1945
Mit winterlichem Schmuck überschreiten wir die Jahresschwelle. Noch immer tobt der unglückselige Krieg. Man kann wohl sagen, daß jede Familie des Ortes Kummer und Leid zu tragen hat, die eine um einen Lieben, welcher als Gefallener beklagt wurde, die andere wegen eines Vermißten oder Verschollenen, wieder andere um Gefangene und Verwundete. Alles hegt den Wunsch, daß dieser krieg doch nun endlich einmal sein Ende findet. Die einst so siegreiche deutsche Armee ist auf deutschen Boden gedrängt worden. Im Westen steht der Feind bereits auf deutschem Boden und im Osten nähert er sich mit Riesenschritten unserer lieben Heimat. Schicksalsschwer beginnen wir das Jahr 1945.

Januar
Bei geringer Kälte hält der Monat Januar vorerst sein winterliches Kleid. Zu Ende des Monats fiel der Schnee reichlicher.Mit dem Montasletzten setzte ein Witterungsumschlag nach Frühlingsart ein. Die ersten Obdachlosen trafen aus Paderborn ein, da die Stadt am 17. des Monats einem Großangriff ausgesetzt war.

Februar
Der sonst so gestrenge Februar zeigte sich von der milden Seite, das Tauwetter hielt an. Im übrigen konnte man das Wetter als Aprilwetter bezeichnen, da Regen, Schnee und Sturm sich einander ablösten.

März
Die erste Hälfte des Monats brachte eine schlechte Witterung. Mit dem 18. setzte dann herrliches Frühlingswetter ein. Die Felder trockneten schnell ab, so daß mit der Frühjahrsbestellung bald begonnen werden konnte. Viele Störungen wurden durch die umherkreisenden feindlichen Tiefflieger verursacht. Am 27. erfolgte der tatsächliche Großangriff auf Paderborn, wodurch die Innenstadt völlig ausbrannte. Vile Obdachlose aus Paderborn wurden hier untergebracht. Zu Ende des Monats stieß der Feind bereits über die Kreisgrenze. Alles war in banger Sorge und harrte angstvoll der nächsten Tage. Unser Ort sollte von SS-Verbänden verteidigt werden. Zum Glück rückten die Truppen jedoch beim Annähern des Feindes ab. In Nähe der Nachbarorte Husen, Atteln stießen die feindlichen Truppen auf Widerstand, welches zur Folge hatte, daß die Ortschaften unter Artillerie-Beschuß genommen wurden, wodurch mehrere Gebäude eingeäschert wurden.

April
Am 3. April zogen die ersten amerikanischen Truppen in unseren Ort ein und jedes Haus wurde von denselben belegt. Einige deutsche Soldaten, welche hier in Urlaub und krank waren, wurden gefangen genommen und abgeführt. Bei dem Wegzug der amerikanischen Truppen ist vielen Einwohnern Fleisch und Wurstwaren entwendet worden. Die erste Aprilhälfte brachte uns weiterhin das schönste Wetter. Ende des Monats wechselten Regen und Schnee sich ab.

Mai
Das Aprilwetter dehnte sich auch noch auf die erste Maihälfte aus. Die folgenden Tage brachten wuchsiges Wetter, so daß die Heuernte einen guten Erfolg versprach.
Am 8. des Monats erfolgte die Kapitulation der restlichen deutschen Streitkräfte, wodurch der unglückselige Krieg nun endlich sein Ende fand.


Juni
Die Witterung war besonders für die Landwirtschaft wie geschaffen. Regen und heitere Sonnentage wechselten ab. Dann folgte gutes Heuwetter. An Decken mußten auf Anordnung der Besatzung 25 Stück Decken abgegeben werden.

Juli
Die erste Hälfte brachte kein günstiges Wetter, es war naß und kalt; die zweite Hälfte brachte jedoch eine günstigere Witterung.

August
Der Erntemonat August begann mit sehr günstigem Wetter, so daß die Erntearbeiten ausgezeichnet klappten. Dadurch, daß inzwischen schon einige Einwohner, welche in Gefangenschaft gewesen waren, bereits wieder entlassen waren, gingen die Erntearbeiten schneller vonstatten. Am 8. jedoch setzte bereits Regenwetter ein, wodurch das noch draußen stehende Wintergetreide stark auswuchs. Der sich noch auf dem Halm befindliche Hafer regnete größtenteils aus. Ende des Monats fand die erste Kleidersammlung statt. Von den Einwohnern mußten aufgebracht werden: 15 Männergarnituren, 6 Frauengarnituren, 4 Knaben- bzw. Mädchengarnituren und 2 Kleinstkindergarnituren.

September
Die Ende August einsetzende gute Witterung hielt im Laufe des Monats durchweg an. Das völlig zerstörte Telephonnetz war soweit wieder in Ordnung gebracht, daß mit einzelnen Teilnehmern, wie Amt usw. wieder gesprochen werden konnte. Die Kartoffelernte, welche als mittel zu bezeichnen ist, wurde durchgeführt.

