1961
An der Schwelle des neuen Jahres hielt das Winterwetter vorerst noch an. Doch schon bald setzte wieder Regenwetter ein. Die niedrigste Temperatur wurde am 19. Januar mit 19° + gemessen.
Der Monat Februar brachte erneut Schnee, aber auch wiederum viel Regen. Die Tagestemperatur stieg schon ungewöhnlich hoch an. Es war wohl der wärmste Februar dieses Jahrhunderts.
Auch der Monat März war sehr mild, aber auch sehr regnerisch. Am 19. März erfolgte die Neuwahl der Gemeindevertretung. Gewählt wurden:
a) Bauer Anton Günther Nr. 11 (Spechts, Zum Brunnen 11)
b) Schuhmachermeister Martin Flore Nr. 83  (Eggestr. 37) und
c) Bauer Anton Günther Nr. 31 (Kürlemeggers, Mitteldorfstr. 15)  (von der CDU)
d) Waldarbeiter Karl Schmidt Nr. 89 (Flöts, richtig Nr. 98, Eggestr. 51)und
e) Waldarbeiter Josef Junker Nr. 73 (Dauts, Eggestr. 20) (von der SPD)
f) Bauer Anton Simon (Backesanders, Nr. 53, Annenweg 3) vom Zentrum.

Als neuer Bürgermeister wurde der Bauer Anton Günther Nr. 31 gewählt. Dieser und der Gemeinderat Simon wurden durch die Gemeindevertretung als Mitglieder der Amtsvertretung bestimmt.
Der April gab mit seinem Schlechtwetter seinem Namen alle Ehre. Es herrschte kaltes und regnerisches Wetter.
Auch der Monat Mai brachte nicht das richtige Frühlingswetter. Den ganzen Monat über blieb es trüb, kühl und auch sehr naß. Auf Grund der niedrigen Temperaturen mußte fast den ganzen Monat hindurch geheizt werden.
Am 1. Juni fand das traditionelle Königschießen des Heimatschutzvereins statt. Die Königswürde errang der Schlosser Josef Günther Nr. 31 (vulgo Kürlemeggers, Mitteldorfstr. 15), welcher seine Braut Anni Volmer aus Oentrop zur Königin erkor.
Trüb und regnerisch wie der Vormonat war auch der Monat Juli, wodurch die Getreideernte sehr beschwert wurde. Vom 22. bis 24. ds. Mts. wurde das Heimatfest gefeiert. Jung und Alt nahmen hieran teil, sodaß die Halle kaum genügend Platz für die Festteilnehmer bot. Anfang des Monats wurde die unter Naturschutz stehende alte Linde vor dem Kriegerehrenmal gefällt, da der Stamm morsch geworden war.
Leider brachte auch der Monat August kaum beständiges Erntewetter. Bereits am Nachmittag des 2. ging gegen 16.00 Uhr ein starkes Unwetter über unsere Feldflur nieder. Das Unwetter zeigte sich durch fast schwarze Wolken an, sodaß sich schon der Nachmittag als Nachtzeit zeigte. Das am Nachmittag herrschende Hagelwetter vernichtete große Flächen der diesjährigen Ernte. Besitzer, welche nicht gegen Hagel versichert waren, traf das Unwetter besonders hart. Hinzu kam noch die schlechte Wetterlage, sodaß es eine mehr als schlechte Ernte gab. Durch das anhaltende schlechte Wetter konnte auch nur ein Teil des Getreides mit Mähdrescher gemäht werden. Vielfach mußte das Getreide auf Grund der großen Feuchtigkeit den Trocknungsanlagen zugeführt werden. Ende des Monats wurde das Wetter etwas besser. Dieses Wetter hielt auch im September noch an. Die Kartoffelernte machte daher keine große(n) Schwierigkeiten. Der Ertrag war jedoch überwiegend schlecht.
In diesem Monat wurden hier auch wieder die großen Herbstmanöver durch die Besatzungstruppen durchgeführt. Die schweren Panzer richteten auf den Straßen und den Feldern erneut erheblichen Schaden an.
Am 9. und 10. ds. Mts. wurde das diesjährige Kriegerfest gefeiert. Auch dieses hatte eine gute Beteiligung zu verzeichnen, zumal das Wetter sehr günstig war.
Der Monat Oktober brachte mit Ausnahme von einigen Regentagen ebenfalls günstiges Wetter, sodaß auch die Rübenernte gut von statten ging. Auch die Herbstbestellungsarbeiten gingen flott von statten. Leider trat nunmehr eine sehr starke Mäuseplage auf. Täglich sah man die Einwohner beim Giftauslegen auf den Feldern, insbesonders auf den bereits bestellten.
Im November hielt das schöne Wetter bis zur Mitte des Monats noch an. Am 20. trat Frostwetter ein, welches bis zum 26. anhielt. Anschließend folgte wieder Regen.
Für die Jahreszeit sehr mild war die erste Hälfte des Monats Dezember. In der zweiten Hälfte traten starke Fröste auf, sodaß der Straßenverkehr vielfach behindert wurde.
Die Viehzählung am 4. Dezember ergab:
36 Pferde, 337 Schafe, 659 Rindvieh, 104 Gänse, 1196 Schweine, 1276 Hühner, 44 Enten, 2 Ziegen.
Der Rechnungsjahresabschluß für das Rumpfrechnungsjahr (1.4. bis 31.12.60) betrug:
a) Einnahme:              156.914,21  DM
b) Ausgabe:                154.689,94  DM
c) Überschuß:                 2.224,27  DM.

