1936
Januar
Schon zu Beginn des neuen Jahres und zwar am 10. Januar überraschte uns
ein Gewitter. Am 30. Januar wiederholte sich zum dritten Male der Tag der Machtübernahme.
Am Abend dieses Tages fand in der Gastwirtschaft Josef Schäfers (Zum weißen
Hirsch, vulgo Grafs) eine Versammlung der N.S.D.A.P. statt.
Februar
Der Monat Februar brachte Schnee und 13 - 15 Grad Kälte. Zu Ende des Monats
wurde es wieder gelinder.
März
Die Witterung im Laufe des Monats März war gelinde und brachte uns schon
wärmere Tage. Am 7. März ließ der Führer unsere Soldaten
wieder in das Rheinland einrücken (Bis dahin war das Rheinland durch den
Versailler Vertrag eine entmilitarisierte Zone und zeitweilig französisch
besetzt.) Der Empfang der Soldaten war ein herzlicher. Im ganzen deutschen Volke
fand diese Tat allgemeine Zustimmung und Freude. Ende des Monats wurde mit der
Haferbestellung begonnen. Wintergetreide brauchte in diesem Jahre nicht umgesät
werden, da das Korn durchschnittlich gut stand. Die am 2. des Monats stattgefundene
Schweinezählung ergab 704 Stück.
April
Der Monat April brachte uns zu Anfang sehr gute Tage. Am 17. d. Monats war ein
starker Schneefall zu verzeichnen. Dieser richtete in den umliegenden Wäldern
sehr großen Schaden an. Der Verkehr lag völlig still, da auch ein
Teil der Telefonmasten und Drähte nicht hatten standhalten können
und umgebrochen und zerrissen wurden. Am 29. hatte der Führer zu einer
Volksabstimmung gerufen, das Ergebnis war fast 100% für den Führer
Adolf Hitler.
In die Schule wurden 13 Kinder neu aufgenommen.
Mai
Die Witterung in diesem Monat war sehr kalt, welche auch den ganzen Monat anhielt,
so das der Wonnemonat keine Ehre einlegte. Dem Hafer fehlte der nötige
Regen. Runkelsamen mußte größtenteils umgelegt werden.
Der 1. Mai als Nationalfeiertag wurde in der hiesigen Gemeinde ehrenvoll begangen.
Juni
Das Wetter des Monats Juni war als gut zu bezeichnen. Antelle des alten Belages
aus Pflastersteinen erhielt der Mittelgang der Kirche einen solchen aus Juraplatten,
geliefert von den Westf. Marmor- und Granitwerken in Allagen (Möhne). Die
Arbeiten führte Maurermeister Ferdinand Rosenkranz aus.
Juli
Die Schweinezählung am 2. des Monats ergab 750 Stck. Die Heuernte ging
gut von statten, da das Wetter gut und warm war. Zum ersten Male waren die Sommer-
und Herbstferien getrennt. Diese Regelung erwies sich als sehr vorteilhaft.
Die Sommerferien dauerten vom 22. Juli bis zum 27. August.
August
Zu Anfang dieses Monats war die Witterung nicht besonders, welche jedoch zum
Schluß des Monats gut wurde. Die Roggen- und Haferernte war somit größtenteils
zum Schluß des Monats beendet.
September
Die Getreideernte fiel u. a. gut aus, wohl hatte die Roggenernte etwas unter
dem vielen Lagergetreide zu leiden, im allgemeinen war der Ertrag zufriedenstellend.
Im Laufe des Monats hatte unsere Gemeinde, anläßlich des Manövers
3 Tage Einquartierung, worüber sich die Kinder am meisten freuten. Die
Kartoffelernte fiel zufriedenstellend aus. Obst dagegen gab es sehr wenig.
Oktober
Der Monat Oktober brachte sehr viele Regentage, sodaß sich die Gemüseernte
schlecht gestaltete. Die für das W. H. W. (Winterhilfswerk) abgehaltene
Kartoffel- und Getreidesammlung brachte ein gutes Ergebnis. Die in der hiesigen
Gemeinde für das Winterhilfswerk 1935/36 gesammelten und geopferten Geldbeträge
und Spenden ist als reichlich zu bezeichnen, unsere Gemeinde wird bestimmt mit
an der Spitze im hies. Kreise marschieren. Die Mäuseplage war sehr groß,
sodaß sich jeder mit der Bekämpfung derselben befassen mußte,
besonders wurde der junge Klee von den Nagetieren heimgesucht. Das in diesem
Monat begangene Erntedankfest wurde am Nachmittag durch einen Festzug eingeleitet,
der Zug verlief in bester Harmonie.
November
Das Wetter war auch in diesem Monat sehr regenreich, dieses trug zu der Vertilgung
der Feldmäuse reichlich bei. Die Fest- und Höchstpreise betrugen im
November je Doppelzentner Roggen 17,10 R.Mrk., Weizen 20,30 R.Mrk., Hafer 17,10
R.Mrk., Gerste 17,10, Mengkorn 18.00 R.Mrk.,Wicken 32,00 R.Mrk. Schweinehöchstpreise
pro Zentner Lebendgewicht je nach Gewicht 51,50 R.Mrk.
Dezember
Am 1. des Monats war das Wetter sehr stürmisch, welches von einem Gewitter
begleitet wurde. Am 5. setzte Frost ein, welcher bis zum 10. anhielt, dann war
die Witterung gelinde. An den Weihnachtstagen war das Wetter sehr unfreundlich.
In die beiden alten Wandschranknischen in der Kirche (links und rechts vom Hochaltare)
wurden zwei kleine Seitenaltäre durch Schreinermeister Günther (vulgo
Hellemeggers) eingebaut. Die Kosten hierfür betrugen 110 Mark. Die Altäre
wurden mit zwei Figuren aus Stuckgips ausgestattet: Die Muttergottes auf der
Evangelienseite und das Heiligste Herz Jesu auf der Epistelseite.
Die Viehzählung am 2. Dezember ergab: 92 Pferde, 497 Stck. Rindvieh, 897
Schweine, 198 Schafe, 20 Ziegen, 194 Gänse, 1532 Hühner, 49 Enten
und 25 Bienenstöcke.
Das Ergebnis der Personenstandsaufnahme a. 10.10.1936 hatte folgendes Ergebnis:
664 Einwohner. 113 Haushaltungen.
Geburten 19. Sterbefälle 7. Eheschließungen 7.
Das Rechnungsjahr 1935 schloß wie folgt ab:
Einnahme: 37.363,56 R.Mrk.
Ausgabe: 33.850,65 R.Mrk.
Bestand: 3.512,71 R.Mrk.
Holtheim, d. 31. 12. 1936
D. Bürgermeister Die Gemeinderäte
Günther Gockel Junker