1933
Januar
Die Witterung des neuen Jahres war milde, doch regnerisch. Gegen Ende des Monats
trat starker Frost ein, jedoch nur von kurzer Dauer. Am 30. dieses Monats berief
der Reichspräsident Feldmarschall von Hindenburg den Begründer und
Führer des Nationalsozialismus, Adolf Hitler, zum Reichskanzler und bildete
auf dessen Vorschläge die neue Regierung. (...) Es fanden im ganzen Reich
Feiern statt.
Februar
Am 4. Februar war heftiger Sturm mit starken Niederschlägen zu verzeichnen.
Gegen Ende trat Schneefall ein.
März
Zu Anfang März trat Tauwetter ein. Am 5. März fand eine neue Reichs-
und Landtagswahl statt. Wegen des großen Sieges in dieser Wahl der N.S.D.A.P.
war im Reiche am 8. März schulfrei. Am 12. März fanden die Kommunalwahlen
statt. Zur Amtsvertretung wurde neben den Vorsteher der Arbeiter Josef Knaup
gewählt. Zur Gemeindevertretung wurde gewählt der frühere Gem.(einde)
Verordnete Ant. Günther 31 (vulgo Kürlemeggers, Mitteldorfstr. 15),
ferner Joh. Kniewel (vulgo Spissens, Nr. 103, Eggestr. 25), Herm. Diederichs
(Nr. 70, Annenweg 15), Bernh. Gockel (Nr. 112, Eggestr 45), Joh. Junker (Nr.
73, Eggestr. 20) und Josef Günther (vulgo Hellemeggers, Nr. 13, Zum Brunnen
8). Letzterer wurde dann von der Gemeindevertretung zum Vorsteher gewählt.
Es trat somit der Arbeiter Ant. Meier (vulgo Langenbeckers, Nr. 79, Eggestr.
22) für denselben in die Gem. Vertretung ein. Am 12. März erschien
der neue Flaggenerlaß, wonach dann die schwarz - weiß - rote und
die Hakenkreuzflagge zu hissen waren. Am 21. März trat dann der neue Reichstag
wegen des Reichstagsgebäudebrandes im Februar in Potsdam zusammen. Dieser
Tag wurde im allgemeinen als Nationalfeiertag begangen.
April
Das neue Schuljahr begann bereits am 1. April. Die Witterung war u. a. gut,
sodaß die Frühjahrsbestellung in diesem Monat beendet werden konnte.
Mai
Die neue Regierung erhob den 1. Mai zum Nationalfeiertag. Überall wurde
geflaggt. Das Wetter war in diesem Monat gut.
1933, Juni
Am 16. Juni fand eine Volks- und Betriebszählung statt, dieselbe hatte
folgendes Ergebnis. Haushaltungen 107. Landwirtschaftliche Betriebe 96. Gewerbebetriebe
9, Einwohner: männl. 328, weibl. 308. Das letzte Drittel dieses Monats
war ziemlich regnerisch.
Juli
Bei schönem Wetter konnte die Heuernte gut eingebracht werden. Der Ertrag
war gut. Gegen Ende des Monats war große Hitze. Die Gerstenernte fiel
gut aus. Kirche, Schule und Vikarie wurden in diesem Sommer mit einem neuen
Außenanstrich versehen.
August
Der Monat August hatte auch gutes Wetter ziemlich heiß zu verzeichnen.
Am Ende des Monats war die Roggenernte bereits beendet. Die Haferernte war bereits
im vollen Gange. In den Monaten Juli August September und Oktober wurden von
der Gemeinde größere Wegebauten ausgeführt, unter andern wurde
der Weg vom niedern Brunnen bis am Ende des Holtheimerberg neu chaussiert. der
Weg von Holtheim nach Marschallshagen wurde bis zur zweiten Kurve unter dem
Lipsberg mit einer neuen Decklage versehen. Im Dorfe wurden die Wege vom Garten
der Witwe Wrede (vulgo Wegeners, Nr. 81, Eggestr. 17) bis zum Hause des Johann
Hillebrand (Nr. 35, Schulstr. 5) und der Weg zwischen dem Hause des Gastwirt
Josef Schäfers (vulgo Grafs, Nr. 22, Eggestr. 15) und dem Garten des Anton
Buschmeiers (vulgo Soppmeggers, Nr. 39, Schulstr. 1) mit einer neuen Decklage
versehen.
September
Mitte September war die gesamte Ernte infolge des guten Wetters beendet. Vom
Obst lieferten Birnen und Pflaumen die größten Eträge.
Oktober
Am 1. Oktober war am Bückeberg bei Hameln eine große Bauernkundgebung
in Anwesenheit des Führers Adolf Hitler. Auch begannen im Oktober die Sammelungen
für das Winterhilfswerk. Es wurden gesammelt Getreide, Kartoffeln, auch
Geld fürs Eintopfgericht. Die Sammelungen hatten in der Gemeinde ein sehr
gutes Ergebnis, denn die Gemeinde Holtheim stand im Amtsbezirk Lichtenau mit
an erster Stelle.
November
Am 12. November fand eine erneute Reichstagswahl und gleichzeitig eine Volksabstimmung
statt. Etwa 95% der Wahlberechtigten stimmten für einen nationalsozialistischen
Reichstag und für die nationale Regierung. Die Wahlbeteiligung war sehr
groß. Das Wetter war größtenteils regnerisch.
Dezember
Von Anfang Dezember bis Weihnachten hatten wir starken Frost mit Schnee. Weihnachten
trat Tauwetter mit Glatteis ein. Schreinermeister Günther (vulgo Hellemeggers)
lieferte für die Kirche neue Bänke, die ab dem 22.12. aufgestellt
wurden. Pro Bank fielen Kosten von rund 42 RM an, die Kosten wurden durch eine
Kollekte und einen Zuschuß der politischen Gemeinde gedeckt. Die Bänke
stehen noch heute (2001) auf der Orgelbühne und in der Krypta der neuen
Kirche.
Getreide - pp. Preise:
(Hier ist eine Lücke gelassen, Einträge sind aber nicht erfolgt.)
Die jährliche Viehzählung hatte folgendes Ergebnis.
Pferde: 94, Rindvieh: 426, Schweine: 814, Ziegen: 32, Schafe: 143 (Zahl eindeutig
zu niedrig, es waren bedeutend mehr!), Gänse: 240, Enten: 42, Hühner:
1140, Tauben: 101, Bienenvölker: 37.
Es wurden in diesem Jahre geboren: 9 gestorben: 5
Eheschließungen: 5.
Die Gemeindekasse schloß im Rechnungsjahr 1933 wie folgt ab.
Einnahme, 36.771,85 RM
Ausgabe, 32.502,91 "
Bestand, 4.268,94 "
Personenstandaufnahme am 10.X. 1933: 631 Personen.
Holtheim, d. 31.12.1933
Die Gemeinderäte: der (?) Gem. Vorsteher
Gockel Günther
Meyer
Kniewel
Junker
Diederichs
Günther
Knaup