1939

Januar
Am 24. Januar wurde der Invalide Andreas Fromme Haus No. 63 (heute Kleinenberger Str. 1) im sogenannten Wiebusch tot aufgefunden, er stand im 71. Lebensjahre.
Das Wetter zu Anfang des Jahres wechselte mit Regen, Schnee, Glatteis u. Tauwetter. Am 3. des Monats setzte starker Schneefall ein, welcher zu großen Verkehrsstörungen führte.

Februar
Im Monat Februar wurden thoretische und praktische Luftschutzschulung für die Hauswarte und Laienhelferinnen abgehalten.

März
Am 3. ds. Mts. erfolgte die allgemeine vierteljährige Schweinezählung, diese ergab 701 Stck. Am 21. setzte wieder starker Schneefall ein.

April
Im Anfang des Monats fand in der Schule in Lichtenau eine Filmvorführung über die Kartoffelkäferbekämpfung statt, an welcher die bestellten Kolonnenführer der hiesigen Gemeinde ebenfalls teilnahmen. Der Käfer war bereits an verschiedenen Stellen in Deutschland aufgetreten.

Mai
Am 17. Mai fand in ganz Deutschland eine Volks-, Berufs- und Betriebszählung statt. In hiesiger Gemeinde wurden gezählt: 313 männliche und 297 weibliche, zus. 610 Personen. Haushaltungslisten wurden 118 abgegeben. Das Wetter war als normal zu bezeichnen.

Juni
Die angeordnete Zählung im Juni ergab 761 Schweine und 237 Milchkühe. Das Wetter war vom 1. - 11. ziemlich warm, vom 12. - 18. wolkig und trübe. Vom 19. - 23. war trockenes Wetter, vom 24. - 26. wolkig und Gewitterregen. In diesem Monat begann auch die Suche nach dem Kartoffelkäfer. An einem bestimmten Tage jeder Woche wurde die Suchaktion wiederholt. Jede Familie hatte eine aus der Schule entlassene Person für die Suchaktion zu stellen. In hiesiger Feldmarkt wurde glücklicher Weise kein Käfer gefunden.


Juli
In diesem Monat war das Wetter durchweg trocken u. dürre.


August
Dieser Monat brachte heißes Wetter, aber auch sehr viel Gewitter. Die Winterfrucht-Ernte ging gut von statten. Auch ein Teil der Haferernte wurde in diesem Monat schon eingebracht.
Infolge der immer kritischer werdenden Lage zwischen Deutschland und Polen wurden am 26. August verschiedene Personen zum Heeresdienst einberufen, so
u. a. der Hauptlehrer Nutt, der Arbeiter Franz Schmidt 98 (Eggestr. 51, vulgo Flöts), der Schuhmacher Martin Flore (Nr. 83, Eggestr. 37) und der Bauer Josef Sander No. 3 (Zum Brunnen 21, vulgo Dickensanders). Letzterer wurde aber wegen Überzehlig(?) und seiner großen Kinderzahl (10 Stck.) einstweilen zurückgestellt. Am 28. wurden dann weiter der Arbeiter Wilh. Klemm 80 (Marschallshagen 3), der Arbeiter Franz Jostes 41b (Zur Kuhle 1, vulgo Freitags), und der Metzgermeister Josef Schlender No 67 (Annenweg 25) einberufen. Am folgenden Tage folgte die Einberufung des Schäfers Karl Hansmann No 7 (Zum Brunnen 16).

September
Dieser Monat brachte kein gutes Wetter, sodaß die restliche Haferernte nur mit Schwierigkeiten eingebracht werden konnte.
Am 1. d. Monats rückten die polnischen Truppen schon immer näher an die deutsche Grenze, morgens um 5 Uhr eröffneten sie das Feuer auf deutsches Land, insbesondere Danzig, welches sich bereits wieder vollständig zum deutschen Reich bekannt hatte. Hierauf erließ der Führer den Befehl, das Feuer zu erwiedern. Die deutschen Truppen leisteten hier ein wahres Heldenstück, denn in 18 Tagen war das polnische Heer völlig geschlagen. Der Führer weilte fast während der ganzen Kriegstage an der Front unter seinen Soldaten.
Am 3. dieses Monats erklärten England und Frankreich unserem Vaterlande den Krieg, da wir der Aufforderung, die deutschen Truppen zurückzuziehen, im Interesse unseres Vaterlandes, nicht gefolgt waren. Kurz vor Ausbruch des Krieges hatte das Deutsche Reich mit Rußland einen Nichtangriffspakt abgeschlossen, zur größten Überraschung der Westmächte. Deutschland und Rußland regelten nun in freundschaftlichen Wege die Verhältnisse im Osten. Deutschland fiel der westliche und Rußland der östliche Teil des ehemals gewesenen polnischen Staates zu. Infolge der kriegerischen Verhältnisse sah sich die Reichsregierung gezwungen, sofort eine Bezugsscheinpflicht für Spinnstoff- und Schu(h)waren einzuführen. Ferner wurden Lebensmittel-, Zucker-, Brot-, Fleisch-, Fett- u. Seifenkarten ausgegeben, sodaß ein Hamstern nicht einsetzen konnte.

