1929

Januar
Während im ersten und zweiten Monatsdrittel des Januars Schnee und Eis mit Tauwetter abwechselten, setzten gegen Ende des Monats erneut Schneefall und Kälte ein.

Februar
Dieser Monat brachte den seit Jahrzehnten kältesten Winter. Wochenlang tauten die gefrorenen Fensterscheiben nicht auf. Die übelste Folge dieses starken Frostes war das gefrieren der Wasserleitungen. Die meisten Hausanschlüsse waren eingefroren, die meisten derselben tauten erst gegen mitte Mai auf, die Rohre waren größtenteils gesprungen, sodaß die Reparation nicht unerhebliche Kosten verursachte. Ende des Monats wechselte wieder Tauwetter und Frost. Das Wild kam schon in der Nähe des Dorfes, dasselbe hatte in diesem Winter gelitten wie vielleicht noch nie zuvor.

März
Der Anfang des Monats März war wie Ende des Monats Februar. Vom
8. - 10. März war sehr starkes Tauwetter, sodaß überall die Schmelzwasser brausend zu Tale stürmten. Ende des Monats war fast ständig nebeliges Wetter.

April
Der April bracht(e) wiedrum Schnee und Kälte. Gegen Mitte des Monats wurde es endlich sonnig und warm, sodaß mit den Garten- und Feldarbeiten begonnen werden konnte. Jetzt erst stellten sich die Wasserleitungsschäden voll heraus.

Mai
In den ersten Tagen dieses Monats war die Frühjahrsbestellung, ausgenommen Wicken, im allgemeinen beendet. Der Mai war sehr schön, brachte aber am 24. ein schweres Gewitter, mit sehr starken Regen u. Hagel.

Juni
Die Witterung war gut, nur vom 23. - 25. ds. Mts. hatten wir Regen und Sturm. Die Heu- und Kleeernte waren weniger gut, wegen des starken Frostes im Winter.

Juli
Im Juli hatten wir fast anhalten(d)es, trockenes Wetter.

August
Auch dieser Monat hatte gutes Erntewetter, sodaß die Ernte des Winterkornes flott von statten ging. Der Ertrag war mittelmäßig. Am 4. August brannte die Hausstelle Ziegeler (heute Ecke Kornbühl - Zum Brunnen) ab.

September
Wie der Winter Schnee- und Kältereich, so war der Sommer warm und trocken. Hier und da entstand Wassernot infolge der anhaltenden Dürre. Die Haferernte fiel gut aus, desgl. die Obsternte.

Oktober
Die Kartoffelnernte fiel im allgemeinen gut aus. Zur Herbstbestellung hatte der Landwirt sehr günstiges Wetter.

November
Es herrschte milde(s) und trockenes Wetter. Am 17. ds. Mts. fanden in Preußen die Kommunalwahlen statt. Es wurden vier Wahlvorschläge eingereicht, darunter auch ein Wahlvorschlag mit Frauen. Als Gem.(einde) Verord(nete) wurden gewählt:
Wahlvorschlag I: Rosenkranz, Breker, Günther, Gockel und Beseler.
Wahlvorschlag II: Schäfers. Wahlvorschlag III. war seitens des Wahlausschusses für ungültig erklärt. Wahlvorschlag IV., Frauenvorschlag, erhielt nur 18 Stimmen, kam also nicht in betragt. Als Vorsteher wurde (Ferdinand) Diekmann (Nr. 20, Zum Brunnen1) wieder gewählt.
Am 1. November wurde die Poststelle vom Hause Wegener Nr. 81 (Eggestraße 17) zum Hause Bunte Nr. 68 (Zum Kornbühl1) verlegt. Im Wegenerschen Hause befanden sich außerdem noch eine Gastwirtschaft und ein Kolonialwarenladen. Im Garten befand sich eine Kegelbahn, das "Kegelhäuschen" auf der Ecke zu Schäfers (Grafs) Wirtschaft ist noch bekannt. Der mit Frau Thea Wegener verheiratete Tierarzt Dr. Leonhard Latzel war der letzte Bewohner. Nach dem Tode der Eheleute Latzel war das Haus vermietet. Anfang der 1970er Jahre kaufte es Hermann Wittlage, ließ es abreißen und baute einen neuen Kolonialwarenladen an die Stelle. Seine Erben veräußerten die Hausstelle 1998 an die Familie Hampel.

Dezember
Dieser Monat brachte Schnee, welcher aber nicht lange anhielt, weil sich Frost und Tauwetter abwechselten. In diesem Jahre fanden 13 Geburten, 3 Trauungen, 4 Sterbefälle statt.
Einwohnerzahl nach der Personenstandsaufnahme, 10.X.29: 579.
Rechnung(s)lage für 1929. Einnahme 46.624,72 M
Ausgabe 40.817,36 " Bestand 5.807,36 M.
Das Ergebnis der Viehzählung 1929. 88 Pferde, 367 Rindvieh, 536 Schweine, 121 Schafe, 68 Ziegen, 1.771 Federvieh, 28 Bienenstöcke, 9 Kaninchen.

Holtheim, den 31. Dezember 1929

Der Vorsteher Die Gemeindeverordneten

Diekmann Beseler Rosenkranz
Schäfers Breker
Günther Gockel