1930
Januar
Die Witterung war durchweg gelinde.
Februar
Die gelinde Witterung hielt auch in diesen Monate an, doch trug die Erde größtenteils
eine Schneedecke.
März
Der Anfang dieses Monat(es) war trübe und regnerisch, doch konnte um die
Mitte des selben mit der Hafer-Ausaat begonnen und schon in diesem Monat fertig
gestellt werden.
April
Dieser Monat war zu Anfang sehr unbeständig, um die Mitte desselben wurde
die Witterung besser, ja sogar trocken, (unleserlich) die noch zurückgestellte
Sommersaat rechtzeitig bestellt werden konnte.
Auf Anlaß des hiesigen Kriegervereins wurde die (Errichtung) eines Krieger-Ehrenmal(es)
beschlossen. Der Preis desselben stellte sich auf 2.550 M. Durch Sammlungen
wurden die Kosten von den Einwohnern der Gemeinde aufgebracht. Die Gemeinde
selbst stiftete einen Betrag von 500 M. Mit der Herstellung wurde der Bildhauer
Ernst (aus) Lichtenau beauftragt, welcher das Ehrenmal zu der größten
Zufriedenheit der Einwohner hergestellt hat. Die Hand- und Spanndienste wurden
von den Gemeindeeingesessenen unentgeldlich verrichtet, was den Kostenaufwand
wesendlich verringerte. Die Mauerarbeiten führte der Maurermeister Ferd.
Rosenkranz aus.
Mai
Der Monat war als ein besonders trockener zu bezeichnen, sodaß die schon
aufgegangene Saat überaus nach Regen verlangte. Die Winterfrucht stand
infolge des gelinden Winters sogar sehr gut, sodaß schon im Mai mit Lagerfrucht
gerechnet werden konnte.
Juni
Die Heu- und Kleeernte fiel gut aus und konnte infolge der trockenen Witterung
meist ohne den geringsten Regen eingebracht werden.
Juli
Die Trockenheit hielt auch in diesem Monate an, sodaß das noch einzubringende
Heu auch ohne jeden Regen eingebracht werden konnte. Unter der großen
Dürre hatte der Hafer, aber ganz besonders die Wicken auf den steinigten
Böden zu leiden, teilweise mußten die Wicken sogar umgeackert werden,
denn der Untergrund hatte seid den starken Frost 1928 - 29 kein Wasser erhalten,
deshalb die große Trockenheit.
August
Anfangs dieses Monats setzte ein Regenperiode ein, die den größten
Teil der Roggenernte in Gefahr brachte. Um die Mitte des Monats setzte schönes
Wetter ein, sodaß die gesammte Ernte noch in diesen Monate beendet werden
konnte.
Am 10. August wurde das Krieger-Ehrenmal mit großer Feier enthüllt.
Drei Musikkapel(l)en gaben der Feier den nötigen Klang und ein glanzvolles
Aussehen, die Feuerwehrkappel(l)e von Paderborn, Kappel(l)e von Atteln und Husen.
Eine klangvolle Begrüßungsrede wurde von unsern Herrn Lehrer Nutt
gehalten. Zu dieser Feier waren aus der Umgebung sieben Vereine geladen und
auch erschienen. Jeder der Vereine legte am Ehrenmal einen zu diesem Zwecke
eigens hergestellten Kranz nieder. Außerdem wurde von den Angehörigen
der Gefallenen und der Gemeinde je einen Kranz gestiftet. Die Festrede hielt
der Franziskanerpater Romanus aus Paderborn, der selbst den Weltkrieg mitgemacht
und deshalb treffliche Worte genug fand, um das Dulden und Leiden deren Namen
in den Stein gemeiselten Helden den in Spannunggehaltenen umstehenden klar zu
legen. Die Namen der Gefallenen wurden unter jemaliges Anschlagen der Glocke
vorgelesen. Hierauf übernahm die Gemeinde das Ehrenmal für immer in
Pflege und Unterhaltung. Sodann wurde die Feier geschlossen und der Zug setzte
sich noch dem Kriegerzelt in Bewegung, wo noch eine kleine gemütliche Nachfeier
stattfand.
September
Der größte Teil dieses Monats war regnerisch. Die Kartoffelnernte
gestaltete sich in folge des unbeständigen Wetters sehr schwierig. Die
Kartoffelnfäule nahm in folge der nassen Witterung stark zu.
Oktober
Die Winteraussaat stellte sich bei der nassen Witterung sehr ungünstig
und konnte daher erst in der letzten Hälfte des Oktober bei trockener Witterung
beendet werden.
November
Der Monat November war überaus unbeständig u. regnerisch. Die Kornpreise
betrugen für Roggen 7,50 M., Weizen 11 M., Hafer 8 M., Gerste 9 M. je Ct.;
für Schweine wurden pro (unleserlich, wohl Pfund) Lebendgewicht 58 - 60
Pg. gezahlt. Sämmtliche Winterfrucht hatte sich gut bestockt. Die Feldmäuse
traten aber so stark auf, das die meisten Roggenfelder trotz legen von Gift
stark abgefressen wurden. Auch der junge Klee litt stark unter der ungewöhnlichten
starken Mäuseplage.
Dezember
Das Wetter war durchweg regnerisch mit Ausnahme einiger Frosttage. In diesem
Jahre fanden 19 Geburten, 5 Trauungen, 6 Sterbefälle statt.
Einwohnerzahl nach der Personenstandsaufnahme vom 10.X.30: 608.
Die Einnahme der Gemeindekasse bestand aus 42.989,83 RM.
Die Ausgabe " " " " 35.842,87 "
Das Ergebnis der Viehzählung am 1. Dez. 1930: 86 Pferde, 383 Rindvieh,
765 Schweine, 156 Schafe, 68 Ziegen, 1994 Federvieh, 30 Bienenstöcke.
Holtheim, den 31. Dez. 1930
Der Gemeindevorsteher Die Gemeindeverordneten
Ferdinand Diekmann (Nr. 20) Beseler (Nr.9) Rosenkranz
Schäfers (Nr. 45) Breker (Nr. 69)
Günther (Nr.13) Gockel (Nr. 95)