1935
Januar
Bis Mitte des Monats war der Winter sehr gelinde, erst jetzt setzte Frost u.
Schnee ein. Am 13. Januar fand nach 15jähriger Trennung die Saarabstimmung
statt. Das Ergebnis war für das deutsche Vaterland ein großer Sieg.
Am 15. des Monats wurde das Ergebnis verkündet, es lautete, 40,76% für
Deutschland, 8,84% status quo, 10,40% für Frankreich. Wegen der Rückkehr
des Saargebietes zum deutschen Vaterlande fanden an allen Orten große
Freudenfeiern statt. Hier war am Abend ein großer Fackelzug.
Februar 1935
Die Zahl der Schulkinder betrug am 1. des Mts. 143. In der Nacht vom 15. zum
16. wütete hier ein orkanartiger Sturm, in den Waldungen wurde großer
Schaden angerichtet. Die Lehrerin Maria Köhler verließ Holtheim am
2.2. und trat eine Stelle in Wünnenberg an. Sie hatte seit 1927 in Holtheim
unterrichtet. Ihre Nachfolgerin wurde Frl. Maria Risse aus Büderich bei
Werl, bislang Hilfslehrerin in Entrup bei Nieheim.
März 1935
Am 1. des Monats wurde das Saargebiet endgültig dem deutschen Mutterlande
wieder übergeben und unter dessen Verwaltungshoheit gestellt. Aus Anlaß
fand eine öffentliche Schulfeier statt. Die Schweinezählung am 5.III.35
ergab 667 Stck. Anfang (des Monats) setzte wieder Frost und Schnee ein. Der
16. des Monats war für das deutsche Reich ein großer Tag, an diesem
Tage gab der Führer Adolf Hitler dem deutschen Volke die Wehrfreiheit wieder.
April 1935
Am 5. des Monats setzte sehr starker Schneefall ein, der Schnee blieb tagelang
liegen. Mitte April war das Wetter wieder gut, sodaß mit der Frühjahrsbestellung
begonnen werden konnte. In die Schule wurden am 1. April 1935 14 Kinder aufgenommen.
Mai 1935
Am 1. des Monats wurde der (unleserlich) Andreas Sievers in Lichtenau in das
Amt als Amtsehrenbürgermeister berufen, nachdem der Amtsehrenbürgermeister
Böhner die Geschäfte 18 Jahre lang geführt hatte. Das Wetter
war verhältnismäßig als gut zu bezeichnen.
Juni 1935
Am 6. u. 7. Juni fand in Lichtenau ein Luftschutzkursus statt, an dem sich auch
einige Personen von hier beteiligten. Die Schweinezählung am 4. des Monats
ergab 690 Stck.
Juli 1935
In diesem Jahre wurden die großen Ferien zum ersten Male geteilt und zwar
in Sommer- u. Herbstferien. Mit dieser Teilung war mann allgemein zufrieden.
In der letzten Juliwoche wurde hier bereits mit der Roggenernte begonnen. Am
4. Juli brannte die Hausstelle Tölle (vulgo Hottenrotts) vollständig
nieder.
August 1935
Die Ernte ging schnell voran, das Wetter war im allgemeinen gut. Das Ernteergebnis
war zufriedenstellend.
September 1935
Die Schweinezählung am 4. dieses Monats ergab 778 Stck. Das Wetter war
gut, sodaß die Ernte trocken eingebracht wurde.
Oktober 1935
Am 13. des Monats wurde hier das Erntedankfest gefeiert. Zu Anfang der Feier
war ein großer Festzug. In diesem Monat war auch die 1. Eintopfsammlung
für das Winterhilfswerk 1935/36. Das Wetter war gut.
November 1935
Für das Getreide waren Höchstpreise festgesetzt, diese betrugen in
R.Mrk. pro Ztr. Weizen: 9,90, Roggen: 8,15, Hafer: 8,10, Gerste 8,55 R.Mrk.
Für Wicken war kein Festpreis festgesetzt, diese kosteten 12 R.Mrk. Schweine
kosteten nach Lebendgewicht 48 - 51 Pfg. pro Pfund. Am 23. des Monats fiel der
erste Schnee, er war aber nur von kurzer Dauer.
Dezember 1935
Die Viehzählung am 3.12.1935 ergab: 88 Pferde, 438 Stck. Rindvieh, 833
Schweine, 190 Schafe, 22 Ziegen, 1698 Stck. Federvieh und 28 Bienenstöcke.
Die Gemeindevorsteher erhielten die amtliche Bezeichnung Bürgermeister,
die Gemeindevertreter wurden Gemeinderäte. Vertreter des Bürgermeisters
sind der 1. u. 2. Beigeordnete. In der hiesigen Gemeinde sind zu Zeit,
Bürgermeister - Josef Günther No. 13.
(Zum Brunnen 8, vulgo Hellemegers)
I. Beigeordneter - Anton Günther No. 31.
(Mitteldorfstr. 15, vulgo Kürlemeggers)
II. " - Johann Junker No. 73.
(Eggestraße 20, vulgo Dauts)
Gemeinde-Räte - Ferdinand Diekmann No. 20.
(Zum Brunnen 1)
Anton Meyer No. 79.
(Eggestraße 22, vulgo Langenbeckers)
Bernhard Gockel No. 112.
(Eggestraße 45)
und Hugo Paas No. 105.
Bei den Eintopfsammlungen und Plakettenverkäufen für
das Winterhilfswerk war der Erlös immer ein guter. Auch wurden an Obst,
Fleisch- u. Wurstwaren sehr reichlich geopfert. Die Abgabe der Landwirtschaft
zum Winterhilfswerk hatte ein Ergebnis von 30 Ctr. (Zentner) Getreide, u. 134
Ctr. Kartoffeln.
Personenstand: Einwohner 642. Geburten 18.
Sterbefälle 2. Eheschließungen 6.
Der Abschluß der Gemeindekasse im April 1935 war wie folgt,
Einnahme 40.727,33 RM.
Ausgabe 35.291,11 RM.
Bestand 5.436,22 RM.
Holtheim, d. 31. Dezember 1935.
Der Bürgermeister Die Gemeinderäte
Günther Gockel
Paas