1934
Januar
Zu Beginn des neuen Jahres wurde in ganz Deutschland geflaggt. Mit dem 1. Januar 1934 treten die jeweiligen Ortsleiter (Stützpunktleiter) d. N.S.D.A.P. und der rangältesten Führer der S.A. zu den Gemeinderäten, in Holtheim der Berginvalide Hugo Paas und Aloys Schäfers 22 (vulgo Grafs). Das Wetter war in diesem Monat verhältnismäßig mild.

Februar
Zu Anfang des Monats ist starker Schneefall zu verzeichnen, dann folgte gelinde Witterung.

März
Am 21. März war der große Kampftag der Arbeitsschlacht. Eine Rede des Führers wurde durch den Rundfunk übertragen. Die Witterung war in diesem Monat sehr gelinde.

April
In diesem Monat war die Witterung verhältnismäßig sehr warm, sodaß in diesem Monat die Frühjahrsbestellung vollständig erledigt wurde.

Mai
Der 1. ds. Mts. wurde wieder wie im vergangenen Jahre als Nationalfeiertag festlich begangen. Nach einem schönen Zug durch die Gemeinde wurde in der Kriegerhalle (die alte Halle gehörte dem Kriegerverein und stand an der gleichen Stelle wie die heutige, 1953/54 erbaute Gemeindehalle) die Feier fortgesetzt. Das Wetter war Anfangs des Monats sehr warm, dann wurde es sehr kalt, sodaß teilweise Kartoffeln u. Gemüse erfroren, dann wurde das Wetter unfreundlicher.

Juni
Im Laufe dieses Monats setzte hier eine Trockenperiode ein. Am 4. ds. Mts. fand hier eine Schweinezählung statt. Die Zählung ergab einen Schweinebestand von 699 Stück. Ebenso fand eine Getreideanbauflächenerhebung statt. Das Ergebnis war 45,30 ha Weizen u. Weizenkorn, 34,28 ha Roggen, 40,61 ha Gerste und 123,38 ha Hafer. Heu und Rotkleeernte fielen gut aus. Das Wiesenheu stand aber allgemein sehr dünn. Am 28. Juni, dem Erinnerungstage des Abschlußes des Versail(l)er Vertrages wurde überall auf Halbmast geflaggt.

Juli
Das Wetter war im Laufe dieses Monats ebenfalls sehr heiß und trocken, sodaß bereits Mitte ds. Mts. mit der Roggenernte begonnen werden konnte. Die Gerstenernte lieferte durchschnittlich einen guten Erfolg. In den tiefgelegenen Feldern war die Gerste jedoch viel von dem im Mai ds. Jahres eintretenden Frostes verfroren.

August
Am 2. ds. Mts. starb der Generalfeldmarschall und Reichspräsident von Hindenburg, es waren an diesem Tage 20 Jahre als 1914 die Mobilmachung bekannt gegeben wurde. Eine tiefe Trauer erfaßte alle Deutschen. Die Beisetzungsfeierlichkeiten fanden am 7. August im Hindenburgturm des Tannenbergdenkmals (in Ostpreußen) statt. In den Schulen fand eine Gedenkfeier für den Vater des Vaterlandes statt. Der Tod dieses großen Deutschen wurde in ganz Deutschland aufrichtig betrauert. Es wurde 8 Tage Halbmast geflaggt und von den Türmen der Kirchen erklang dumpfes Trauergeläut.
Am 3. ds. Monats wurde auch Adolf Hitler Führer des deutschen Volkes. Der Volksentscheid am 14. August ergab, daß über 90% des Volkes dafür war, daß das Amt des Präsidenten und Reichskanzlers von Adolf Hitler ausgeübt würde. Die Abstimmung in Holtheim ergab 301 Ja und 17 Nein Stimmen. Die Trockenheit hielt auch in diesem Monat noch an. Mitte des Monats war die Ernte bereits beendet. Die Roggenernte fiel gut aus, die Haferernte mittelmäßig. Im Allgemeinen war man mit der Ernte gut zufrieden.

September
Am 4. September fand eine allgemeine Schweinezählung statt. Das Ergebnis war folgendes: Gesamtbestand 783 Schweine. Am 30. ds. Mts. fand die 2. Reichsbauernversammlung am Bückeberg bei Hameln statt. Das Wetter war immer noch sehr trocken und heiß.

Oktober
Infolge der großen Trockenheit herrschte hier eine große Mäuseplage, es wurde von allen Seiten auf das Legen von Gift in der Feldflur hingewirkt, dieses wurde auch von sämtl. Bauern und Landwirten befolgt. Am 1. ds. Mts. setzte auch wieder das Winterhilfswerk des deutschen Volkes ein. Ortsgruppenamtsleiter bzw. Zellenleiter ist der Lehrer Nutt. Der hiesige Ort wurde ab 1. ds. Mts. als selbständige Ortsgruppe aufgelöst und der Ortsgruppe Lichtenau angeschlossen. Am 7. ds. Mts. wurde im hiesigen Ort das Bauernfest gefeiert. Am Nachmittage durchzog ein Festzug die Straßen unseres Dorfes. Am Abend versammelten sich die Bürger dann in den beiden Wirtschaften, wo der Festtag unter großer Freude u. Tanz sein Ende nahm.

November
Es wurde gezahlt für je 1 Ztr. Weizen 9,75, Roggen 8,20, Hafer 8,30, Kleeheu 5,- und Wicken 15 R.Mrk. Kartoffeln kosteten je Ztr. 3,- R.Mrk.

Dezember
Am 5. ds. Mts. fand die allgemeine Viehzählung statt. Es wurden gezählt, 86 Pferde, 453 Stck. Rindvieh, 837 Schweine, 24 Ziegen, 152 Schafe (es waren entschieden mehr Schafe als hier angegeben im Dorf!), 32 Kaninchen, 247 Gänse, 38 Enten, 1494 Hühner und 25 Bienenvölker. Im Laufe dieses Monats wurden auch die neuen von dem Herrn Landrat in Büren berufenen Gemeindeältesten eingeführt. Es sind dies 1. Bauer Anton Günther 31 (vulgo Kürlemeggers). 2. Bauer Ferdinand Diekmann (Nr. 20, Zum Brunnen 1). 3. Waldarbeiter Anton Meyer 79 (vulgo Langenbeckers). 4. Waldarbeiter Bernhard Gockel (Nr. 112, Eggestr. 45). 5. Berginvalide Hugo Paas (wohnte in der sog. "Flöte". Das nach 1960 abgebrochene Häuschen stand zwischen den Häusern Bunte und Flore auf der Drüft, heute Eggestraße) (Örtl.) Leiter der N.S.D.A.P. und 6. Aloys Schäfers 22 (vulgo Grafs) (Rangältester Führer der S.A.) Der Winter war bis Ende des Monats Dezember immer noch sehr mild. Es ist bis jetzt weder Schnee noch Eis zu verzeichnen.
Die Personenstandsaufnahme am 10.10.34 ergab: 640 Einwohner, Geburten 15, Sterbefälle 3. Eheschließungen 8.
Der Abschluß der Gemeindekasse am Schluß des Rechn. Jahres 1933 war folgender.
Einnahmen: 36771,85 RM.
Ausgabe: 32502,91 "


Holtheim, d. 31. Dezember 1934

Der Gem.-Schulze Die Gemeinderäte

Günther Meyer Günther
Schaefers Gockel


Anm: Die Vorsteher der Gemeinden wurden nach der Machtübernahme für kurze Zeit als Gemeindeschulze bezeichnet, dann erst folgte die Bezeichnung Bürgermeister, die bis 1975 bestehen blieb.