldmark des Kaiserreiches und dem wertlosen Papiergeld der Weimarer Republik unterscheidet.

Februar
Die Witterung war den ganzen Monat hindurch unbeständig und wechselte mit Regen, Frost und Schnee.

März
Das unbeständige Wetter dauerte bis zum 14. dieses Monats, gestaltete sich dann so günstig, daß mit den Feldarbeiten begonnen werden konnte.

April
Die Witterung war weiterhin günstig, die Feldarbeiten gingen flott von statten, so daß Mitte des Monats mit dem Setzen der Kartoffeln begonnen werden konnte. Nachdem die Gemeinde beschlossen, den hiesigen Ort an das Elektrizitätsverbandswerk Büren - Brilon zwecks Versorgung mit Strom für Licht und Kraft anzuschließen, waren die Arbeiten gegen Ende dieses Monats soweit gediehen, daß das Ortsnetz an die Hochspannungsleitung angeschlossen wurde und die hiesigen Einwohner mit Strom für Licht und Kraft versorgt werden konnten.

Mai
Die Witterung war nur zu anfang sonnig und warm, nachher kalt und naß.

Juni
das naßkalte Wetter hielt bis zum Schlusse dieses Monats an. Das Gemüse, besonders die Runkeln wurden dadurch im Wachstum sehr behindert. Die Heuerndte setzte erst am Schlusse des Monats ein.

Juli
So naß und kalt der Juni, so heiß war die erste Hälfte des Juli. Die Klee- und Heuerndte ging flott vonstatten.

August
Das Wetter war bis zum 15. gut, dann stellte sich eine ach(t)tägige Regenperiode ein, wodurch hauptsächlich der Samenklee litt.

September
Das Erndtewetter war günstig, die Roggenerndte konnte gut unter Dach gebracht werden. Gegen Ende des Monats setzte eine Regenperiode ein, die großen Schaden an den fast trockenen Hafer anrichtete.

October
Das schlechte Wetter dauerte bis zum 13. dieses Monats, klärte sich sodann auf, so daß der Hafer (unleserl.) auch nicht ganz trocken unter Dach gebracht wurde. Die Erndte kann nur als mittelmäßig bezeichnet werden mit Ausnahme von Rauhfutter und Kleeerndte, welche gute Erträge brachten. Die Kartoffelnerndte fiel sehr spärlich aus.

November
Wegen des günstigen Wetters konnte die Aussaat bald beendet werden. Das Rindvieh konnte bis zum 15. dieses Monats zur Weide getrieben werden. Der Zentner Weizen kostete 250.000.000.000 Papiermark, für Roggen, Hafer und Gerste war der Preis etwas geringer.

Dezember
Am 18. dieses Monats setzte der Winter ein unter Ausschüttung großer Schneemengen und strenger Kälte. Diese Witterung dauerte bis Ende des Monats.
In diesem Jahre fanden 19 Geburten, 5 Trauungen und 7 Sterbefälle statt.
Der in diesen Jahre verstorbene Schäfer Josef Dreker (vulgo Schafestoffels) vermachte laut Testament der hiesigen Kirchengemeinde sein sämmtliches Grundvermögen in einer Größe von 1 Ht. 32 ar 570 m. (Quadratmeter).
Die Einnahmen der Gemeindekasse betrugen 4.580.983.253.729.566,59 M.
Die Ausgaben " " " 5.472.338.208.461.763,01 M.
Vorschuß: 891.354.954.732.196,46 M. gleich 891,35 M.

Der Vorsteher Die Gemeindeverordneten

Günther Rosenkranz Waldeyer
Bunte Tölle
Schäfers