1937

Januar
Die wirtschaftliche und politische Entwickelung schreitet in unßerm Vaterlande unaufhaltsam vorwärts. Dies ist der klarste Beweis, daß unser Führer und Reichskanzler nur richtige und dem deutschen Volke dienende Entscheidungen und Anordnungen trifft.
Das Wetter war der Jahreszeit entsprechend günstig. Am 7. ds. Mts. hatten wir ein Wintergewitter. In der zweiten Monatshälfte war starker Schnee u. Frost zu verzeichnen. Am 30. Januar war ein Gemeinschaftsempfang der Führerrede am Rundfunk.

Februar
Am Anfang des Monats hat es ziemlich viel geregnet. Ende des Monats setzte wieder starker Schnee und Frost ein, sodaß zeitweise sogar der Postverkehr ruhte.

März
Anfang des Monats war das Wetter ziemlich kalt, es waren sehr viel Regentage zu verzeichnen, sodaß mit der Feldbestellung noch nicht begonnen werden konnte. Ende des Monats wurde das Wetter wieder günstiger. Die Schweinezählung am 3. März hatte ein Ergebnis von 864 Schweinen.

April
Ende des Monats März wurde das Winterhilfswerk 1936/37 abgeschlossen. Die freiwilligen Spenden überstiegen noch die des Vorjahres. Man kann wohl sagen, daß unsere Gemeinde mit zu den opferfreudigsten des Kreises Büren zählt.
Das Wetter war Anfang des Monats noch schön u. warm, sodaß mit den Feldarbeiten begonnen werden konnte, diese mußten jedoch Mitte April wieder eingestellt werden, weil das Wetter wieder umschlug.
Die in Lichtenau errichtete Molkerei wurde in Betrieb genommen, sodaß auch die Milch von hier jetzt zur Molkerei geliefert wird. Die Anfuhr der Milch wurde dem Landwirt Heinrich Menke 77. übertragen. (Kolonialwarenhandlung und Schäferei, Zum Brunnen 18. Sein Sohn Heinrich führte die Milchabfuhr später bis zur Schließung der Molkerei Lichtenau im Jahre 1970 weiter.) Am 20. April, dem Geburtstage des Führers, zeigte die Gemeinde reichen Flaggenschmuck.

Mai
Am 1. ds. Mts., dem Tage der Arbeit, war in unserer Gemeinde ein großer Umzug, woran sich alt und jung beteiligten. Nach dem Umzug war dann gemütliches Beisammensein in den beiden Wirtschaften, wo der Tag bei Musik und Tanz sein Ende nahm.
Bis zum 20. war die Witterung noch sehr unbeständig, der Hafer war jedoch restlos gesät. Am Ende war das Wetter warm u. beständig.

Juni
Der Monat Juni brachte uns gutes u. warmes Wetter, die Heuernte konnte gut und schnell erledigt werden.
Die am 3. erfolgte Schweine- u. Schafzählung hatte ein Ergebnis von 748 Schweinen und 310 Schafen.

Juli
Das Wetter im Monat Juli war warm u. trocken, sodaß mit der Gerstenernte Mitte des Monats begonnen werden konnte, das Ergebnis war ein Durchschnittsertrag. Am 21. Juli begannen die Schulferien und dauerten bis zum 25. August. In den Monaten Juni und Juli wurde die Kirche innen völlig neu ausgemalt durch Kirchenmaler Hans Weitzner aus Paderborn.

August
Da das Wetter auch im Monat August noch trocken und schön war, konnte gegen Ende des Monats mit der Roggen- und Weizenernte begonnen werden, im Anschluß hieran folgte dann gleich die Haferernte.
Der ersehnte Regen wurde uns am 12. ds. Mts. durch ein Gewitter gebracht. Durch den dann in den letzten Monatstagen einsetzenden Regen wurde die Einbringung der Ernte ziemlich erschwert, sodaß viel durchnäßtes Getreide eingefahren wurde.

September
Dieser Monat brachte entsprechend gutes Wetter, der noch nicht eingebrachte Hafer kam dann auch noch gut und trocken unter Dach.

Oktober
Das Wetter des Monats war gut, die Landwirtschaft hatte lange Jahre nicht so günstiges Wetter gehabt. Am 1. des Monats wurde die hier bestehende Hilfslehrerinnenstelle in eine planmäßige umgewandelt. Mit der Versehung dieser Stelle wurde die Lehrerin Fischer, welche bisher an der höheren Bürgerschule in Lichtenau tätig war, beauftragt.
Die Personenstandsaufnahme vom 11. ds. Mts. hatte folgendes Ergebnis: 636 röm. kth. (und) 5 evg. Sa. (Summa) 641 Einwohner.

November
Dieser Monat hatte mehr trockne wie Regentage. Die Feldarbeiten waren gegen Monatsmitte fast vollendet. Die Niederschläge waren sehr mäßig, sodaß dieselben kein Grundwasser brachten.
Am 1. ds. Mts. wurden Arnold Beseler, Ferdinand Beseler, August Leifeld und Josef Bunte zur Ableistung ihrer Dienstpflicht beim Militär eingezogen. Wilhelm Beseler mußte im Reichsarbeitsdienst eintreten. Gegen Mitte Monat trat leichter Frost ein.

Dezember
Die am 3. des Monats erfolgte Viehzählung hatte folgendes Ergebnis: 93. Pferde, 501. Rindvieh, 861. Schweine, 370. Schafe, 18. Ziegen, 1474. Hühner, 127. Gänse, 74. Enten, 25. Bienenvölker. Bemerkenswert ist, das die Schafzucht in unserer Gemeinde im Vergleich zu den Vorjahren wieder sehr erheblich gestiegen ist.
Am 10. ds. Mts. setzte starker Schneesturm ein, sodaß der Verkehr vorübergehend gesperrt war, auf der Straße nach Lichtenau wurden dann Arbeiter mit der Beseitigung der Schneewehen beauftragt, sodaß in einigen Tagen der Verkehr wieder einsetzte.
Statistik:
21. Geburten, 8. Sterbefälle, 12. Eheschließungen.
Der Abschluß der Jahresrechnung 1936 beträgt:
Einnahme: 40.416,16 R.Mrk.
Ausgabe: 36.323,70 " "
Bestand: 4.092,46 " "
An den Gemeindewegen wurden im Laufe des Jahres sehr viele Arbeiten ausgeführt, u. a. wurden der Weg neben der Schule bis zur Scheune Buschmeier (Nr. 39, Schulstraße 1, vulgo Soppenmeggers, später Lücking) mit einer neuen Decklage versehen, sowie Rinnen angelegt, desgl. beim Hause Haberhausen No. 17 (i. d. Bäckerbicke, jetzt Bekestr. 1). Ferner wurde der Weg an der Kuhweide (Eichholz) entlang bis am Mühlenberg (heutige Eggestraße in Richtung Blankenrode) mit einer neuen Decklage versehen usw.

Holtheim, d. 31. Dezember 1937

Der Bürgermeister: Die Gemeinderäte:

Günther Junker Günther
(Nr. 13, vulgo Hellemeggers)