1938

Januar
Mit Beginn des neuen Jahres hielt auch der Winter mit starkem Gefolge seinen Einzug. Bis zum 5. herrschte eine große Kälte, dann folgte feuchter Schnee und Nebel. Am 29. ging das erste Gewitter über unsern Ort nieder.

Februar
Der Anfang des Monats brachte gelindes und trübes Wetter. Vom 11. - 15. herrschten starke Schneestür(m)e. Es mußten ganze Kolonnen zum Schneewerfen eingesetzt werden. Auf der Reichsstraße wurden Raupenschlepper zwecks Weiterbeförderung der Lastzüge eingesetzt. Bis Ende des Monats herrschte dann mäßiges Frostwetter.

März
Das Wetter des Monats war als gelinde zu bezeichnen. Mit den Feldarbeiten wurde Mitte März begonnen, sodaß der Hafer Mitte des Monats größtenteils gesät war.

April
Dieser Monat brachte das sogenannte April-Wetter. Es wechselten Regen, Schneeschauer und Nachtfröste.

Mai
Vom 1. - 10. herrschte nebeliges stürmisches Regenwetter. Am 11. setzte etwas besseres Wetter ein, jedoch war es für diese Jahreszeit reichlich kalt. Durch die Nachtfröste wurde die Kernobsternte fast vollständig ausgeschlossen.
Ende des Monats trat dann auch in unserer Gemeinde, wie fast in sämtlichen Gemeinden des Kreises, die Maul- und Klauenseuche auf. Diese verursachte unter den Viehbeständen großen Schaden. Es gingen ein:
7 Kühe, 2 Rinder, 6 Kälber und ein großer Teil Schweine. Das Rindvieh mußte größtenteils aufgestallt werden, zumal auch auf den Weiden sehr wenig Futter war.

Juni
Dieser Monat brachte ziemlich kühles und trocknes Wetter. Mitte des Monats begann die Heuernte, der Ertrag war nicht zu reichlich.


Juli
Im Laufe des Monats wechselte das Wetter zwischen Regen und Sonnenschein sehr häufig. Im letzten Monatsdrittel wurde mit der Gerstenernte begonnen, der Ertrag war als gut zu bezeichnen.

August
In der ersten Monatshälfte war sehr warmes und trockenes Wetter zu verzeichnen. Vom 16. bis Ende des Monats wurde es wieder kühler. Die Einbringung der Ernte ging gut vonstatten. Mit der Haferernte war es nicht so gut bestellt, da das Wetter in den letzten Tagen nicht so gut war und öfters Regenschauer niederkamen.

September
Die ersten Tage brachten wieder sonniges warmes Wetter, der restliche Hafer wurde dann auch gut eingebracht. Der Ertrag der gesamten Körnerernte war als gut zu bezeichnen. Mit der Kartoffelernte wurde im letzten Monatsdrittel begonnen und auch größtenteils beendet. Der Ertrag ist als mittelmäßig zu bezeichnen.

Oktober
Die erste Hälfte brachte trübes regnerisches Wetter. In der zweiten Hälfte waren mehrere schöne warme Tage zu verzeichnen.
Die Herbstbestellung ging durch das schlechte Wetter in der ersten Hälfte des Monats nur langsam vonstatten, war jedoch bis Ende des Monats durchgeführt.

November
In diesem Monat war das Wetter ziemlich milde. Für die Landwirtschaft war das Wetter sehr günstig. Das spät gesäte Wintergetreide kam gut auf.

Dezember
Anfang des Monats war das Wetter trübe, regnerisch u. windig. Am 21. fiel Schnee, dieses Wetter hielt bis Monatsende an.
Die nationalen Feiertage, wie 1. Mai, Erntedankfest usw. wurden wie in den vergangenen Jahren unter großer Beteiligung der Bevölkerung abgehalten.
In dem Winterhilfswerk 1937/38 war der Opfergeist noch größer wie in den Vorjahren. Es wurden u. a. an freiwilligen Spenden aufgebracht: 29,40 Ctr. Getreide, 130 Ctr. Kartoffeln, 122 Wurstdosen. Die Eintopfsammlung brachte ein Ergebnis von 294,00 R.Mrk. Am Tage der Nationalen Solidarität wurden 122,- R.Mrk. gespendet.
Die Viehzählung am 3. Dezember 1938 hatte folgendes Ergebnis: 97 Pferde, 480 Stck. Rindvieh, 221 Schafe, 770 Schweine, 15 Ziegen, 1472 Hühner, 125 Gänse, 42 Enten und 26 Bienenstöcke.
Nach der Personenstandsaufnahme waren vorhanden: 119 Haushaltungen und 640 Einwohner.
Der Abschluß der Jahresrechnung 1937.
Einnahme 46.032,33 R.Mrk.
Ausgabe 43.457,90 " "
Bestand 2.574,43 " "

In der Politik brachte uns das Jahr 1938 sehr große Ereignisse und zwar wurde im März durch die großartige Politik und der starken Willenskraft unseres Führers Adolf Hitler zum Staunen der ganzen Welt, Österreich nach Jahrhunderter langer Trennung wieder dem deutschen Mutterlande einverleibt. Im September wurden dann auch die 3 1/2 Millionen Sudetendeutsche, die durch den Schandvertrag von Versailles gegen ihren Willen, 20 Jahre lang, unter der Herrschaft der Tschechen standen, dem deutschen Volke wieder zurückgeführt. Diese Zurückführung erfolgte auf Grund einer Verhandlung durch Hitler, Mussolini (Italien), Chamberlain (England) und Daladier (Frankreich,) welche in München stattfand. (...)
Schon am 1. Oktober marschierten deutsche Truppen in die Sudetendeutsche Gebiete ein; das ganze Volk atmete erleichtert auf, da nun endlich die Kriegsgefahr, welche so schwer am Horizont hing, beseitigt war.
Am 7. September schoß ein polnischer Jude den deutschen Gesandschaftsrat von Rath in der deutschen Botschaft in Paris nieder. (...)
Wegebauarbeiten wurden im laufe des Jahres an folgenden Gemeindewegen ausgeführt.
Der Weg vom Hause des Josef Schlender No. 67 (Annenweg 25) bis zum Niedernbrunnen wurde mit einer neuen Decklage versehen, desgleichen der Weg vom Hochbehälter bis zur Kleinenberger Gemarkungsgrenze am Mühlenweg. Die Wegebaukosten betrugen 3281,48 R.Mark.

Holtheim, d. 31. Dezember 1938

Der Bürgermeister Die Gemeinderäte

Günther Meyer
Junker