1943
Januar
Im Anfang des Monats fiel reichlich Schnee. Am 7. trat starker Frost ein. Am 10. und 11. traten starke Schneeverwehungen ein. Die Kreisstraße Lichtenau - Holtheim mußte durch Schneeschlitten und Schaufeln wieder frei gemacht werden. Am 20. und 21. Januar trat Tauwetter ein. Bei und in Stalingrad vollzog sich der Heldenkampf der VI. Armee, bei welcher auch 6 Soldaten unserer Gemeinde bis zum letzten mitkämpften.

Februar
Im Februar war es durchweg trocken und kalt.

März
Im Anfang des Monats war es noch kalt. Am 16. März begann ein schönes Frühlingswetter, es wurde schon in den Gärten mit den ersten Frühlingsarbeiten begonnen. Vom 24. bis Ende März hat es dauernd geregnet.

April
Im Monat April war es durchweg regnerisch und kalt.

Mai
Der ganze Monat Mai brachte herrliches Frühlingswetter. Ende Mai kamen die ersten bombengeschädigten Verwandten von Dorfeinwohnern in unserer Gemeinde an.

Juni
Durch Bombenangriffe feindlicher Flieger auf die Eder- und Möhnetalsperren entstanden in den Eder- und Möhnegebieten große Schäden. Es mehrten sich auch die Terrorangriffe auf unsere Großstädte, wodurch sich der Zuzug von Bombengeschädigten in unsere Gemeinde beträchtlich erhöhte. Bis zum 5. Juni waren schon 42 Bombengeschädigte und Evakuirte Personen hier zugezogen. In der Mitte des Monats hatten wir ziemlich heiße Witterung, das Korn reifte schnell.

Juli
Die Witterung im Monat Juli war durchschnittlich trocken und warm.

August
Vom 1. bis 10. August war das Wetter regnerisch. Gegen Mitte August trat eine Hitzeperiode ein, die Ernte ging schnell von statten und auch alle Futterarten konnten trocken geborgen werden. Der Ernteertrag war gut. In Rußland entbrannten heftige Kämpfe, besonders bei Orel, am Kubanbrückenkopf, am Badogasee und an der Mius(?)front. Unsere Soldaten wehrten sich gegen die erdrückende Übermacht der Russen tapfer und brachten dem Feinde schwere Verluste bei. Schwere Schäden entstanden durch die Großangriffe der feindlichen Flieger auf die Städte und Industrieanlagen im Ruhrgebiete, an der Küste, in Süd- und Südwestdeutschland.

September: keine Einträge.

Oktober
Am 22. Oktober fand ein schwerer Terrorangriff auf Kassel statt. Der südliche Horizont war schaurig gerötet von dem furchtbaren Feuer. Man konnte hier das Aufblitzen der Flakgranaten sehen und das Auflodern neuer Phosphorbrände beobachten. Es entspannen sich schwere Luftkämpfe zwischen deutschen Jägern und feindlichen Fliegern, die ganze Gegend war hell erleuchtet. Immer wieder blitzten die (?)signale der deutschen Jäger auf. Im Süden und Osten sah man brennende Flugzeuge abstürzen.

November
Das Herbstwetter wechselte mit kurzen Regenzeiten und schönen Tagen. Der Spätherbst war selten schön. Die junge Winterfrucht stand selten gut, geriet aber durch eine große Mäuseplage in Gefahr, vernichtet zu werden. Es wurde eine Mäusevernichtung angeordnet und mit gutem Erfolg durchgeführt.

Dezember
Die Witterung im Monat Dezember war durchweg regnerisch und gelinde. Ein paar Tage vor Weihnachten fiel etwas Schnee, war aber sofort geschmolzen. Man nahm Abschied vom alten Jahr mit dem Bewußtsein, daß es wohl eines der schwersten in der Geschichte war, daß aber trotz aller Schwierigkeiten weder Front noch Heimat versagte. Der Schritt ins neue Jahr war gleichzeitig ein Schritt in das Jahr der Krisis und Entscheidung.

Statischtisches

Die Personenstandaufnahme am 10.10.1943 ergab 738 Personen, die Zahl der Geburten betrug 12, die Zahl der Trauungen betrug 2, Todesfälle sind zu verzeichnen 9.
Die Viehzählung am 3.12.1943 ergab: 89 Pferde, 474 Stück Rindvieh, 354 Schafe, 607 Schweine, 9 Ziegen, 1202 Hühner, 133 Gänse, 61 Enten, 26 Bienenstöcke und 108 Kaninchen, sowie 2 Truthühner. Wegebauarbeiten konnten im Jahre 1943 wegen Mangel an Arbeitskräften nicht ausgeführt werden.
Auf dem Felde der Ehre sind im Jahre 1943 gefallen:
Gefreiter Wilhelm Humberg 87 am 9. Oktober in Rußland,
Obergefr. Josef Waldeyer 8 am 7. Januar in Rußland,
Grenadier Hubert Paschen 47 am 20. Juni in Rußland,
Unteroff. Johannes Humberg 87 am 5. Juli in Rußland,
Gefreiter Josef Knaup 113 am 8. September in Rußland,
Gefreiter Franz Jöhring 56 am 26. September in Rußland,
Obergefr. Anton Knaup 108 am 15. Dezember in Rußland,
Gefreiter Josef Schäfers (Dickenjohannes) 94 am 18. Januar in Rußland.
Vermißt wurden bei den schweren Kämpfen bei und in Stalingrad Gefreiter Andreas Nutt, Gefreiter Josef Tölle (Kleinpickers) Nr. 88, Grenadier Franz Schlender Nr. 64, Gefreiter Wilhelm Leifeld (Hengelmanns) Nr. 75. Weiter sind bei den Kämpfen in Rußland vermißt: Grenadier Konrad Sander (Salzleute) Haus-No. 42, Gefreiter Josef Schäfers (Kuhlen) Haus-No. 45.
Die Prüfung der Gemeinderechnung 1942 - 1943 ergab folgenden Abschluß:
Ordentlicher Etat: Einnahmen 46991,77 RM
Ausgaben 46211,04 RM
Bestand 780,73 RM.

Abgeschlossen, Holtheim, den 31.12.1943

der Bürgermeister

Günther (Nr. 13)