Oktober
In diesem Monat war das Wetter dauernd regnerisch und trübe, sodaß die Feld-arbeiten nur langsam ausgeführt werden konnten. Infolgedessen konnte die Wintersaatbestellung erst recht spät vorgenommen werden.
Im Westen ereigneten sich infolge der kriegerischen Verwickelungen keine besondern Ereignisse. Durch den neu errichteten Westwall und die sich dort befindenden deutschen Truppen ist das deutsche Land vor dem eindringen der Feindmächte geschützt.

November
Am 8. November, am Vorabend des Gedenktages der 16 Gefallenen, weilte der Führer wie in jedem Jahr im Bürgerbräukeller in München bei seinen Getreuen alten Kämpfern. Der Führer verließ diese historische Sitzung aber früher, wie dieses gewöhnlich der Fall war. Kurz nachdem er den Bürgerbräukeller verlassen hatte, erfolgte eine große Explosion, wobei mehrere alte Kämpfer den Tod fanden. (...)
Am 22. fand hier eine Pferdemusterung statt. Es wurden in der hiesigen Gemeinde 4 Pferde sichergestellt, die im Bedarfsfalle an das Heer abgeliefert werden müssen.

Dezember
Am 4. dieses Monats fand die übliche Viehzählung statt. Es wurden gezählt: 90 Pferde, 474 Stck. Rindvieh, 922 Schweine, 389 Schafe, 11 Ziegen, 43 Bienenstöcke, 1544 Stck. Federvieh.

Allgemeines.
Der Ernteausfall für Heu u. Klee war sehr schlecht. Klee gab es überhaupt nicht, da dieser in den Wintermonaten vollständig verf(r)oren war. Gerste war auch fast vollständig verwintert, die noch verbliebene lieferte nur einen geringen Ertrag. Roggen, Weizen, u. Hafer lieferten einen normalen Ertrag.
Die wichtigsten Daten des politischen Geschehens des Jahres 1939 sind folgende:
März: Zunehmende Deutschenverfolgung in der Tschechei. 15. März: Einmarsch deutscher Truppen in Böhmen und Mähren. 16. März: Die Slowakei stellt sich unter deutschen Schutz. 28 März: Litauen beschließt die Rückgabe des Memelgebietes an das Deutsche Reich. Der Führer hielt am gleichen Tage eine Rede im Reichstag. Das Flottenabkommen mit England und der Vertrag mit Polen werden außer Kraft gesetzt.
23. August: Deutsch-Sowjetrussischer Nichtangriffs- und Konsultationspakt wird unterzeichnet. 31. August: Letzter Vorschlag an Polen zur friedlichen Beilegung des Konfliktes. 1. September: Proklamation der Rückkehr Danzigs zum Reich und Ausbruch des Krieges mit Polen. 3. September: Deutschland lehnt Englands und Frankreichs Ultimatum ab. 6. September: Oberschlesien ist wieder frei. 27.: Warschau kapituliert, der Staat Polen hat aufgehört zu bestehen. 29. September: Deutsch-Russischer Grenz- und Freundschaftsvertrag.
Ende Dezember: Seit Kriegsbeginn wurden von der deutschen Luft- und Seemacht über 1 Million Tonnen Handelsschiffe pp. versenkt.
Außer den im Monat August aufgeführten Personen nehmen am zeitigen Kriege aus der Gemeinde noch folgende teil.
Leifeld August No 5. Hilsky Hieronimus, Hilsky Christian, Hilsky Wilhelm alle drei Haus No. 96, Beseler Karl, Beseler Wilhelm, Beseler Arnold alle drei Haus No 9. Gockel Bernhard Haus N 107. Beseler Ferdinand Haus No 106. Tölle Josef Haus N 36. Humberg Johannes Haus No 87. Diederichs Hermann Haus No 70. Bunte Josef Haus No 99. Hedergott Johannes Haus No 82. Bunte Hermann Haus No 68. Wittlage Hermann Haus No 25. Ewers Johann Haus No 14. Lücking Franz Haus No 39. Hillebrand Johann Haus No 35. Schäfers Josef Haus No. 45. Meier Josef Haus No 40. Fust Josef Haus No 97. Fust Johannes Haus No 97. Meyer Franz u. Meyer Joh. beide Haus No 2.
Die Personenstandsaufnahme am 10.10.1939 hatte folgendes Ergebnis:
Einwohner 617 rk. und 6 evgl., Haushaltungen 121.
Die Gemeindekasse schloß in diesem Jahre ab:
Einnahme 45066,07 R.Mrk.
Ausgabe 42698,42 " "
Bestand 2367,65 " "
An Kriegsbeitrag hat die Gemeinde monatlich zu zahlen 443,51 R.Mrk.

Abgeschlossen:
Holtheim, den 1. Januar 1940.

Der Bürgermeister

Günther