1928

Januar
Die Witterung im Januar war teils kalt, teils gelinde.

Februar
Der Februar brachte gelinde Witterung, sodaß die Flugarbeiten, die im Herbst nicht verrichtet werden konnten, zur Vollendung kamen.
Ab dem 13. Februar richtete die Reichspost eine Kraftpostverbindung zwischen Holtheim und Lichtenau ein. Die Wagen verkehren Montags, Mittwochs und Samstags.

März
Die Besprechungen betreffend die Ablösungsfrage Lichtenau - Holtheim wurden wieder aufgenommen. Auf Veranlassung des Vorstehers Diekmann hielt Herr Pastor Weber (aus) Lichtenau eine Kirchenvorstandssitzung, wozu auch der Kirchenvorstand von Holtheim geladen war, ab. Nach fielen Erwägungen einigte man sich auf 5000 M., die sofort bezahlt oder mit 12% verzinst werden mußten. Weil nun die Gemeinde Holtheim Geldmittel nicht zur Verfügung hatte, wurde ein Extra-Hieb von 200 fm (Festmeter) Eichen aus dem Gemeindewalde Holtheimerberge bei der Regierung beantragt, der auch genehmigt wurde. Die Eichen wurden zum Verkauf ausgesetzt und erzielten 38 M. pro fm., also einen erheblichen Überschuß. Lichtenau wurde abgefunden und die Gemeinde war somit dieser drückenden Last von jährlich 1000 M. los.

April
Die Frühjahrsbestellung nahm bei günstiger Witterung einen raschen Fortgang, doch hatten wir vom 15. bis 18. d.M. Schnee und Kälte, darauf setzte wieder milde Witterung ein bis Anfang Mai.

Mai
Am 9. und 10. Mai gab es wieder Schnee und Eis, darauf wieder schöne, milde Witterung. Der Weg zur Hart wurde in einer Länge von 180 Meter chausseemäßig ausgebaut und die Chaussee nach Kleinenberg in einer Länge von 200 Meter mit einer neuen Decklage versehen.


Juni
Die Heuernte fiel gut aus und konnte bei der trockenen Witterung schnell geborgen werden, die Kleeernte war dagegen sehr gering.

Juli
Der Juli brachte meist sehr heiße Tage in der das letzte Heu gut unter Dach und Fach gebracht werden konnte.

August
Die Roggenernte, mit der in der zweiten Augustwoche begonnen wurde, fiel gut aus, wohingegen die Weizenernte sehr zu wünschen übrig ließ, da derselbe größtenteils stark befallen war. In der letzten Hälfte des August wurde der Bau der Cement Gossen ("Mollen" genannt) von der Kirche anfangend bis zum Hause der Ww. Wrede (Nr. 81, Eggestr. 17, Haus Wegener) in Angriff genommen, dieselben wurden von Maurermeister Rosenkranz ausgeführt. Der Bau beläuft sich ungefähr auf 850 (Mark).

September
Dieser Monat brachte ständiges gutes Wetter und das Ernten war ein Vergnügen, besonders die gutgeratene Haferernte. Der Sakristeianbau, der am 16. April beschlossen war, wurde jetzt in Angriff genommen und von Herrn Maurermeister Ferd. Rosenkranz ausgeführt. Die Kosten für den Bau belaufen sich auf 2600 M., die von den erübrigten Holzkaufgelde der Eichen bestritten werden konnte. In der Kirche wurden die beiden zum Chore gehörenden Schiffenster farbig verglast. Das Fenster auf der Evangelienseite stellte die Hl. Elisabeth von Thüringen, das auf der Epistelseite den Hl. Franz Xaver dar. Jedes Fenster kostete 240 RM.

Oktober
Auch die Kartoffelnernte fiel in diesem Jahre sehr gut aus und infolge der günstigen Witterung konte die Wintersaat gut bestellt werden.

November
Der Monat November war durchaus trocken mit ausnahme weniger Tage Frost. Die Kornpreise betrugen wie folgt pro Ct. Weizen 11,50 M., Roggen 11 M., Hafer 10,50 M., Wicken 13 M., Gerste 12 M., Kartoffeln (unleserlich) M., für Schweine wurden pro Ct. Lebendgewicht 65 M. bezahlt.


Dezember
Am 8. Dezember fiel der erste Schnee auf den Frost folgte der bis Weihnachten anhielt, der erst(e) Weihnachtsfeiertag brachte Tauwetter. In diesem Jahre fanden 20 Geburten, 4 Trauungen und 6 Sterbefälle statt.


Einwohnerzahl nach der Personenstandsaufnahme 1. 10.28: 585.
Rechn.-Jahr 1928:
Einnahmen: 47.420,59 M.
Ausgaben: 49.383,13 " Vorschuß: 1.962,54 M.

Holtheim, den 31. Dezember 1928

Der Gemeindevorsteher Die Gemeindeverordneten

Diekmann Humberg Gockel
Rosenkranz Tölle
Günther Breker

Ergebnis der Viehzählung am 1. Dezember 1928:
85 Pferde, 362 St. Rindvieh, 150 Schafe, 541 Schweine, 70 Ziegen, 1.676 St. Federvieh, 26 Bienenstöcke.