Oktober
Die Einbringung der Hackfürchte ging infolge der guten Witterung vorwärts. Die Runkelernte war als sehr mäßig zu bezeichnen. Es fehlte hierfür der erforderliche Kunstdünger, da kaum welcher zu haben war. Ende des Monats folgte die zweite Kleidersammlung. Das Soll betrug für den hiesigen Ort: 168 Decken, 24 Bettücher, 11 Kopfkissen, 22 Kopfkissenbezüge, 62 Handtücher, an Männerkleidung 10 Überzieher, 15 Jacken, 23 Hosen, 30 Hemden, 22 Unterjacken, 14 Pullover, 21 Unterhosen, 60 gew. Socken und 22 Paar Schuhe.
An Frauenkleidung 4 Mäntel, 7 Kleider, 7 Pullover, 4 Unterröcke, 4 Unterjacken, 5 Beinkleider, 14 Paar Strümpfe, 6 Paar Schuhe und 12 Strumpfhalterungsgürtel.
An Kinderkleidung 5 Mäntel, 2 Jacken, 3 Pullover, 2 Hosen, 2 Kleider, 10 Unterjacken, 11 Unterhosen und Schlüpfer, 11 Paar Strümpfe und 6 Paar Schuhe. Da das Soll nicht restlos aufgebracht wurde, mußten verschiedene Nachsammlungen angesetzt werden, wodurch das Soll zur Ablieferung gelangen konnte.

November
Zum Wiederaufbau der durch die Kriegsereignisse im Kreise Büren zerstörten Gebäude wurde eine sogenannte Kreishilfe ins Leben gerufen. Hiernach sollten die verschont gebliebenen Grundbesitzer usw. zu den Aufbaukosten beisteuern. Die Sammlung im hiesigen Ort blieb nicht ohne Erfolg, der gesammelte Betrag von 4288,60 Reichsmark konnte dem Kreis zur Auszahlung an die Geschädigten zur Verfügung gestellt werden. Von den Besitzenden sollte 1% vom Einheitswert und von den zu Miete wohnenden eine Monatsmiete gespendet werden. Weiterhin wurde für die Stadt Herne eine Naturaliensammlung durchgeführt, welche ein gutes Ergebnis an Kartoffeln, Getreide, Fett und sonstigen Lebensmitteln zu verzeichnen hatte. Ferner wurde eine Caritassammlung durchgeführt, welche ein Ergebnis von 2242 Reichsmark aufzuweisen hatte.


Dezember
Vom Winter ist noch nicht viel zu merken. In der ersten Hälfte fiel etwas Schnee, welcher jedoch durch die milde Witterung wieder vertrieben wird. Am 28.12. Abends herrschte ein starker Sturm, wodurch viele Dachziegeln abgeweht wurden. Da neue nicht zu beschaffen waren, mußte erst die Kriegerhalle teilweise abgedeckt werden, um die Schäden beheben zu können. Die auch in diesem Monat durchgeführte Caritassammlung erbrachte die Summe von 1797 Reichsmark.
Die Viehzählung am 3. des Monats ergab folgendes Ergebnis: 92 Pferde, 452 Stück Rindvieh, 520 Stück Schweine, 362 Stück Schafe, 3 Ziegen, 834 Hühner, 36 Enten und 122 Gänse.
Der Gemeindekassenabschluß für das Rechnungsjahr 1944 ergab:
Einnahmen 55382,45 Reichsmark
Ausgabe 50620,43 Reichsmark
Bestand 4762,02 Reichsmark.
Bis zur nächsten Wahl sind vorläufig folgende Personen als Gemeinderäte eingesetzt und in ihr Amt eingeführt worden:
1. Günther Anton (Kürlemeggers) Nr. 31
2. Junker Johann (Dauts) Nr. 73
3. Waldeyer Hermann Nr. 8
4. Hansmann Anton Nr. 7
5. Schäfers Franz (Kuhlen) Nr. 45
6. Schmidt Franz (Flöts) Nr. 98
7. Geilhorn Karl Nr. 4
8. Ewers Johann (Magisters) Nr. 14
9. Tölle Josef (Kattrinnemeggers) Nr. 76.

Auf dem Felde der Ehre fielen noch in den letzten Kriegswochen:
Soldat Bernhard Hagemeier (Backesanders) Haus-No. 53,
Soldat Bernhard Humberg (Kniwels) Haus-No. 55,
Obergefreiter Alois Knaup Haus-No. 37a
und Heinrich Bröker (Schmees) Haus-No. 21

Abgeschlossen:

Holtheim, den 31.12.1945

Der Bürgermeister

Günther (vulgo Hellemeggers, Nr. 13)