1932

Januar
Die Witterung war verhältnismäßig gelinde und warm, sodaß die Winterfrucht, Wiesen u. Weiden ein besonders wüchsiges Ansehen hatten.

Februar
Die Witterungsverhältnisse waren anfangs milde, endete jedoch mit Frostwetter u. Schneefall.

März
Dieser Monat fing an mit Frost und Schnee, sodaß erst gegen Ende des Monats mit der Ackerbestellung begonnen werden konnte.

April
Das Wetter war zu Anfang so regnerisch, daß die Feldarbeiten eingestellt werden mußten und erst gegen die Mitte des Monats wieder aufgenommen werden konnten. Am 13. verließ uns Herr Pfarrvikar Leineweber nach einer 5 jährigen segensreichen Tätigkeit, derselbe wurde zum Pfarrer von Adersleben (bei Halberstadt) ernannt. Die Stelle bleibt bis zum 3. Mai unbesetzt, während dieser Zeit wurden uns 4 Geistliche zugewiesen, der eine hatte viel, der andere weniger auszusetzen, was von den Einwohnern aufs schmerzlichste empfunden wurde. Unter anderem war einem der designierten Nachfolger das Pfarrhaus zu feucht gewesen. Wenn man bedenkt, daß die "Vikarie" noch zu den besten Gebäuden im Orte zählte, kann man den Unmut der Leute verstehen.

Mai
Am 3. Mai endlich nach drei wöchendlichen wartens, wurde die Stelle durch den Herrn Siminarpriester (müßte heißen: Seminarpriester) Zborala besetzt. Pfarrvikar Franz Zborala war gebürtig aus Wattenscheid und erst kurz zuvor, am 12. März 1932, zum Priester geweiht worden.
Die Witterung war sehr trocken. In der letzten Hälfte wurde beschlossen, die Dorfstraße in einer Länge von 250 Meter neu auszubauen und zu chaussieren. Da nun der größte Teil der Arbeiter arbeitslos waren, wurde der Gemeinde auf Antrag vom Arbeitsamt Paderborn ein Zuschuß von 2,40 M. pro Mann und Tag bewilligt. Die Arbeiten wurden öffentlich ausgeschrieben und der Arbeiter Josef Knaup mit dessen Ausführung beauftragt.


Juni Juli
Die Witterung der beiden Monate waren überaus trocken, sodaß die Klee- u. Heuernte ohne den geringsten Regen eingebracht werden konnte. Die Sommerfrucht auf den Steinigten(?) Böden, blieb derart zurück, daß dieselbe stellenweise verdorrte. Am 5. Juni fand das Sängerbundesfest der Sängervereinigung des Eggegebirges in Holtheim statt. 1800 Gäste waren laut Pressebericht in der Gemeinde zu Gast. Der MGV Holtheim weihte bei dem Fest seine noch heute (1999) vorhandene Fahne ein. Männergesangvereine aus folgenden Orten traten beim Fest mit Gesangsbeiträgen auf: Kleinenberg, Nörde, Ossendorf, Eintracht Rimbeck, Liedertafel Rimbeck, Scherfede, Willebadessen, Bonenburg und Dalheim. Das Fest verlief harmonisch.

August
Zu Anfangs dieses Monats kam der langersehnte Regen, der besonders den Hackfrüchten großen Nutzen brachte. Das Winterkorn, daß gut geraten war, wurde geschnitten und gut eingebracht. Am 12. brannte das Haus des Joh. Hüneke (Nr. 16, Zum Brunnen 6, vulgo Kreuers) bis auf das mas(s)ive Mauerwerk nieder. Die Brandursache ist nicht geklärt. Die Ernte wurde bis auf weniges in diesem Monat beendet. Im Monat August war auch Einquartierung von Militär in Holtheim.

September
Im Anfang war die Witterung trocken. Am 10. trat einige Tage Regenwetter ein, sodaß mit der Herbstaussaat begonnen werden konnte.

Oktober
Mit der Kartoffelernte, die als mittel bezeichnet werden kann, wurde begonnen und dieselbe bei trockenen Wetter gut eingebracht. Die Roggen- u. Gersteernte fiel gut aus, die Haferernte dagegen wegen des außergewöhnlichen trocken(nen) Sommers spärlich.

November
Die Witterung war größtenteils noch gut, sodaß die Feldarbeiten in der Haubtsache beendet werden konnte(n). Die Witterung war der Winterfrucht besonders günstig, dieselbe hatte sich sehr gut bestockt. Der Weizen kostete 10 M., der Roggen 8,50 M., der Hafer 7,50 M., die Schweine 30 - 35 M. pro ct.


Dezember
Die Witterung war durchweg als günstiges Winterwetter zu bezeichnen. Am 17. brannte das Haus der Ww. (Witwe) Dreker (Nr. 21, Eggestraße 12, vulgo Schmees) bis auf die Grundmauern nieder. Als Brandursache kam die Elektrische Leitung infrage.
In diesem Jahre fanden 18 Geburten, - Trauungen, 3 Sterbefälle statt. Einwohnerzahl nach der Personenstandsaufnahme vom 10.X.32: 622.
Die Einnahme der Gemeindekasse betrug im Rechnungsjahr 1931
44.295,78 RM., die Ausgabe 38.475,89 RM. Bestand 5.819,89 RM.
Am 1. Dezember fand die Al(l)gemeine Viehzählung statt. Es wurden gezählt: 90 Pferde, 412 Rindvieh, 778 Schweine, 122 Schafe, 37 Ziegen, 201 Gänse, 1.440 Hühner, 35 Enten, 23 Bienenstöcke.

Holtheim, den 31. Dezember 1932

Der Vorsteher Die Gemeindeverordneten

Diekmann(Nr. 20) Günther (Nr. 13) Diederichs (Nr. 70)
Günther (Nr. 31) Junker
Knievel (Nr. 103, Eggestr. 25, vulgo Spissens)
Gockel

Die in der Chronik nicht aufgeführten, aber nicht uninteressanten Wahlergebnisse von 1932 sollen hier kurz aufgeführt werden.
Am 13. März war die Wahl des Reichspräsidenten. Die Stimmen verteilten sich wie folgt:
Paul von Hindenburg (Deutschnationale Volkspartei): 237 Stimmen.
Ernst Thälmann (Kommunist): 35 Stimmen.
Adolf Hitler (NSDAP): 10 Stimmen.
Theodor Düsterberg (Stahlhelm): 1 Stimme.
Adolf Gustav Winter (unbedeutend, zum Wahlzeitpunkt inhaftiert): 0 Stimmen.
Aus der Stichwahl am 10. April ging Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg als Reichspräsident hervor.

Bei der Reichstagswahl am 31. Juli ergab sich folgende Stimmenverteilung in Holtheim:
Zentrum 178, SPD 35, KPD 21, NSDAP 5, Volksrecht-Partei 1, Landwirte, Haus- u. Grundbesitzer 1 Stimme, Erwerbslosenfront und Sozialist. Arbeiterpartei ebenfalls je eine Stimme. Wahlberechtigt waren 323.

Bei derReichstagswahl am am 6. November sah die Stimmenverteilung folgendermaßen aus:
Zentrum 197, KPD 47, SPD 33, Landvolk 7, NSDAP 5, Staatspartei eine Stimme.