1927

Januar
Das neue Jahr begann mit Regen und endete mit rechlichem Schneefall.

Februar
In der ersten Hälfte des Monats schmolz der gefallene Schnee und dem folgte gute Witterung.

März
Die Witterung war durchweg zufrieden stellend, sodaß in der zweiten Hälfte mit der Frühjahrsbestellung begonnen werden konnte.

April
Die Frühjahrsbestellung wurde trotz viele(r) Unterbrechung bis zum Ende dieses Monat(s) zuende geführt.

Mai
Der Mai war außerordentlich kalt und unfreundlich. Die gesamte Obstblüte erfror. Gemeindediener Joseph Jostes schied am 1. Mai aus seinem Amte aus.

Juni
Die Witterung in der ersten Hälfte war gut, sodaß die Hackfrüchte bei weniger Arbeit in guten Zustand gesetzt werden konnten. Ein Teil des Weges nach Amerungen und Battenberge wurden neu Chaussi(e)rt. Ende des Monats wurde mit der Heuernte begonnen und mit ihr ein anhaltender Regen, der fiel Heu der Fütterung unbrauchbar machte.

Juli
Die Heuernte nahm ihren Fortgang. Die Witterung war mit Ausnahme von einigen heißen Tagen regnerisch.

August
Der größte Teil der Winterfrucht konnte zwar bei gutem Wetter eingebracht werden, doch war das Druschergebnis recht ungünstig, da (der) dieselbe eine schlechte Blütezeit gehabt hatte. In der Kirche wurde die Bedielung unter den Bänken erneuert. Ebenfalls wurde die seit einigen Jahren defekte Kirchenuhr aus dem Jahre 1883 repariert. Am 28. August ging die Lehrerin Hüttemann von Holtheim nach Essentho. An ihre Stelle trat die Lehrerin Maria Köhler aus Büren.

September
Wegen der Spätfröste gab es in diesen Jahre wenig Obst, weil die Blüten im Frühjahr durch Fröste vernichtet waren. In der Zeit vom 26. bis 28. September fanden in hiesiger Gegend zum erstenmale seid dem Kriege größere Manöver statt, weshalb unser Ort wiederholt mit starker Einquartierung belegt wurde.

Oktober
Die Aussaat des Wintergetreides konnte in diesem Jahre erst spät erfolgen. Am 5. starb der Gemeindevorsteher Günther, nachdem er seid Juli 1913 das Amt besonders in der schweren Kriegszeit vorgestanden hatte. An dessen Stelle übernahm der Stellvertretende Vorsteher Diekmann die Geschäfte und wurde im November von der Gemeindevertretung zum Vorsteher gewählt. Haumeister Gockel trat als Gemeindeverordneter für Diekmann ein.
In der Kirche wurde der Hochaltar mit einer neuen Farbfassung versehen. Ebenfalls wurde eine neue Kirchentür durch Schreinermeister Joseph Günther (Hellemeggers) hergestellt.

November
Der 12. Nov. brachte den ersten Schnee und nachfolgenden Frost. Die Fruchtpreise d. J. betrugen: pro Ct. Weizen 13 M., Roggen 13 M., Hafer 12,50 M., Wicken 10 M., Gerste 9 M. Besonders niedrig und unrentabel waren die Schweinepreise: pro Ct. Lebendgewicht wurden 48 bis 52 M. gezahlt.

Dezember
Mitte des Monats hatten wir Schnee und starken Frost. In der Nacht vom 16. zum 17. fiel das Thermometer auf mehr als -20 Grad, die Weihnachtstage dagegen brachten Regenwetter. Von April ist noch nachzutragen: Der bisherige Vikar Ahrens wurde wegen Altersschwäche in den Ruhestand versetzt und (wir) erhielten in der Person des Herrn Leineweber einen Nachfolger. Pfarrvikar Karl Leineweber war geboren 1889 in Berlin-Schöneberg und war vorher tätig in Friedrichroda, Erfurt und Werdohl. Am 22.12. fanden sich die Gemeindevertretungen Lichtenau und Holtheim auf dem Amtsbüro in Lichtenau in der Ablösungsfrage der Bau und Kultuskosten für das Kirchspiel Lichtenau auf Antrag Holtheim auf Haftentlasung aus der Haftung zu einer Besprechung zusammen. Lichtenau forderte zu Anfang eine Entschädigung von 16000 M. Die Forderung schien Holtheim als unverschämt und (man) gab deshalb garkein Gebot ab. Herr Pfarrvikar Leineweber legte die Gründe der Gemeinde Holtheim dar und bewog deshalb die Gemeindevertretung von Lichtenau, die Forderung auf 6000 M. nachzulassen. Holtheim bot 2000 M. und erhöhte die Entschädigung auf 3.500 M.


Da sich die Gemeindevertretungen nicht einigen konnten, wurde vorgeschlagen, den Klageweg zu beschreiten.
In diesen Jahr fanden Geburten 22, Trauungen 3, Sterbefälle 11 statt. Einwohnerzahl nach der Personenstandsaufnahme v. 10.X.27: 584.
Rechnungsjahr 1927
Einnahmen: 38.579,46 M.
Ausgaben: 40.839,38 " Vorschuß: 2.259,92 M.

Holtheim, den 31. Dezember 1927

der Gemeindevorsteher Die Gemeindeverordneten

Diekmann (Nr. 20 ) Humberg Gockel
Rosenkranz Tölle
Günther Breker

Ergebnis der Viehzählung am 1. Dezember 1927:
86 Pferde, 330 St. Rindvieh, 154 Schafe, 556 Schweine, 77 Ziegen, 1574 St. Federvieh, 38 Bienenstöcke.