An Wegebaumaßnahmen wurde in diesem Jahre lediglich die Straßenentwässerung im unteren Ortsteil weitergeführt. Es kamen folgende Strecken infrage: von Günther 11 bis Sander 3 (Zum Brunnen 11 bis 21), von Hansmann 7 bis Diederichs 70 (Zum Brunnen 16 bis Annenweg 15, „Hansmanns Euwer“), von Fuest 97 bis Schmiede Behler (Bogenstr. 4 bis 7) und von Diekmann 111 bis Jöhring 56  (Annweg 10 bis 12, Feldweg zur Siehe, postalisch heute Annenweg). Die Kosten hierfür betrugen 25.147,25 DM. Die Arbeiten wurden von der Firma Tierau in Kleinenberg durchgeführt.
Am Ende des Jahres wurde eine Umklassifizierung von Straßen vorgenommen. Hierdurch wurde die Straße von Gut Bülheim bis Blindeborn als Kreisstraße übernommen.
Durch den Zimmermann Martin Meyer (vulgo Langenbeckers) wurde in dem elterlichen Garten am Lipsberg ein neues Wohnhaus errichtet (Nr. 105, Am Lipsberg 3).
Der Bauer Franz Schäfers Nr. 45 (vulgo Kuhlen, zur Kuhle 9) erneuerte den Wohnteil seines Hauses. Das Siedlungsgelände auf der Kuhweide wurde erweitert, und zwar in Richtung Marschallshagen, worin 22 neue Bauplätze ausgewiesen wurden. Es ist damit zu rechnen, daß hierin im kommenden Jahre verschiedene neue Wohnhäuser errichtet werden.
Am 13. Mai wurde durch Josef Günther Nr. 93 (vulgo Höschens, Am Lipsberg 8) die neue Gastwirtschaft „Zur Waldschänke“ eröffnet.
Die Einwohnerzahl beläuft sich auf 700.
Auch in Marschallshagen hat sich in diesem Jahre etwas getan. So erhielten die beiden Werkhäuser endlich den langersehnten Anschluß an die Wasserleitung von der Quelle im Zitzewitz’schen Forst. Weiter wurde der Platz zwischen den beiden Gebäuden ordnungsmäßig gehärtet und hergerichtet. (s. nebenstehende Notiz) Es folgt der hier eingeklebte Zeitungsbericht: „Holtheim / Marschallshagen. Sehr erfreut waren die Bewohner des Ortsteils Marschallshagen, als man ihnen vor einigen Wochen die Wasserleitung legte. Jetzt werden sie von einer weiteren Maßnahme überrascht. Der Vorplatz zwischen den Häusern erhält eine neue Befestigung. Bei schlechtem Wetter mußten die Bewohner häufig durch den Schlamm waten, den sie leider auch in die Zimmer schleppten. Inzwischen ist jedoch die Packlage, der bald die Teerdecke folgen soll, gesetzt.“ Soweit der Zeitungsbericht.
Erwähnenswert ist, daß der Metzgermeister Josef Schlender (Nr. 67, Annenweg 25) das traditionelle Königschießen und auch das Heimatfest im Bilde festgehalten hat. Außerdem wurde von ihm noch ein Heimatfilm geschaffen, worin daß ganze Leben und Treiben unseres Heimatdorfes festgehalten wurde. Bei der Uraufführung der beiden Filme war ein sehr starker Andrang zu verzeichnen. Manche Bewohner konnten sich bei der Vorführung der Filme, wie sie feierten und wie sie schafften, wiedersehen.

Holtheim, 31. Dezember 1961.
Der Bürgermeister
Günther (Nr. 31)